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Das Geschäft mit dem Tod

18.01.2011
Ein Kommentar von Bruno Vinschen
Das Geschäft mit dem Tod
Das Geschäft mit dem Tod erhöht immer die Aufmerksamkeit der Leser

Die Nachricht über einen Bestatter, der mit Genussrechten am Kapitalmarkt Geld verdienen will, um zu investieren und Wachstum zu erzielen, hat in den letzten Wochen in vielen Medien eine hohe Aufmerksamkeit erzielt. „Das Geschäft mit dem Tod“ ist immer eine Top-Schlagzeile und sorgt für entsprechende Resonanz.

Es geht um das Stuttgarter Bestattungsunternehmen Christian Haller. Der 39-jährige Unternehmer ist kein Bestatter im klassischen Sinne, denn das Bestattungshaus Haller blickt nicht auf eine lange Tradition zurück, es hat sich also nicht aus der ursprünglichen Schreinerei des Groß- oder Urgroßvaters heraus entwickelt. Christian Haller gehört vielmehr zu den Unternehmern der Branche, die man als Seiteneinsteiger bezeichnen darf. Anfang der 90er-Jahre gründete er aus persönlichen Erfahrungen heraus das Familienunternehmen, das heute, also in knapp 20 Jahren, auf stattliche 14 Filialen im Stuttgarter Raum gewachsen ist. Ein Kaufmann eben, jedoch mit der nötigen Philosophie, die ein modernes Bestattungshaus benötigt:

„Wir machen unsere Arbeit gerne und schämen uns nicht, das auch zu sagen“,

heißt es auf der Homepage. Hier wird auch deutlich gemacht, dass es sich beim Thema Sterben und Tod um ein gesellschaftliches handelt, das wieder verstärkt in den Mittelpunkt unserer Gesellschaft gerückt werden sollte.

Aus der unternehmerischen Geschichte heraus verwundert es kaum, dass der Unternehmer Haller auf diese Weise mindestens 500.000 Euro Gewinn machen möchte. Während die Stuttgarter Zeitung (um nur ein Beispiel zu nennen) den Fokus auf die Schlagworte „krisensicheres Geschäftsfeld“ und „Sterben ist ein Faktum“ legt, lautet bei Börse-Online die Überschrift zwar auch „So sicher wie der Tod“, aber der Inhalt ist doch analytischer und sachlicher. Der Beitrag im Bestatterweblog ist auch richtig: Es sei völlig legitim, sich ohne Banken, die mit der Vergabe von Krediten ihr Geld verdienen, Kapital zu verschaffen.

Letzten Endes ist es aber keine neue Idee. Ein finanziell sehr potentes Unternehmen aus der Bestattungsbranche hat bereits Ähnliches versucht. Die Ahorn AG verfügt über mehrere Hundert Filialen in ganz Deutschland und ist eine Tochter der Ideal-Versicherung. Das Unternehmen ist der größte Verbund in der Branche und hatte ebenfalls Ambitionen, an die Börse zu gehen. In den USA haben mehrere „Branchenriesen“ den Schritt an die Börse gewagt – doch alle haben die großen Renditen bisher nicht erzielen können.

Die Anleger werden, trotz der Sicherheit, dass immer gestorben wird, nicht Schlange stehen, um an die Genussscheine von Christian Haller zu kommen. Fraglich scheint, wie der Unternehmer die mindestens 500.000 Euro investieren will. Er selbst sagt, dass man „qualitativ kaum noch wachsen kann – dafür aber quantitativ“. Wie viele Filialen kann man heutzutage mit 500.000 Euro eröffnen? Da müsste der Kapitalmarkt schon mehr hergeben, um die Quantität zu heben. Bei einem zu schnellen Wachstum sollte jedoch gerade die Qualität, die in dieser Branche enorm wichtig ist, nicht außer Acht gelassen werden.

Die interessierte Medienwelt wird, wenn überhaupt, nach dem 30. Januar erneut berichten, denn da endet die Zeichnungsfrist. Auch Christian Haller wird nach dem 30. Januar reicher sein – zumindest an Erfahrung.

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