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BOGY zwischen Särgen, Tränen und Grabbeigaben. Über Praktikanten im Bestattungsunternehmen

11.09.2014
Ein Blogbeitrag von Barbara Rolf und Anja Müller
BOGY zwischen Särgen, Tränen und Grabbeigaben. Über Praktikanten im Bestattungsunternehmen
Foto: Anke Eiwen

Während wir unlängst auf unserer Terrasse waren und nach den Tomaten im Hochbeet schauten, brainstormten wir, wovon der kommende Blog-Beitrag handeln soll.

Anja schlug spontan vor: „Schreib doch über Praktikanten.“

„Aha. Und was gibt es dazu Nennenswertes zu sagen?“

„Allerhand! Unter anderem…“ Und dann begann sie so schnell davon zu sprechen, dass es mir schwerfiel, mitzuschreiben. Und dann war auch mir klar, dass es sehr gut ist, diesem Thema einen Beitrag zu widmen.

Zunächst stellt sich ja die Frage, ob man sein Bestattungsunternehmen überhaupt für Praktika öffnen soll. Schließlich bekommen Praktikanten Einblicke, können Dinge weitersagen, die man gerne für sich behalten würde, sie stehen anfangs oft im Weg herum, vor allem dann, wenn man es besonders eilig hat, sie fragen einem Löcher in den Bauch, woraufhin man sie mit Infos beschenkt, doch was hat man selbst davon? Sie tragen ihr neues Wissen hinaus in ihre Welt, nutzen es (oder auch nicht), aber gewiss nicht für meinen Betrieb. Sie besetzen den Beifahrerplatz im Bestattungswagen, doch im entscheidenden Moment, dann, wenn sie zupacken sollten, werden sie von Mut, Kraft oder gar dem Bewusstsein verlassen. Am schlimmsten sind Praktikanten, die man nicht so mag, die einem nicht liegen.

Fangen wir damit an. Aber erst will ich klarstellen, dass wir regelmäßig Praktikanten bei uns haben, und wir haben sie gerne hier. Genauer: Inzwischen haben wir sie gerne hier.

Nach einigen anstrengenden und manchen wirklich schlechten Erfahrungen haben wir für Praktikanten Vorstellungsgespräche eingeführt, die auch dann stattfinden müssen, wenn jemand nur für wenige Tage hier sein möchte. Diese Gespräche führen die Mitarbeitenden, die die meiste Zeit mit den Bewerbern verbringen werden. Nach dem Gespräch entscheiden sie, ob zu- oder abgesagt wird.

Seither klappt es wunderbar, und wir haben viel Freude mit und durchaus auch Nutzen von unseren Praktikanten.

 Nutzen?

Erst vor kurzer Zeit fiel eine Mitarbeiterin aufgrund der schweren Erkrankung ihrer Großmutter für drei Wochen aus. Was hätten wir ohne die hochmotivierte, fähige und sympathische Praktikantin gemacht, die gerade in dieser Zeit bei uns war?

Derzeit haben wir eine Praktikantin hier, die viel weiß über Unternehmensorganisation, Mitarbeitermotivation, die Texte verfassen und schon verfasste Texte korrigieren kann. Qualifikationen, die wir hier bestens brauchen können.

Praktikanten haben gute Anregungen zu Dekorationen, Homepageinhalten und Traueransprachen gegeben.

Unterschätzen wir nicht den Blick von außen!

Das Feedback dieser Menschen ist uns schon lange kostbar geworden. Und wenn jemand von ihnen im Rückblick auf die Zeit bei uns einen Praktikumsbericht schickt, sind wir mächtig gespannt, was darin steht. Wer mag, kann hier ein wenig schmökern: http://www.bestattungen-rolf.de/praktikum.htm

Übrigens kann es durchaus passieren, dass wir im Praktikanten den Menschen entdecken, den wir uns als neuen Mitarbeitenden wünschen. Im ungezwungenen Zusammenarbeiten, fernab von Suche, Bewerbungssituation oder Probezeit, können beide Seiten plötzlich feststellen: „Das passt.“ Ich habe in den letzten Jahren drei Praktikanten ein Arbeitsangebot gemacht. Die eine muss noch ein paar Jahre die Schulbank drücken, ehe sie ja oder nein sagen kann, da sie erst 15 und Gymnasiastin ist. 😉 Eine hat eigentlich schon ja gesagt, und auf das Ja der dritten hoffe ich.

Zudem ist es auch dann nicht umsonst, wenn sie nicht hier „hängenbleiben“, sondern andere Wege gehen. Denn sie werden nicht gehen, ohne Impulse mit in die Gesellschaft zu tragen, ohne einen neuen Blick bekommen zu haben auf das Leben, auf Ethik und Kultur, auf das, was wirklich zählt. Ich wüsste niemanden, der sich angesichts der Arbeit hier nicht vertieft und verwesentlicht. Und tiefe, wesentliche Menschen braucht unsere Welt dringender als je zuvor.

Vor diesem Hintergrund darf sogar die Frage gestellt werden, ob es nicht sogar eine gewisse Verpflichtung gibt, diese Einblicke und Erfahrungen möglichst vielen Menschen zu gewähren?

Wenn wir gut und aufrichtig arbeiten, steht dem nichts im Wege.

Dann können wir alle unsere Türen öffnen, zeigen, was wir tun, zur Debatte stellen, was bei uns geschieht.

Wenn wir etwas zu verbergen haben, dann ist der Praktikant, der übermorgen kommt, ein wunderbarer Anlass, das in Ordnung zu bringen.

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