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Buchvorstellung: „1Q84“

16.11.2010
Ein neuer Roman von Haruki Murakami
Buchvorstellung: „1Q84“
"1Q84" ist erschienen im DuMont-Buchverlag

Wer schon ein Buch von Haruki Murakami gelesen hat, weiß, was auf ihn zukommt. Der Autor ist ein Meister der Erzählung – besser gesagt: der surrealistischen Erzählung. Auch in seinem neuen Roman, 1Q84, erschienen im DuMont Buchverlag, gelingt es dem japanischen Schriftsteller, eine faszinierende Geschichte zu entwickeln. Der Leser wird nach und nach in ein Abenteuer herangeführt, das sich in Welten bewegt, die surrealistischer nicht sein könnten. Und doch gelingt es  dem Autor, die Geschichte nicht abheben zu lassen. Eine gewisse Bodenständigkeit bleibt immer erhalten.

Die Hauptprotagonisten sind Aomame, eine smarte sportbegeisterte 30-Jährige, die nebenbei eine Art Auftragskillern ist, und der gleichaltrige Tengo, ein großgewachsenes kleines Mathegenie, der aber entschieden, hat Schriftsteller zu werden. Zwischen diesen beiden Personen wechselt der Erzählstrang hin und her. Beide sind in der japanischen Gesellschaft von 1984 eher Außenseiter, und das schon seit Kindestagen. Beide haben ihre Berührungspunkte und Parallelen. Männliche Dominanz und Gewalt beherrschen die Welt von Aomame. Diese Welt versucht sie zu verändern, indem sie die Männer beseitigt, die gewalttätig gegenüber Frauen waren. Druck und Orientierungslosigkeit beherrschen Tengos Welt. Er sucht sein Heil in der Kunst des Schreibens, doch wirklich erfolgreich ist er nicht, nur, wie so oft, außerordentlich begabt. Beide hatten im Alter von zehn Jahren eine besondere Begegnung. Dann laufen ihre Lebenswege parallel zueinander und als ob es so sein sollte, treiben die beiden auf eine gefährliche Mission in einer gefährlichen Parallelwelt zu – der Welt 1Q84 (Q steht für Question mark, also Fragezeichen).

Zum einen ist dies eine besondere Liebesgeschichte – die Welt schreibt:

„Romeo und Julia unseres Jahrtausends“

–, zum anderen handelt es sich auch um ein Spiegelbild der japanischen Gesellschaft der 80er-Jahre, in der Sekten boomten wie die Aum-Shinrikyo-Sekte, die 1995 einen Giftgasanschlag in der Tokioer U-Bahn verübte. Murakami hat sich mit diesem Thema beschäftigt und spricht darüber und über sein neues Buch „1Q84“ in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Murakami bleibt aber auch sich selbst treu. Als begeisterter Jogger sind Sport oder ein sportlicher Körper nahezu immer Thema seiner Figuren. Als ehemaliger Barbesitzer verhält es sich ebenso, wenn es um Speisen oder alkoholische Getränke geht. Dies gilt gleichermaßen für seine Zuneigung zu Katzen. Auch in diesem Roman spielt die Geschichte von der „Stadt der Katzen“ eine skurrile Rolle. Nicht zu vergessen: Murakami ist Jazzfan und kein Roman kommt ohne dieses Thema aus.

Interessant ist, dass eine Figur aus einem anderen Roman („Mister Aufziehvogel“ von 1998) hier wieder die schmierige Rolle des Übermittlers von diffusen und beängstigenden Mahnungen und Drohungen spielt – Toshiharu Ushikawa.

Mit seinen 1.022 Seiten hat das Buch natürlich auch seine Längen, doch die Spannung, die sich von Kapitel zu Kapitel aufbaut, verführt den neugierigen Leser, immer weiterzulesen. Diese Spannung entlädt sich erst auf den letzten 250 Seiten, und zwar gewaltig. Die mysteriöse Geschichte der „Little People“ und die der „Puppe aus Luft“ werden erst kurz vor dem Ende erzählt. Parallelen und Parallelwelten sind die Themen dieses Romans. Nicht umsonst bemüht Murakami den Titel „1Q84“ und sucht die Nähe zu George Orwells 1984. Dort ist es der „Big Brother“ – hier bei Aomame und Tengo sind es die „little People“, die den Hauptfiguren das Leben, so wie es ihnen scheint, schwer machen.

„Die Dinge sind meist nicht das, was sie zu sein scheinen … Aber man darf sich nicht vom äußeren Schein täuschen lassen. Es gibt immer nur eine Realität.“ (aus 1Q84)

Infos:

Roman, gebundene Ausgabe 1.022 Seiten, zur Leseprobe

Originaltitel: 1Q84

ISBN: 3832195874

Verlag: DuMont Buchverlag 2010

Preis: 32,00 EURO

Links:

Haruki Murakami

1Q84

DuMont Buchverlag

Rezension Die Leselust

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