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Anfängliche Skepsis weicht Begeisterung

29.02.2012
Eindrücke zur Ausstellung „Erzähl mir was vom Tod“
Anfängliche Skepsis weicht Begeisterung
Fotos: Nik Schölzel

Am 15. Oktober 2011 eröffnete die Ausstellung „Erzähl mir was vom Tod! – Eine interaktive Ausstellung über das Davor und das Danach“ im Kindermuseum des Edwin Scharff Museums in Neu-Ulm. adeo-online hat als Partner der Ausstellung über die Eröffnung berichtet. Damals sagte die stellvertretende Museumsleiterin Birgit Höppl, die das Projekt betreut: „Die Ausstellung versteht sich als eine ungewöhnliche Einladung für Menschen zwischen sechs und 99 Jahren, für Kinder und Jugendliche, für Mama und Papa, für Oma und Opa. Sie ist eine Konfrontation mit einem Thema, dem wir in unserer Gesellschaft oft mit Sprachlosigkeit und Angst gegenüberstehen.“ Weiter führte sie aus: „Die Ausstellung ,Erzähl mir was vom Tod!‘ möchte sich dem großen Tabu stellen, das heutzutage mit dem Tod verbunden ist. Sie will nicht erschrecken oder niederdrücken, sondern im Gegenteil den Tod zurück ins Leben rufen und bewusst machen, dass Leben und Tod untrennbar zusammengehören.“

Gut vier Monate später wollte adeo-online nun wissen, wie die Ausstellung angekommen ist und welche Erfahrungen das Museum mit den Besuchern gemacht hat.

 

Konzeption für jung und alt

Natürlich hat sich das Museum am 10. Februar engagiert: An diesem Tag findet jährlich der „Tag der Kinderhospizarbeit“ statt. In Kooperation mit dem Hospiz Ulm wurde ein interessantes Programm für Jung und Alt angeboten. Sicher kein einfaches Thema, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, die an unheilbaren Krankheiten leiden. Das Museum ist sich jedoch seiner Rolle bewusst und unterstützte im Rahmen der Ausstellung „Erzähl mir was vom Tod“ diesen Tag (Programm Kinderhospiztag 10.02.2012).

Birgit Höppl hat interessante Erfahrungen gemacht – und die sind nahezu ausnahmslos sehr intensiv und offen, aber auch informativ. „Das Thema ist an jedem Menschen sehr dicht dran und so vergehen die Führungen gefühlt rasend schnell“, stellt die stellvertretende Museumsleiterin und Projektleiterin der Ausstellung fest und ergänzt: „Man könnte sagen, Respekt und Skepsis gegenüber dem Thema der Ausstellung, das ,Auf-Abstand-Gehen‘ sowie das Tabuisieren verhalten sich umgekehrt proportional zum Alter der Besucher. Das macht sich wie folgt bemerkbar: Schülerinnen und Schüler der ersten Klassenstufen sind durchweg gänzlich offen eingestellt. Sie haben kein Problem, sich zum Beispiel in den Sarg zu legen, ganz im Gegenteil, sie fordern es ein. Jugendliche tun sich dabei schon um einiges schwerer und Erwachsene lehnen es bis auf wenige Ausnahmen gänzlich ab, mit dem Sarg in Kontakt zu kommen. Ähnliche Beobachtungen kann man bei der Annäherung an das Skelett im ,Paradiesgarten‘ beobachten, wobei dort die Gruppe der Jugendlichen am meisten zunächst zurückschreckt, die Erwachsenen sich aber am seltensten auf die Glasscheibe legen.“

Die Station „Großvater geht“ zeigt sehr zurückhaltende Schwarzweißfotografien von Georg Pöhlein. Die Fotos zeigen die letzten Tage des Großvaters in seinem Zuhause. „An dieser Stelle kommt das Thema Sterben und Tod gerade bei Erwachsenen richtig durch“, berichtet Birgit Höppl. „Man sieht, wie der Großvater immer weniger wird, bald nur noch im Bett liegen kann, stirbt, aufgebahrt wird – seine Frau ist bei ihm. Diese Station ist ganz unaufgeregt, man kann nichts tun, nur schauen, aber sie berührt die Besucher, vor allem die Erwachsenen, sehr.“
Hier werden einerseits viele eigene Erfahrungen mit dem Tod von Angehörigen geäußert, aber auch Erfahrungen in Bezug auf Trauer, Trauerkultur und Abschiednehmen geschildert.

 

"Umgekehrt proportional zum Alter der Besucher"

Die Besucher und Besuchergruppen sind bunt und es geht nicht nur um alt und jung. Gernot Ladwein ist Erlebnispädagoge und einer der Betreuer. Er hatte besondere Erlebnisse mit den Gruppen des Körperbehinderten-Zentrums Oberschwaben in Biberach. Die Arbeit mit den kleinen Gruppen war sehr intensiv. Gernot Ladwein zeigte sich begeistert von den Kindern. „Sie waren so wach, voller Lebenslust und Lebensenergie – einfach nur toll!“ Ein sehr schönes und ergreifendes Erlebnis stellte sich während einer Begleitung ein. Ein Junge, dessen Großvater erst kürzlich verstorben war, hatte es lange vermieden, den Raum mit dem Sarg zu betreten. Erst ganz zum Schluss, als alle anderen den Raum schon wieder verlassen hatten, näherte sich der Junge dem Sarg mit der Bitte, auch einmal ausprobieren zu dürfen, wie man darin läge. „Man konnte förmlich erkennen, wie sich sein Körper entspannte, als er sich niedergelegt hatte. Er lächelte kurz und sagte: ,Dann hat es mein Opa jetzt ja doch ganz bequem‘“, berichtet Ladwein.

Die Ausstellung ist angekommen. Nicht nur das Konzept trägt dazu bei, auch eine gewisse Bekanntschaft hat sich um die Wanderausstellung gebildet. Trotz der allgemeinen Tabuisierung des Themas interessieren sich viele Besucher für die Ausstellung und vielen erwachsenen Nachmittagsbesuchern ist es beim Verlassen des Museums ein Bedürfnis, sich bei den Betreuern und stellvertretend bei der Museumsleitung für deren Mut zu dieser Ausstellung zu bedanken. „Die Skepsis zu Beginn des Besuches ist gänzlich der Begeisterung gewichen und wir hören ,Tolle Ausstellung, toll gemacht, es hat sich gelohnt …‘“, freut sich Birgit Höppl und stellt fest, dass sie nur ganz selten kritische Worte gehört hat und diese sich einzig und allein auf das Fehlen eines religiösen Hintergrundes bezogen.

 

 

Informationen:

Die Ausstellung „Erzähl mir was vom Tod! – Eine interaktive Ausstellung über das Davor und das Danach“ im Kindermuseum des Edwin Scharff Museums ist vom 15. Oktober 2011 bis 9. September 2012 dienstags und mittwochs von 13 bis 17, donnerstags bis samstags von 13 bis 18 und sonntags von 10 bis 18 Uhr zu geöffnet. Anmeldungen für Gruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

www.edwinscharffmuseum.de

Edwin Scharff Museum, Petrusplatz 4, 89231 Neu-Ulm, Tel.: 0731/9726318

 

adeo-online Beitrag „Erzähl mir was vom Tod“ (10.10.2011)

adeo-online Beitrag „Kinder gehen mit großer Unbefangenheit und offener Neugier an das Thema ran“ (25.10.2011)

 

 

Eintrittspreise

Kinder bis 14 Jahre und Schulklassen ohne Führung frei

Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 4 Euro (Senioren, Behinderte, Schüler, Studenten, Sozialhilfeempfänger)

Jugendliche (15 bis 18 Jahre) 1 Euro

Familienkarte (zwei Erwachsene mit Kindern) 9 Euro

Familienjahreskarte 38 Euro

Erwachsene, Jahreskarte 23 Euro

Erwachsene, ermäßigt, Jahreskarte 18 Euro

 

 

 

 

 

 

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