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Buchvorstellung: „Der Dieb“

14.02.2016
Melancholischer Robin Hood in Tokio
Buchvorstellung: „Der Dieb“

Die Hauptfigur im weltweit hochgelobten Roman von Fuminori Nakamura heißt Nishimura. Er ist ein Dieb, ein Taschendieb, um genau zu sein. Nishimura macht sich nichts aus Geld. Er hat einen Kodex. Mit großer Kunstfertigkeit bestiehlt er nur die Reichen, nimmt nur das Bargeld und wirft das Portemonnaie in den Briefkasten, da es so den Weg zurück zu seinem Besitzer findet. Sein Betätigungsfeld sind die Straßen von Tokio, vorzugsweise die U-Bahn, aber auch der Flughafen oder Hotels. Er ist gut gekleidet, denn so fällt er nicht auf. Er ist ein Profi, nein, ein Künstler, denn als Kunst sieht er selbst sein Tun. Die Geschichte beginnt langsam und ruhig, doch die Sprache vermittelt von Anfang an eine ungeheure Spannung. So entwickelt sich die Geschichte Stück für Stück zu einem spannenden Thriller. Der junge japanische Autor, Fuminori Nakamura, besticht durch eine klare, zum Teil reduzierte, aber immer deutliche Sprache. Bereits mit 26 Jahren debütiert Nakamura und inzwischen hat der 1977 geborene Schriftsteller bereits über ein Dutzend Romane in Japan veröffentlicht. Spätestens mit seinem Roman „Der Dieb“, welcher im Diogenes Verlag in deutscher Sprache erschienen ist, hat er weltweit Aufmerksamkeit erzielt. Auf nur etwas mehr als 200 Seiten schafft Fuminori Nakamura ein komplexes Gebilde. Der Roman ist nicht nur ein Thriller, ein Krimi; vielmehr taucht der Leser mit dem Protagonisten in eine kafkaeske Geschichte, die sich wirklich so ereignen könnte. Ungerechtigkeit, Gewalt und eine schier unlösbare Aufgabe, aber auch Hoffnung, Zuneigung und Menschlichkeit leiten den Leser und ziehen ihn, wie in einem Strudel, immer weiter in ihren Bann. Am Ende steht die große Frage, ob das Schicksal unumkehrbar ist, oder ob man dieses wirklich selbst bestimmen kann. Eine gelungene Geschichte, die extrem durch ihre Sprache wirkt.

Bruno Vinschen

 

Informationen:

„Der Dieb“, von Fuminori Nakamura
224 Seiten, erschienen im Oktober 2015
Diogenes Verlag
ISBN 978-3-257-06945-7

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