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Allein zuhause, wenn andere im Urlaub sind

27.09.2013
Ein Blogbeitrag von Hanna Thiele Roth und David Roth
Allein zuhause, wenn andere im Urlaub sind

Unsere Fotoalben sind voll mit Bildern von ausgelassenem Strandleben, romantischen Bergwanderungen und stimmungsvollen Open-Air Konzerten. Die Erinnerungen an Sommermonate mit Urlaubsreisen, Familienfesten und Sonntagsausflügen ins Grüne gehören für trauernde  Menschen zu den schmerzlichsten Momenten, wo ihnen besonders bewusst wird, wie sehr  der verstorbene Partner fehlt.
Es dauert lange, bis man sich wieder über die Bilder freuen kann und die Trauer von positiven Gefühlen der Erinnerung überlagert wird. Aber der Moment wird kommen und bis dahin tut es gut, die Trauer zuzulassen, was nicht heißen muss, sich zurückzuziehen und vor dem Leben abzuschotten. Wenn Freunde und Verwandte im Sommer in den Urlaub starten, bleiben Trauernde häufig zuhause zurück. Die wenigsten fassen den Mut, gleich alleine zu verreisen. Für diese Menschen veranstalten wir jedes Jahr ein Sommerkonzert in den Gärten der Bestattung, wobei wir natürlich auch Gäste die nicht in Trauer sind einladen, zu kommen. Den Trauernden tut die Gesellschaft gut, alle Besucher der Konzerte schätzen die Künstler, den Ort und auch die stillen Momente, die zwischendurch immer wieder entstehen.

„Streicheleinheiten für die Seele“ heißt diese Konzertreihe. Dieses Jahr traten auf unserem Friedhof  der Popsänger und Songschreiber Purple Schulz, der Gitarrist Schrader und die Sängerin, Gitarristin und Komponistin Christiane Lux auf. Ein Konzert auf einem Friedhof? Werden sich jetzt bestimmte einige von Ihnen wundern. Warum nicht? Friedhöfe sind Erinnerungsorte und auch Musik schafft es, Erinnerungen wach zu rufen. Woran denken Sie, wenn Sie die Hits von Purple Schulz hören. „Verliebte Jungs“, „Kleine Seen“, „Sehnsucht“, sicher können Sie sich vorstellen, dass diese Songs an diesem besonderen Ort gespielt, eine große emotionale Wirkung erzielt haben.  Die 1.700 Besucher des Konzerts waren begeistert. Es wurde gelacht, geweint, getrauert und gefeiert.

Unsere Idee mit diesem Sommerkonzert Trauernden, aber auch Menschen die nicht trauern, die Möglichkeit zu geben, an einem interessanten Platz im Sommer zusammen zu kommen, schöne Musik zu hören, ins Gespräch zu kommen und einfach mal für ein paar Stunden eine gute Zeit zu verbringen, ist auch in diesem Sommer wieder aufgegangen. Letztendlich ist der Tod, und deshalb lassen wir das Konzert auf unserem Friedhof stattfinden, ein Teil vom Ganzen. Er gehört zum Leben. Es existiert immer alles gleichzeitig Leben und Tod. Ein Friedhof muss nicht zwangsläufig nur ein trauriger Ort sein. Unsere Gärten der Bestattung sind ein Ort, an dem man sich auch an schöne Zeiten erinnern kann.

 
Herzlichst, Ihre
Hanna Thiele Roth und David Roth

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2 Kommentare
  1. Kompliment für diese schöne und wirklich hilf-reiche Idee!

    LG, Bettina Ulitzka
    Das HERZLICHT

  2. Schön.

    Ja, Ihr habt recht “ Es existiert immer alles gleichzeitig Leben und Tod.“

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