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Aus wenig viel machen. Bestattungen gestalten, wenn die Mittel rar sind

13.01.2015
Ein Blogbeitrag von Barbara Rolf
Aus wenig viel machen. Bestattungen gestalten, wenn die Mittel rar sind
Foto: Franziska Molina

Immer wieder, und ich meine festzustellen auch immer häufiger, kommen Familien, denen nur sehr geringe Mittel zur Verfügung stehen, mit einem Trauerfall zu uns. Natürlich haben auch sie das Bedürfnis nach einer würde- und liebevollen Bestattung, natürlich haben auch sie Sonderwünsche und bestimmte Vorstellungen, und natürlich haben sie das gleiche Recht darauf, ernstgenommen und mit ihren Wünschen respektiert zu werden, wie vermögendere Menschen. Dann sind wir einmal mehr gefragt, uns etwas einfallen zu lassen, gemeinsam mit den Angehörigen zu überlegen, wie wir aus wenig viel machen können.

Heute möchte ich euch und Ihnen ein paar Dinge zeigen, die uns alles zugleich erlaubten – Kosten zu reduzieren, Verstorbene liebevoll zu bestatten und Angehörige gut zu begleiten.

Särge haben wir schon häufig mit eigenen Sachen ausgestattet, mit Heu von der eigenen Wiese, mit eigener Bettwäsche oder eigenen Leintüchern. Eine Familie hat ihre Verstorbene in ein Meer von Lavendel gebettet, da sie sich mitten in den Lavendelfeldern Frankreichs immer am wohlsten gefühlt hatte.

Titelbild

Diese Schmuckurne hat eine Schwester für ihren verstorbenen Bruder selbst getöpfert. (Zugegeben, die Friedhofsverwaltung musste in Sachen Vergänglichkeit zwei Augen zudrücken.)

Urne

Dieses Kreuz hat ein Sohn für seine Eltern selbst angefertigt und bemalt.

18_Kreuz Ruppert

Unsere Mitarbeiterin Anja Müller überlegt sich immer wieder neue Wege, Aschekapseln zu gestalten, wenn man keine Schmuckurne kaufen kann oder will.

P1010039

Schon häufig dienten selbstgestaltete Kerzen als Sargschmuck oder zierten den Tisch, auf dem die Urne aufgebahrt war.

Kerzen

Ganz einfache und günstige Naturholzsärge können auf vielfältige Weise gestaltet werden.

7_Sarg Florentin

Dieser Kindersarg wurde vom Opa des verstorbenen Jungen selbst gebaut.

14_Sarg Jakob

Und dieser Sargschmuck hat ca. 35 € gekostet.

Sarg

Kranzschleifenband (das haben wir in vielen verschiedenen Farben hier), eine Kerze, je eine rote Rose von den engsten Angehörigen und eine weiße Rose, die für die Verstorbene stand.

 

Neben diesen „kreativen“ Dingen kann auch überlegt werden, was Angehörige selbst übernehmen können und wollen, was sie nicht in die Hände der Dienstleister legen müssen. Allerdings muss ich gestehen, dass wir hiermit sehr ambivalente Erfahrungen gemacht haben. Eine Familie hat die ganze Bestattung selbst organisiert und gestaltet, von Beurkundung über Graberwerb, Stellen der Sargträger, Blumenschmuck, Karten und Anzeigen, Versorgung und Einkleidung der Verstorbenen… Einzig einen einfachen Sarg und die Überführung von zu Hause zum Friedhof haben sie von uns in Anspruch genommen. Sie hatten das notwenige Netzwerk, die Umsicht, die Kraft und den Mut, das tatsächlich alles in den eigenen Händen zu behalten. Und es verlief alles reibungslos und sehr gut. Wir haben aber auch schon oft erlebt, dass das selbst Übernommene nicht gemacht wurde oder schief lief. Oder dass es unzählige Rückfragen gab von Familie, Ämtern, Geistlichen und Friedhöfen, weil sie es sich einfach leichter vorgestellt hatten, dem Ganzen dann aber doch nicht gewachsen waren. Dann haben wir deutlich mehr Aufwand als üblich und können im Grunde auch nicht davon absehen, diesen in Rechnung zu stellen. Diese Situationen mag ich gar nicht, zumal es nach außen dann leicht den Anschein macht, dass wir chaotisch und unzuverlässig arbeiten. Durch solche Erfahrungen bin ich um- und vorsichtiger geworden beim Abstimmen von „wer macht was“.

Welche Erfahrungen habt ihr/haben Sie mit solchen Situationen gemacht? Welche Ideen gibt es noch, Besonderes zu schaffen, ohne viel Geld in die Hand nehmen zu müssen?

Ich freue mich über Kommentare und Erfahrungsaustausch.

 

 

 

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7 Kommentare
  1. Großartig, wie kreativ Sie sich einsetzen. Ganz besonders gefallen mir die selbst gebastelten Aschekapseln.
    In meinem Atelier für Grabgestaltung mache ich auch die Erfahrung, dass immer mehr Menschen weniger Mittel haben, ihre Wünsche zu erfüllen.
    Da ist Kreativität gefragt. Kleine Findlinge aus dem Vorgarten des Verstorbenen dienen als Grabstein oder kleine Schmuckstücke der Familie dekorieren den Grabstein

    Eveline Stalder

  2. Johannes sagt:

    Ja, ähnliche Erfahrungen habe ich auch gemacht.
    Mann muß, wenn Angehörige gerade die Behördengänge selber machen möchten, alles kontrollieren und kommt nicht so gut an die Unterlagen. Dann müssen diese oft doch nachgereicht werden.
    Gerade bei Urnen kann man mit wenigen und schönen Mitteln viel erreichen. Schön. Ich werde mir wohl noch ein paar Kranzschleifen zulegen….
    Danke.

  3. schlick sagt:

    Unsere Hochachtung wie toll Sie das machen, endlich haben wir einen gleichgesinden gefunden, wir haben das Problem über unseren verein gelöst den wir vor 3 Jahren gegründet und eingetragen haben. Unsere Mitglieder bemalen Urnen und Särge, gestalten die Innenauskleidung der Särge. Bin beruflich Bestatter, habe aber mit diesem Projekt eine christliche Antwort gefunden wie man mit wenig Mitteln Hilfesuchende- Hinterbliebene würdevoll helfen und zur Seite stehen kann. Roland Schlick mit Team

  4. Urnenunikat sagt:

    Die (kreativen) Ideen, die Sie beschreiben und zeigen, sind toll. Genauso wie Ihr offener Umgang mit dem wiederkehrenden Geldproblem, das bestimmt viele betrifft.

  5. Eva Schiek sagt:

    Für die Bestattung meines Partners hatte ich damals fast alles selbst gemacht, es beinhaltete auch ein Abschiedsritual das ich zusammen mit meinen Söhnen geplant hatte. Durch meine spirituelle Ausbildung war ich es allerdings auch gewohnt selbst Rituale zu finden, zu entwickeln und zu gestalten.
    Zu dem ganzen Thema „Selbstbestimmung in der Stebekultur“ habe ich letztens ein Buch gefunden, das ich hier gerne als Tipp weiterempfehlen kann: „Das letzte Hemd ist bunt – Die Freiheit in der Sterbekultur“ von Fritz Roth. Der inzwischen verstorbene Fritz Roth war einer DER Vorreiter einer neuen Sterbe- und Bestattungskultur, natürlich in Zusammenarbeit mit seinem Team und dem nötigen Netzwerk. Diese führen die gute Arbeit auch weiter…. sehr interessant!

  6. Eva Schiek sagt:

    P.S.: auch ich hatte damals kaum Geld zur Verfügung. Es gibt so viele Möglichkeiten etwas liebevoll zu gestalten, mit Kerzenlicht, Naturmaterialien, selbstmitgebrachter Musik (oder selbst musizieren soweit man sich dazu in der Lage sieht)… selbstgeschriebenem vorgebrachtem Gedicht, selbstgesammelte wilde Heckenrosenblätter zum Verstreuen, jeder bringt einen Stein mit und legt ihn auf´s Grab, (hat jemand aus Israel als Idee mitgebracht), einer Umarmung für jeden der mag… einfach mit dem Herzen dabeisein…

  7. Die Beerdigung und alles was damit zu tun hat, sollte so individuell wie der Mensch selbst sein. Doch besonders wenn man selbst wenig finanzielle Mittel dafür zur Verfügung hat, ist es eine schöne und vor allem sehr persönliche Sache, bei der Beerdigung Aufgaben, wie ein Musikstück, oder eine kleine Rede zu übernehmen, oder Dinge dafür selbst herzustellen (Kerzen, Blumengestecke..), oder sogar Urne und Sarg selbst zu gestalten. Dies macht den Abschied würdiger, als jede noch so prunkvolle Bestattung.

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