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Das Seebestattungsrecht der Bundesrepublik Deutschland – Interview mit dem Autor Michael Paul Pludra

18.04.2011
Ein Fachbuch, das jeden Bestatter über alle Facetten dieser Bestattungsart informiert
Das Seebestattungsrecht der Bundesrepublik Deutschland – Interview mit dem Autor Michael Paul Pludra
Autor des Fachbuches, Michael Paul Pludra

Kaum eine Beisetzungsart hat in den letzten Jahren  so einen Zulauf erfahren wie die Seebestattung. Eigentlich müsste es Urnenbeisetzung auf See heißen, denn echte Seebestattungen sind bis auf Ausnahmen nicht mehr erlaubt. Aber auch bei keiner Bestattungsart gibt es so viel Fehlinterpretation und Halbwissen wie im Bereich der Seebestattungen. Da berichtet eine renommierte Hamburger Tageszeitung, Urnen müssten für die Seebestattung eine Prüfnummer des BSH tragen; durch zahlreiche Veröffentlichungen geistert noch immer die Drei-Seemeilen-Zone; da fordert eine Bundesoberbehörde Materialien für Seeurnen wie Quarzelith und Kristalith, obgleich das reine Fantasiebezeichnungen sind. Und vor allem hat jedes der 16 Bundesländer seine eigenen Vorschriften für die Seebestattung: Was hier erlaubt ist, ist dort verboten und wird anderswo wiederum gerade noch toleriert. In verschiedenen Bundesländern kostet die Freistellung vom Friedhofszwang nichts, in Bremen beispielsweise 158 Euro.

 

Eine Bestattungsart mit vielen Fehlinformationen

 

All diese Probleme hat der Autor Michael Paul Pludra in einem hervorragenden Fachbuch beleuchtet, das für jeden Bestatter eine willkommene und profunde Informationsmöglichkeit über Seebestattungen darstellt. Die Urnenbeisetzungen durch die Deutsche Marine, die Wasserschutzpolizeien oder die Lotsenbrüderschaften sowie die entsprechenden Vorschriften werden ebenso vorgestellt wie die ethischen Grundsätze der katholischen und evangelischen Kirche zur Seebestattung. Hier lässt der  Autor so prominente Kirchenvertreter wie die frühere Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann und den Mainzer Kardinal  Karl Lehmann zu Wort kommen.

 

adeo-online hatte die Gelegenheit, mit Michael Paul Pludra zu sprechen:

 

Vinschen: Herr Pludra, woher kommt Ihr großes Interesse an dem Seebestattungsrecht der Bundesrepublik Deutschland? Es ist doch ein recht außergewöhnliches Thema.

Pludra: Am 3. Juni 1997 , etwa 16.30 Uhr begann mein Interesse, mich mit dem Seebestattungsrecht auseinanderzusetzen. An diesem Tag , kurz vor Feierabend, rief der Bestatter Sielisch aus Essen an und klagte, dass ein nicht unbekannter Seebestatter von der Ostsee seine Seeurne nicht beisetzen wollte, die er kurz zuvor bei Pludra erstanden hatte. Dieser „Fachmann“ verlangte von dem Bestatter aus dem Binnenland ein Zertifikat für seine Seeurne – ausgestellt vom BSH, versehen mit einer Zulassungsnummer. Der Seebestatter war uneinsichtig und musste erst mit einer strafbewehrten Unterlassenserklärung über 10.000 DM ausgebremst werden. Ich stellte schnell fest, dass es keine Zulassungsnummern für Seeurnen gab, auch wenn die renommierte Tageszeitung „Die Welt“ solchen Unsinn verbreitete. Ich stellte schnell fest, dass das BSH keine Zertifikate für Seeurnen ausstellte. Ebenso stellte ich fest, dass im Bereich Seebestattungen gerade auch bei Behörden viel Halbwahrheiten und Unwissen vorhanden war. Im Laufe der Zeit wurde ich versierter Gesprächspartner für Ministerialen aus verschiedenen Fachministerien. Mein umfangreicher Schriftverkehr bezeugt das.

Vinschen: Wenn man den Titel liest, erwartet man da nicht eine schwierige Lektüre?

Pludra: Schwierig war es eher für mich, alle Facetten dieser Bestattungsart zusammenzutragen. Manche Stunde habe ich im Lesesaal der Nationalbibliothek in Frankfurt, in der Bibliothek des Sepulkralmuseums in Kassel und Bibliotheken maritimer Einrichtungen zugebracht und im Gespräch mit den Fachleuten in den Ministerien, aber auch mit befreundeten und mir als versiert bekannten Bestattern zugebracht. Das Verteidigungsministerium stand mir zur Seite und gab mir Einblick in Dienstvorschriften für die Beisetzungszeremonien der Bundesmarine, das Presse- und Informationszentrum der Marine übersandte mir freundlicherweise Fotos, Karl Kardinal Lehmann erläuterte mir die Sicht der katholischen Kirche zur Seebestattung, ebenso wie mir die damals noch amtierende evangelische Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann das Verhältnis ihrer Kirche zur Seebestattung erläutern ließ. Als Erster kann ich in meinem Buch detailliert über die Erinnerungsstätte „Seefrieden“ für die auf See Beigesetzten in Wilhelmshaven berichten. Und wenn es ganz fachlich wurde, standen mir die erfahrenen Seebestatter, die Kapitäne Dieter Albrecht  und Horst Hahn zur Seite. Der Leser erfährt eine Menge Einzelheiten zu dem Komplex Seebestattung, die selbst Fachleute überraschen.

 

Der Name Pludra ist in der Bestattungsbranche bekannt.

 

Vinschen: Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet und inwieweit waren Ihre journalistischen Wurzeln hilfreich? Sie waren auch mal als Journalist für verschiedene Tageszeitungen tätig, nicht wahr?

Pludra: Seit dem Anruf von dem Bestatter Sielisch 1997 habe ich alles gesammelt, was dieses Thema tangierte. Als mein Sohn Thomas, der schon seit 1982 aktiv in der Firma Pludra – Frankfurt tätig war, dann sehr erfolgreich die Geschicke des Unternehmens zu dem heutigen Erfolg führte, ging ich, 72-jährig, endlich in den unruhigen Ruhestand und arbeitete zwei Jahre an diesem Buch, dem ersten Fachbuch über Seebestattungen. Bereits in den letzten Jahren meiner „Pennälerzeit“ war ich als Lokalreporter für verschiedene Blätter tätig, dicke Mappen meiner Berichte habe ich noch heute in meinem Archiv und sogar während meiner Dienstzeit beim Bundesgrenzschutz legte ich die Feder nicht aus der Hand, wie Reportagen aus der BGS-Postille belegen. Diese Tätigkeit war mir auch bei dieser Arbeit für mein Buch sehr hilfreich. Ich wusste, wie man die Angel auswerfen musste, damit ich nicht im Pressereferat hängenblieb und mit den zuständigen Referatsleitern immer ein persönliches Gespräch führen konnte.

Vinschen: Was macht ein Michael Paul Pludra, wenn er nicht Fachbücher schreibt? Wie geht es Ihnen?

Pludra: Ich fröne meinem Steckenpferd, dem Reisemobiltourismus, zusammen mit meiner Frau Marianne, mit der ich nun seit 53 Jahren verheiratet bin. Deutschland hat so viele schöne Ecken, die es noch zu besuchen gilt. Ja, und dann arbeite ich an dem nächsten Buch:  „Überwintern in Spanien im Reisemobil“. Der Zettelkasten ist schon angelegt!

Vinschen: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei Ihrem neuen Projekt.

 

Infos:

Das reich bebilderte Buch erscheint  im Großformat  19 x 27 cm. Es ist unter der ISBN-Nr. 978-3-00-034133-5 bei jeder Buchhandlung oder bei ABONA, Habsburger Allee 33, 60385 Frankfurt am Main für € 46,- zu erhalten.

E-Mail von ABONA :  abona03@aol.com

 

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1 Kommentar
  1. Dankeschön für dieses Interview. Ich bin seit Oktober 2010 in einem Bestattungshaus angestellt. Seitdem bemühe ich mich sehr, mir viel Wissen anzueignen. Dank des Internets geht das ja auch. Über Seebestattungen habe ich einiges gefunden, aber auch leider Überholtes(z. B. Drei-Meilenzone). Mich fragen die Menschen auch nach dem Material der Seeurnen. Nun habe ich die Bezeichnung Quarzilith und Tonolith gefunden.
    Ich werde mir das Buch wohl kaufen und hoffe damit einen Wegweiser zur Seebestattung zu bekommen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Christine Ostwald von „Hartmut Gröper Bestattungen“ in 06120 Halle/Saale Hubertusplatz 1

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