Bestellen Sie hier unseren Newsletter

Der Wandel in der Bestattungskultur macht auch vor tradierten Geschäftsfeldern nicht Halt

03.03.2015
Ein Blog-Beitrag von Hermann Hubing
Der Wandel in der Bestattungskultur macht auch vor tradierten Geschäftsfeldern nicht Halt

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann“ – an diese den Cree zugeschriebene Wahrsagung muss ich unwillkürlich denken angesichts der aktuellen Entwicklung der Bestattungskultur in Deutschland.

Egal, ob man sich auf Veranstaltungen der Friedhofsgärtner, der Steinmetze oder der Bestatter befindet, überall wird eine vermeintliche oder tatsächlich vorhandene „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ zunehmender Teile der Bevölkerung hinsichtlich der Ausgaben für eine Bestattung beklagt, die durch die restriktive und partiell contra-lege-Haltung vieler Sozialämter auch noch verstärkt wird. Und wenn man den Zahlen des VDZB glaubt, so sinkt auch die inländische Produktion von Särgen stetig – für die wenigen noch verbliebenen Sarghersteller in existenzbedrohender Weise.  Ähnliches hört man ebenfalls von den sich auf dem Markt für Bestattungswaren tummelnden Händlern.

Ging in der „guten alten Zeit“ der Hinterbliebene zu seinem ortsansässigen Bestatter, der seine Waren wiederum von einem regionalen Produzenten bezog, zu dem nicht selten jahrzehntelange Geschäftsbeziehungen bestanden und wurden auch der benachbarte Steinmetz und Friedhofsgärtner in die Wertschöpfungskette mit eingebunden, so hat sich dies in den letzten Jahren in der Tat vor allem in größeren Kommunen fundamental verändert.

Der „aufgeklärte und mündige Kunde“ vergleicht –  teilweise bundesweit – die Angebote und entscheidet sich für das vermeintlich preisgünstigste Angebot. Der Bestatter versucht im Gegenzug, die aufgrund des Konkurrenzkampfes reduzierte Gewinnmarge durch die Suche nach günstigeren Waren zumindest teilweise zu kompensieren.

Diese Entwicklung ist sicherlich zu einem guten Teil auch gewandelten Familien- und Gesellschaftsstrukturen sowie der Möglichkeit geschuldet, in Echtzeit Leistungs- und Preisinformationen per Internet abrufen zu können. Sie entsteht aber auch durch die Abkehr einer zunehmenden Zahl von Menschen von tradierten Bestattungsformen, was vor allem zu Lasten von Steinmetzen und Friedhofsgärtnern geht.  Und so hat auch der oftmals zu lesende Nachsatz auf Traueranzeigen „im Sinne des Verstorbenen ist anstelle gegebenenfalls zugedachter Kränze und Blumen eine Spende an ….. erwünscht“ neben dem positiven Effekt für den Bedachten zutiefst negative Auswirkungen für die Floristen. Und bei FriedWald oder RuheForst- Bestattungen wird eben auch kein Grabstein benötigt. Die gut gemeinten Alternativen von Friedhofsgärtnern und Steinmetzen wie beispielsweise „Gärten der Erinnerung“ kamen zu spät und stehen nun vor der Sisyphus-Aufgabe, einen gesellschaftlichen Trend umzukehren.

Aber auch viele Sarghändler, die heute darüber klagen, dass immer mehr Bestatter ihre Särge direkt im Ausland ordern, sind nicht ganz von der Verantwortung für diese Entwicklung freizusprechen – wer war es denn, der nach dem Ende des Kalten Krieges die heimischen Hersteller weitgehend im Regen stehen ließ und neue, preisgünstigere Vertriebswege aufmachte? Verwundert es dann, wenn mit der Zeit auch der eine oder andere größere Bestatter eben diese Produzenten unter Umgehung des Handels direkt kontaktiert? Wobei natürlich auch der EU ein gewisses Maß an Verantwortung im negativen Sinne zukommt, denn nicht unbeträchtliche Summen aus dem EU-Strukturfonds sind in den letzten Jahren in die Modernisierung und den Aufbau von Vertriebsstrukturen in den Osten Europas geflossen.

Die Entwicklung kann man beklagen – man weiß aus anderen Branchen jedoch, dass sie sich leider nicht aufhalten lässt. Alle Beteiligten sind jedoch aufgerufen, phantasievolle Alternativen, die durchaus Anlehnungen an  die aktuelle Retro-Welle haben sollten, zu entwickeln.

Und vielleicht nicht vordergründig nur auf den eigenen Profit zu sehen, sondern auch gewachsene Strukturen wertzuschätzen, denn – nur gemeinsam sind wir stark !

Ihr Hermann Hubing

Artikel Bewerten: Social:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(5 Bewertung(en), Durchschn. Bewertung: 4,80 von 5 Sterne)
Loading...
0 Kommentare

Hinterlasse eine Antwort