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„Das Beste, was ich in beruflicher Hinsicht jemals gemacht habe…“

14.10.2014
Ein Blogbeitrag von Barbara Rolf und Eva Schiek
„Das Beste, was ich in beruflicher Hinsicht jemals gemacht habe…“
Foto: Franziska Molina

Nachdem Anja Müller und ich im letzten Beitrag über Praktika im Bestattungsunternehmen gebloggt haben, soll heute eine Praktikantin zu Wort kommen, Eva Schiek, die im vergangenen Juni bei uns war und mitgearbeitet hat. Ich finde ihren Text gut und berührend und freue mich, wenn viele ihn lesen. Auch zeigt er gut, wie wichtig solche Einblicke und Erfahrungen sein können, sowohl für die Praktikanten als auch für das Unternehmen, das neue Impulse und wertvolles Feedback bekommt.

 

Ich bin Jahrgang 1971, Mutter zweier jugendlicher Jungs, von der Berufsausbildung her Bibliotheksassistentin. Seit Jahren beschäftigt mich das Thema Leben und Tod, Umgang mit Verstorbenen und Angehörigen, Bestattungskultur und Rituale/Zeremonien dazu. Mein eigenes Erleben mit und nach dem plötzlichen Tod meines geliebten Partners vor vier Jahren war sicher der Hauptgrund dafür. Die Erfahrungen danach waren nicht gut, es war ein langer, schwerer und meist sehr einsamer Weg. Und ich dachte, das müsste doch auch anders gehen, für die Verstorbenen und für die Angehörigen. Überhaupt wollte ich dem ganzen Thema auf den Grund gehen. Habe dann viel recherchiert und gesucht und bin auf das Unternehmen von Barbara Rolf aufmerksam geworden, wegen der besonderen Philosophie, die auch meinem inneren Empfinden entspricht. In einer einjährigen spirituellen Ausbildung bei Phyllida Anam-Aire, einer Schülerin und langjährigen Mitarbeiterin von Elisabeth Kübler-Ross, hatte ich mich schon mit dem Thema bewusstes Leben – bewusstes Sterben beschäftigt. Auch Jahre davor hatte ich an Seminaren und Workshops mit ähnlichen Themen teilgenommen, da ich mich schon immer für die tieferen Fragen des Lebens interessiert hatte. Nun war es soweit: Ich war für vier Wochen im Praktikum bei Barbara Rolf dabei! Es war ein Schritt, der Mut erforderte, und genauso war mir klar, dass dieser Schritt für mich unumgänglich war, wollte ich meiner Intuition folgen und auf meinem Lebensweg weitergehen.

 

Der erste Tag begann mit einem direkten Einstieg: Ich wurde Florian und Dieter zugeteilt, um mit ihnen bei einem ganz normalen Tagesplan mitzugehen. Das fing in der Firma an, wo zwei Särge ausgestattet und vorbereitet wurden. Die nahmen wir mit, fuhren dann ins erste Krankenhaus zur Abholung einer Verstorbenen, wo ich dann gleich zum ersten Mal am Kühlraum mit dabei war und auch anderen Bestattern begegnete, die gerade jemand anderen abholten. Die Verstorbene wurde schön in den Sarg gebettet, eingeladen, es wurden die Formulare/Unterlagen dazu abgeholt und wir fuhren weiter zum nächsten Krankenhaus. Dort – in der Filderklinik – war der Aufbahrungsraum um ein Vielfaches schöner, und es sollte eine begleitete Versorgung einer Verstorbenen geben. Das bedeutet, es gab in diesem Fall eine Tochter der Verstorbenen, die in Begleitung eines Mitarbeiters des Bestattungsunternehmens bei der Versorgung ihrer verstorbenen Mutter dabei sein und mithelfen wollte. Diese Möglichkeit bietet Barbara Rolf mit ihrem Team an, so wie auch sonst vielfältige Beteiligung und Miteinbeziehung der Angehörigen in das Geschehen möglich gemacht wird, soweit der Wunsch besteht. Das kann für viele Menschen sehr wichtig sein, beispielweise um den Tod ihres Angehörigen besser zu begreifen, zu realisieren, um Zeit zum Abschiednehmen zu bekommen, um unheimliche Vorstellungen, was nach dem Tod mit der verstorbenen Person getan wird, zu korrigieren, um den geliebten Menschen noch ein Stück zu begleiten und ihm einen der letzten Dienste in Liebe zu erweisen… Für andere Menschen wiederum mag die Mitgestaltung des Grabkreuzes, des Traueraltars oder der Trauerfeier eine solche Möglichkeit und ein solcher Dienst sein.

 

Ich habe alle Bereiche kennengelernt, die Abholung und Versorgung der Verstorbenen, die Gespräche und Beratung der Angehörigen, die Ämtergänge, die Abläufe im Krematorium und die Trauerfeiern. Mein Liebstes sind die Trauerfeiern selbst, die Zeremonie, das Rituelle und die Vorbereitungen dazu, ebenso die Begleitung der Angehörigen. Aber auch bei allem anderen war ich sehr gerne dabei. Für mich war und ist alles hochinteressant, und das Beste, was ich in beruflicher Hinsicht jemals gemacht habe! Ein solch brennendes Interesse… Es mag für manche Menschen angesichts des Themas etwas seltsam klingen, aber ich hatte tatsächlich ein Gefühl des tiefen Glücks sinnerfüllender Bestimmung, sowie des ruhigen inneren Friedens und einer solchen Liebe und inneren Stärke bei allem, was ich tue und wo ich dabei bin… Dass dies nicht ohne Grund mein Wunschpraktikum war, hat sich so voll und ganz bestätigt.

 

Beim Tragen und Heben der Verstorbenen konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mithelfen, da ich nicht schwer heben/tragen kann. Was Berührungsängste betrifft, so merkte ich dass das wohl eine Frage der Zeit ist. Einmal war ich mit Sofia alleine zu einer Abholung im Seniorenstift. Die Transportliege war zwar höhenmäßig gut einzustellen und direkt neben dem Bett zu positionieren, das Herüberbringen des Verstorbenen vom Bett auf die Liege aber trotzdem für eine Person nicht einfach. Ich merkte, jetzt ist es soweit: mit anfassen. Oder beim Ankleiden eines Verstorbenen kam aus dem Moment heraus die Bitte von Reini: „Kannst Du mal bitte den Arm nehmen?“ Ja, natürlich.

 

Ich habe so viel erlebt in diesem Praktikum, wofür ich dankbar bin, es gab so viele außergewöhnliche Erlebnisse, die ich nicht missen möchte, und auch wenn mir manches nicht so leicht gefallen ist, so bereue ich nichts! Manche Begebenheiten – vor allem bei Trauerfeiern – waren auch ganz besonders schön und berührend, und es war mir eine Ehre, etwas dazu beitragen zu können. Barbara Rolf und ihr tolles Team leisten in meinen Augen hervorragende Arbeit, für die Verstorbenen, für die Angehörigen und für eine gute Entwicklung unserer Bestattungskultur. Auch ihr ganzes Netzwerk ist sorgfältig ausgewählt (gesondert nennen möchte ich hier das Krematorium Leinfelden am Waldfriedhof, Manosquer Straße). Am liebsten wäre ich nach dem Praktikum gleich dortgeblieben und hätte tageweise mitgearbeitet. Wenn ich jetzt in Richtung Stuttgart unterwegs bin, denke ich immer sehr gerne an die Zeit des Praktikums und schicke in Gedanken schöne Grüße dorthin…

Mein Dank für diese Zeit dort gilt zuallererst meiner göttlichen Schöpferquelle, die mich so reich gesegnet hat, dann Barbara Rolf und jedem Einzelnen ihres Teams, auch jedem aus dem Netzwerk, das dazugehört, allen Verstorbenen und Angehörigen, mit denen ich in der Zeit zutun hatte.

 

Herzlichst, Eva Schiek

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2 Kommentare
  1. Danke vielmals, liebe Eva Schiek, für diesen einfühlsamen Bericht.

  2. Eva Schiek sagt:

    Sehr gerne, liebe Bettina Ulitzka. Wenn ich damit auch nur einem einzigen Menschen geholfen habe auf seinem eigenen Weg mit diesem großen Thema, dann hat sich alle Mühe schon gelohnt…

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