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„Bei uns wird auch viel gelacht“

10.12.2014
Ein Blogbeitrag von Hanna Roth-Thiele und David Roth
„Bei uns wird auch viel gelacht“

Lieber Leserinnen und Leser unseres Blogs,

der November ist zu Ende und wie jedes Jahr haben uns im Trauermonat viele Presseanfragen erreicht. Wir freuen uns über das Interesse der Medien, hilft es doch, die Themen Trauer und Tod in die Öffentlichkeit zu tragen, wo diese Themen viel zu selten stattfinden.
Klar, wir sehen jeden Abend in den Nachrichten Katastrophen mit Toten, schauen Film an, in denen gestorben wird. Aber das ist was ganz anderes. Unser Anliegen ist es, den realen Tod zurück ins Leben zu holen. Daran ist nichts makaber. Es geht darum zu verstehen, was es bedeutet, dass jedes Jahr 900 000 Menschen in Deutschland sterben. Zehn Prozent der Bevölkerung sind in Trauer oder haben im Freundes- oder Bekanntenkreis einen Sterbefall.

Wie mit dieser schwierigen Situation umgehen? Was machte das mit uns, wenn wir hinschauen, wenn jemand gestorben ist, wenn wir uns nicht schnell ablenken und weiter Dienst nach Vorschrift machen? Das Leben geht eben nicht einfach weiter. Als Bestatter wissen wir das und wir teilen unser Wissen gerne mit Ihnen. Wie gehen wir im Bestattungshaus Pütz-Roth mit trauernden Angehörigen um?

Denkanstoß 11  „Bei uns wird auch viel gelacht“

Dieser Satz aus einem RTL-Interview hat in den letzten Wochen zu einigen Irritationen geführt. Schließen die Berufe Bestatter und Trauerbegleiter nicht automatisch Lebensfreude und Humor aus? Wird man zwangsläufig nicht selbst irgendwann zum Trauerkloß, wenn man ständig mit Trauernden zu tun hat? Diese Fragen bekommen wir häufig gestellt. Deshalb möchten wir in unserem heutigen Denkanstoß mit einigen Vorurteilen aufräumen.

Wir verstehen unseren Beruf so: als Bestatter und Trauerbegleiter werden wir in einem schwierigen Moment Teil der Familien, die zu uns kommen, um von geliebten Menschen für immer Abschied zu nehmen. Wir hören zuerst mal zu. Natürlich erfahren wir, wie der Vater, die Mutter oder der Lebensgefährte gestorben ist, dass er in den letzten Monaten vielleicht viel Leid erlebt hat. Was uns die Leute erzählen, dreht sich aber nicht nur um den letzten Lebensabschnitt. Wir erfahren, was der Verstorbene für ein Mensch war, wie er gelebt hat, wofür er im Leben stand, was ihm Spaß gemacht hat. Die Menschen erzählen uns Anekdoten und Geschichten und es kommt tatsächlich oft vor, das man sich an schöne Erlebnisse erinnert. Ja, es tut weh, dass diese Zeit unwiederbringlich vorbei ist. Aber die Erinnerung tut gut, weil man diese Zeiten eben zusammen erleben durfte und in einem Augenblick ist Freude und Lachen da und im nächsten tiefe Trauer.

Bei uns wird von Herzen gelacht und von Herzen weint. Erinnern bedeutet, dass man nicht nur den schmerzhaften Verlust oder die vielleicht schwierige Zeit kurz vor dem Tod vor Augen hat, sondern alles Gute und Schlechte, dass man im Leben miteinander geteilt hat. Da ist natürlich so manche fröhliche und schöne Erinnerung dabei, an der man sich auch in Phasen der Trauer erfreuen darf.

Unser verstorbener Vater Fritz Roth hat immer gesagt: Trauer ist Liebe. Auch in der Liebe erleben wir euphorische Momente und Zeiten, wo man tief traurig ist. Beides gehört zum Leben. Auch der Tod gehört zum Leben. Bei uns im Bestattungshaus sind das Leben und der Tod immer präsent. Und auch das Lachen und das Weinen. Beides existiert gleichzeitig. Und beides ist bei uns ausdrücklich willkommen und erlaubt.

Wir sollten Trauer nicht an der Anzahl vergossener Tränen messen. Jeder trauert anders. Wir ermuntern die Angehörigen ihrer Trauer ganz individuell Ausdruck zu verleihen. Wir geben Ihnen Zeit um zu realisieren, was geschehen ist, Zeit zum Abschiednehmen und auch den Raum, in dem das stattfinden kann. Bei uns ist vieles anders. Trauer hat viele Facetten. Tatsächlich lachen wir mit den Hinterbliebenen auch sehr viel. Trauer ist der letzte Ausdruck der Liebe. Und deshalb sind die Erinnerungen an einen Verstorbenen nicht nur traurig, sondern oft auch sehr schön und manchmal eben auch lustig.

 

Herzlichst,

Hanna Thiele-Roth und David Roth

 

Links zu Interviews, die wir in den letzten Wochen gegeben haben:

http://www.frauenzimmer.de/cms/stars-news/interview-mit-bestatterin-hanna-thiele-roth-bei-uns-wird-auch-viel-gelacht-41edc-9f8b-93-2103626.html

http://www.deutschlandfunk.de/lebensspuren-was-bleibt-von-mir-nach-meinem-tod.1176.de.html?dram:article_id=303704

http://www.zdf.de/volle-kanne/bremen-weg-frei-fuer-alternative-bestattungen-ende-des-friedhofszwangs-5401982.html

http://www.focus.de/familie/erziehung/kita-auf-einem-friedhof-abenteuerspielplatz-zwischen-graebern_id_4302572.html

 

Bitte besuchen Sie auch unsere neu gestaltete Website www.puetz-roth.de

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