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Die Bestattungskultur ist ein Teil der Gesellschaft und wie diese einem steten Wandel unterworfen.

25.10.2011
Interview mit Hermann Hubing
Die Bestattungskultur ist ein Teil der Gesellschaft und wie diese einem steten Wandel unterworfen.

Das Deutsche Institut für Bestattungskultur GmbH bietet ein umfangreiches Leistungsspektrum an. adeo-online hatte Gelegenheit, mit dem Geschäftsführer des DIB, Hermann Hubing, über Qualitätssigel, Vorsorge und die Entwicklung der Bestattungsbranche zu sprechen. Das Interview führte Bruno Vinschen.

 

Vinschen: Herr Hubing, Sie sind Geschäftsführer des DIB Deutsches Institut für Bestattungskultur GmbH. Was genau ist das DIB?

Hubing: Das DIB wurde 2004 als Dienstleistungs- und Service-Gesellschaft von hessenBestatter, dem Landesinnungsverband für das hessische Bestattungsgewerbe, gegründet. Mittlerweile jedoch bieten wir unsere Dienstleistungen bundesweit den Bestattern an. Diese bundesweite Ausrichtung zeigt sich auch darin, dass unserem Fachbeirat Repräsentanten der Bestatterfachgruppen auch anderer Bundesländer angehören, aber beispielsweise auch der Vorsitzende der Verbraucherinitiative Aeternitas, Hermann Weber.
Haupttätigkeitsfelder sind zum einen die Herausgabe der Branchenzeitung „Der Bestatter“, die bundesweit in einer Auflage von 5.500 Exemplaren im vierteljährigen Turnus kostenlos an die Bestatter versandt wird. Zum anderen bieten wir zahlreiche Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen an – von 1-Tages-Semiaren bis hin zu den Vorbereitungslehrgängen zum „Geprüften Bestatter“ und dem „Bestattermeister“.  Nicht zuletzt sollten auch unsere attraktiven Angebote zur Bestattungsvorsorge erwähnt werden; hier arbeiten wir bundesweit mit einer steigenden Zahl von Bestattern zusammen – Mitgliedern unserer Verbände, aber auch verbandsunabhängigen Bestattern.

 

Vinschen: Neben den vielen Angeboten wie Weiterbildungen und Seminaren für Bestatter, bieten Sie in Kooperation mit der qih Qualität im Handwerk Fördergesellschaft mbH das markenrechtlich geschützte Qualitätssiegel „Der Bestatter – sehr gut“ an. Welche Erfahrungswerte haben Sie mit dem Qualitätszeichen? Wie wird es von Seiten der Bestattungsinstitute und Verbraucher angenommen?

Hubing: Von Seiten der Verbände gibt es zahlreiche „Qualitätszeichen“ – auch von unserem Verband den „Qualifizierten Fachbetrieb im Bestattungsgewerbe“. Dies sind jedoch Qualitätszeichen, die aufgrund von persönlichen, fachlichen und betrieblichen Kriterien vergeben werden – vergleichbar in etwa mit der Sternevergabe bei Hotels. Objektive Kriterien, die anhand einer Checkliste überprüft werden, die jedoch noch nichts darüber aussagen, wie sich der Kunde eines Bestattungsunternehmens subjektiv betreut fühlt. Hier kommt unserer „Der Bestatter – sehr gut“ ins Spiel. Dieses Qualitätssiegel wird nicht anhand objektiver Kriterien vergeben, sondern die Kunden werden im Anschluss an die erbrachte Dienstleistung nach ihrer Zufriedenheit befragt.

Welche Erfahrungswerte? Für den Bestatter hat diese Kundenzufriedenheitsbewertung zwei Vorteile. Einerseits erhält er für relativ kleines Geld eine innerbetriebliche Schwachstellenanalyse frei Haus geliefert und andererseits ein wertvolles Marketing-Instrument, das sich – und dies ist unisono Meinung der Bestatter, die bislang bereits das Siegel erhalten haben – hervorragend zur Kundengewinnung eignet. Und der Verbraucher kann sich online rund um die Uhr unter www.bestatter-test.de darüber informieren, welcher Bestatter von seinen Kunden mit „Sehr gut“ bewertet worden ist – in einer Branche, die immer noch ganz überwiegend von Mund-zu-Mund-Propaganda lebt, ein ganz wichtiges Argument.

 

Vinschen: Das DIB bietet auch eine Bestattungsvorsorge an. Wie wichtig ist es in Ihren Augen, eine solche Vorsorge zu Lebzeiten abzuschließen?

Hubing: Immer wichtiger angesichts der Tatsache, dass einerseits gerade die kommunalen Gebühren aufgrund der Finanzsituation der öffentlichen Hand deutlich steigen und ja bereits vor einigen Jahren das sogenannte Sterbegeld abgeschafft wurde. Und andererseits werden die Menschen immer älter, die tradierten Familienstrukturen zerfallen und immer mehr ältere Menschen erleben ihre letzten Lebensjahre in Heimen. Dies hat zur Folge, dass Hilfe zum Lebensunterhalt von den Sozialämtern nur gezahlt wird, wenn der Antragsteller bis auf ein mageres Schonvermögen von 2.600 Euro sein eigenes Vermögen zuvor verbraucht hat. Aber eine anständige und würdevolle Bestattung für 2.600 Euro ist eine Illusion, wenn man ein Grab kaufen muss und beispielsweise auch an die Grabpflege denkt. Durch frühzeitiges Handeln kann man mithilfe einer seriösen Bestattungsvorsorge seine Bestattung individuell planen und auch finanzieren und damit auch Angehörige entlasten. Der sprunghafte Anstieg unserer Bestattungsvorsorgen zeigt, dass die private Vorsorge angesichts der öffentlichen Finanzsituation immer wichtiger wird und dies auch von den Menschen erkannt wird.

 

Vinschen: Das DIB bietet zwei unterschiedliche Vorsorgen an, zum einen das sogenannte „Treuhandsammelkonto“ und zum anderen eine „Sterbegeldversicherung“. Worin unterscheiden sich diese Vorsorgearten?

Hubing: Na, genau genommen sogar drei Varianten. Aber im Mittelpunkt unserer Überlegungen standen zwei Prämissen. Zum einen steht die Sicherheit für den Kunden, der mit dem Bestatter eine Vorsorge abschließt und bezahlt, ganz vorne. Und zwar Sicherheit gegenüber dem Sozialamt, möglicherweise auch Angehörigen und natürlich auch gegenüber einem potenziellen Insolvenzrisiko beim Bestatter oder auch dem Kreditinstitut oder der Versicherung. Deshalb haben wir uns auch nicht für die Anbieter mit den höchsten Renditen, sondern für diejenigen entschieden, die bekannt sind und seriöse Anlageformen präferieren. Und zum anderen kam es bei der Auswahl der Produkte auch darauf an, auf die persönlichen Lebensumstände der potenziellen Kunden möglichst optimal eingehen zu können. Wie alt ist der Kunde? Über welche finanziellen Mittel verfügt er? Will und kann er die Summe auf einen Schlag bezahlen oder in monatlichen Raten? Und natürlich auch die Frage, wie lange wird er voraussichtlich noch leben. Mit dem Treuhandsammelkonto bei der Volksbank Mittelhessen eG, einer der größten deutschen Volksbanken sowie der Sterbegeldversicherung mit Einmalzahlung oder monatlicher Zahlung bei der ALLWEST, einer Tochtergesellschaft der SIGNAL IDUNA verfügen wir über drei attraktive Angebote, die allen individuellen Ansprüchen gerecht werden. Beim Treuhandsammelkonto gibt es weder Altersbegrenzung noch eine Festlegung auch bestimmte Summen; das Geld muss in voller Höhe eingezahlt werden und ist auch im Todesfall sofort fällig. Außerdem kann der Kunde das Treuhandsammelkonto bei Bedarf mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten zum Monatsende kündigen. Bei den Versicherungslösungen gilt eine Altersbegrenzung von 84 bzw. 85 Jahren und festgelegte Versicherungssummen bis zu einer Höchstsumme von 8.000 Euro. Wichtig ist hier auch, dass das DIB ein unwiderrufliches Bezugsrecht erhält und somit im Fall des Falles auch das Sozialamt keinerlei Zugriff auf diese Mittel hat. Da es keinerlei Gesundheitsprüfungen gibt, besteht eine Wartefrist von zwei Jahren. Bei einem Todesfall innerhalb dieser Frist werden „nur“ die gezahlten Beiträge plus einer attraktiven Verzinsung ausgezahlt.

Wichtig bei allen drei Varianten ist, dass im Todesfall das Geld an den Bestatter ausgezahlt wird, dieser die Bestattung wie mit dem Verstorbenen vereinbart durchgeführt und dann mit den Erben abgerechnet wird; das Geld also zweckgebunden für die geplante Bestattung verwandt werden muss.

 

Vinschen: „Die Bestattungsbranche ist im Wandel“ – diesen Satz hört man immer wieder. Herr Hubing, ist dem so? Worin sehen Sie die grundlegenden Veränderungen und wo sehen sie noch große Probleme? Wie wird sich die Branche ihrer Ansicht nach entwickeln?

Hubing: Die Bestattungskultur ist ein Teil der Gesellschaft und wie diese einem steten Wandel unterworfen. Und mit der Bestattungskultur muss sich auch die gesamte Branche aufgrund ihrer Dienstleistungsstruktur mit verändern. Insgesamt betrachtet wird die Bestattungskultur immer bunter, immer individueller – und das ist auch gut so! Holzschnittartig gesprochen haben wir es mit zwei Tendenzen zu tun: Der – zumeist finanziell bedingten – „Entsorgungsmentalität“ nach dem Prinzip „möglichst billig“ und „möglichst keine weiteren Verpflichtungen wie Grabpflege“. Und auf der anderen Seite der Wunsch nach individuellen Bestattungsformen wie Themenbestattungen oder auch Naturbestattungen. Dies bedeutet für die Branche, dass die „ortsübliche Bestattung“ immer mehr ins Abseits gerät und der Bestatter immer mehr auf die individuellen Wünsche der Verstorbenen und Hinterbliebenen eingehen muss. Doch das bedeutet im Einzelfall mehr Aufwand, bietet jedoch auch eine Chance. Auf jeden Fall entwickelt sich hierdurch das Bestattungsgewerbe immer mehr weg von seinen handwerklichen Wurzeln hin zu einem hochqualifizierten Dienstleister mit einem breiten Portfolio. Als Bestatterverband ist es unsere Aufgabe, unsere Mitgliedsbetriebe auf diesem Weg zu begleiten und ihnen hierbei mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

 

Vinschen: Herr Hubing, ich bedanke mich für das Gespräch

 

 

 

Informationen:

DIB – Deutsches Institut für Bestattungskultur GmbH
Sandusweg 3
35435 Wettenberg-Launsbach
Tel.: 0641/97525-0
Fax: 0641/97525-40
www.bestattergewerbe.de

 

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