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Der letzte Abschied – Rituale und andere Formen der Auseinandersetzung mit dem Tod

07.11.2014
Präsentation mit Tanzeinlage zum mexikanischen Totentag „día de muertos“
Der letzte Abschied – Rituale und andere Formen der Auseinandersetzung mit dem Tod

Anlässlich der mexikanischen Totentages „día de muertos“ lädt  GESUNDHEIT AKTIV, am 18.11.2014 in Berlin, zu einer Präsentation mit traditionellem mexikanischen Altar, Kurzfilm und einer aztekischen Tanzeinlage des Mexikaners Isaac Martínez Noguez ein. Wir vermitteln damit einen Einblick in die mexikanische Kultur des Totentages und machen diese für Europäer fremd anmutende Sichtweise des Todes mit allen Sinnen erfahrbar.

Im Anschluss werden die Bestatterinnen Angela Fournes und Brigitte Gilli über eine spirituelle Auseinandersetzung mit dem Thema Tod aus anthroposophischer Sicht sprechen. Sie werden dabei der Frage nachgehen, wie Angehörige einen menschlichen und würdigen Abschied gestalten und eine neue Ebene in der Beziehung zu den Verstorbenen finden können.

Zum mexikanischen Totentag:

Ich habe erkannt, dass das Leben nie perfekt ist, perfekt ist nur der Tod.“ Ein Zitat aus einer der vielen bewegenden Geschichten, die uns Mitglieder von GESUNDHEIT AKTIV zugesandt hatten, erscheint im Kontext unserer westlichen Denkwiese fremd und oftmals unverständlich, ist doch unsere Vorstellung von Tod und Sterben mehrheitlich mit Angst und Schrecken behaftet. Um der Todesangst zu entfliehen, versuchen wir, uns nicht daran zu erinnern, dass es den Tod gibt und vermeiden jegliche Konfrontation mit dem Thema. Vielleicht zeigen wir die Bereitschaft, uns in bestimmten Situationen mit dem Gedanken an unsere Sterblichkeit zu befassen, doch den Tod als „perfekt“ bezeichnen, können in unserer westlichen Welt vermutlich nur diejenigen, die es gewagt haben, sich ihm zu nähern.

Dass es aber auch Kulturen gibt, die einen sehr offenen und positiven Bezug zum Tod haben, der es den Menschen ermöglicht, das Leben zu genießen und gleichzeitig das Unausweichliche mit Hoffnung und sogar Humor zu empfangen, zeigt der Umgang der Mexikaner mit dem Tod.

„Cuando me muera..canta y no llores…“ (Spanisch: „wenn ich sterbe…singe und weine nicht…“), dröhnt es durch die Lautsprecher eines Busses, währen der Busfahrer mit quietschenden Reifen um die Kurve einer schmalen Bergstraße rast. Der Blick aus dem Fenster führt in die 1000 Meter tiefe Schlucht ca. 2 Meter neben der Straße ohne Leitplanke. In der Kurve brabbelt der Busfahrer noch grinsend ein kurzes Gebet an die Jungfrau von Guadalupe und bedankt sich nach jeder Fahrt, auf der sie ihn und die restlichen Passagiere wieder einmal lebend bis ans andere Ende gebracht hat. Eine nicht untypische Szene, die zeigt, dass die Menschen dem Tod furchtlos begegnen, aber gleichzeitig dankbar für das ihnen geschenkte Leben sind.

Einer der größten Feiertage Mexikos ist der „día de los muertos“ – der Tag der Toten -, der jährlich zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November im ganzen Land gefeiert wird. 2003 wurde das Brauchtum von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt. Nach altem Volksglauben besuchen die Verstorbenen an diesen Tagen Ihre Familien und werden daher von ihren Angehörigen gebührend gefeiert. Ihnen werden Altare gewidmet, auf denen ihre Lieblingsspeisen und -getränke liebevoll für sie bereitgestellt werden. Anschließend werden die Gräber der Verstorbenen besucht. Auf den Friedhöfen herrscht buntes Treiben, Familien essen, musizieren und unterhalten sich mit Ihren Angehörigen inmitten eines Lichtermeeres aus Kerzen – ein farbenfrohes Fest, das trotz des feierlichen Ambientes würde- und respektvoll vonstattengeht.

Auch im öffentlichen Leben ist an diesen Tagen der „día de los muertos“ überall präsent. Altare, die meist bekannten Persönlichkeiten gewidmet sind, werden auf Plätzen in den Innenstädten, in Schulen, Universitäten und bei Behörden aufgebaut. Auf Märkten sind kleine Totenköpfe aus Zucker, auf die mit bunter Schrift die Namen der Beschenkten geschrieben werden, sowie die elegant gekleidete Skelettfigur „la catrina“ zu kaufen und überall gibt es das süße Hefegebäck „pan de muertos“ (Brot der Toten).

Trotz – oder vielleicht auch wegen – dieser deutlichen Präsenz des Todes erweckt er dort, wo er gefeiert wird, keine Angst, sondern lädt dazu ein, ihn zu akzeptieren und mit ihm das Leben zu genießen.

In Deutschland ist das Thema Tod und Sterben im Alltag wenig präsent, es hat sich gar zu einem Tabuthema entwickelt. Feste Rituale gibt es nicht mehr und die Trauerarbeit, die zur Verarbeitung des Verlustes eines geliebten Menschen so wichtig ist, hat sich oftmals zu einer individuellen Angelegenheit entwickelt.

 

Informationen:

Die Veranstaltung „Der letzte Abschied – Rituale und andere Formen der Auseinandersetzung mit dem Tod“ findet statt am 18. November 2014, ab 18 Uhr

Veranstaltungsort: Gneisenaustr. 42, 10961 Berlin /

18.00 Uhr: Präsentation zum mexikanischen Totentag „día de muertos“ mit traditionellem mexikanischen Altar, Kurzfilm und aztekischer Tanzeinlage, Isaac Martínez Noguez
19.30 Uhr: Vortrag zu Möglichkeiten spirituellen Handelns im Umkreis des Todes aus anthroposophischer Sicht, Brigitte Gilli, Angela Fournes (Bestatterinnen)

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1 Kommentar
  1. Mir gefällt dieser Brauch sehr gut und meinem Empfinden nach versucht unsere westliche Kultur sich dies bereits zum Vorbild zu nehmen. Wenn wir hierzulande auch nicht so farbenfroh sind und das sicher auch nicht werden, haben wir hier unglaublich schöne Vorbilder, den Tod und auch unsere Verstorbenen, die Ahnen, wieder in unser Leben hereinzuholen.

    Neu war für mich die hier beschriebene Figur „la catrina“. Interessant, dass sie weiblich ist. Bei uns sind die Skellette irgendwie immer männlich….
    Danke für den guten Beitrag.

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