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Der wohl ungewöhnlichste Kindergarten Deutschlands

04.11.2014
Ein Blogbeitrag von Hanna Roth-Thiele und David Roth
Der wohl ungewöhnlichste Kindergarten Deutschlands

Lieber Leserinnen und Leser unseres Blogs,

unser Bestattungshaus und die Arbeiterwohlfahrt KV Rhein-Oberberg eröffnen in Bergisch Gladbach den wohl ungewöhnlichsten Kindergarten Deutschlands. Das zu nutzende Gelände und große, abwechslungsreiche Waldgebiet wird von uns für die Kinder kostenlos zur Verfügung gestellt.  Geleitet wird der Kindergarten von dem Sozialpädagogen Richard Wetzka. Er und zwei weitere Kollegen  betreuen 18-20 Kinder ab 3 Jahren.

Besonders am Herzen lagen Fritz Roth, dem verstorbenen Gründer des Bestattungshauses Pütz-Roth, trauernde Kinder. Die Fritz Roth Familien-Stiftung unterstützt daher gemeinnützige Projekte, die Kindern helfen sollen, den Tod zu verstehen und mit Trauer im Alltagsleben umzugehen. Auch der Waldkindergarten, der sich bewusst an Kinder richtet, die keinen Verlust erlitten haben, ist eine Idee, die im Gedenken an Fritz Roth realisiert wird.

In unserem heutigen Denkanstoß lesen Sie einige Gedanken dazu, warum wir dieses ungewöhnliche Projekt ins Leben gerufen haben.

 

Kindergarten auf Friedhof

Was auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, ist auf den zweiten von bestechender Logik. Leben und Tod gehören untrennbar zusammen. Nur trauen wir uns nicht mehr hinzuschauen, den Tod zu betrachten und Trauer zuzulassen.
Kinder gehen mit diesen – für und Erwachsene schwierigen Themen –  unbefangener um, wenn man sie lässt. Es sind die Erwachsenen, die den Tod aus ihrem Leben verdrängt haben, als würde er sie nichts angehen. Der Tod geht uns alle an. Da wir uns dem Tod aber nicht stellen, ist er fremd geworden. Wir tun gut daran, uns wieder mit ihm vertrauter zu machen. Je früher desto besser.
Als die Idee aufkam, in den Gärten der Bestattung einen Waldkindergarten zu eröffnen, waren wir sofort Feuert und Flamme. Es geht nicht darum Kinder zwanghaft mit dem Tod zu konfrontieren. Es geht auch nicht darum, dass die Kinder sich ständig mit dem Tod befassen und auf den Gräbern spielen.
Die Kinder erkunden den Wald und das Strundetal, sie entdecken ganz neue Spielorte und erstellen ihre eigene Karte der Umgebung. Auf den umliegenden Bauernhöfen können Tiere beobachtet werden. Freiflächen laden zum Rennen und Toben ein. Ein umgebauter Bauwagen wurde zum Treffpunkt und zum Aufenthalt für die kalten Wintermonate umgebaut. Als Kindergarten ohne Türen und Fenster verfolgen erfahrene Pädagogen einen ganzheitlichen Erziehungs- und Bildungsansatz. Die Kinder verbringen die tägliche Betreuungszeit in der Natur und werden bei Wind und Wetter draußen unterwegs sein. Natürlich werden sie irgendwann Fragen zu den Gräbern stellen. Dann stehen wir bereit.

Der Tod ist Teil des Lebens. Je früher Kinder das lernen und begreifen, desto mehr gelingt es ihnen später, Sinn im Leben zu finden. Der Tod begrenzt unser Leben und damit wird jede Minute kostbar. Auch das können die Kinder bei uns im Waldkindergarten lernen.

 

Herzlichst,

Hanna Thiele-Roth und David Roth

 

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2 Kommentare
  1. Ich freue mich riesig über diese tolle Idee.
    Mehr davon in unserer Gesellschaft!
    Therapieschweine in die Demenzgruppen, Kinder in die Seniorenheime, Senioren in die Kitas usw…

    Herzlichst,

    Bettina Ulitzka

  2. Andrea sagt:

    Eine wundervolle Idee… herzlichen Dank dafür.
    Werden auch Kinder mit einer Krankheit oder Behinderung aufgenommen?
    Diese werden ja unter Umständen früher als andere Kinder auch mit dem eigenen Tod konfrontiert.

    Licht und Liebe sendet
    Andrea

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