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Ein Ort für die Erinnerung

24.05.2012
Aus Friedhofskapelle wird Kolumbarium
Ein Ort für die Erinnerung

Der erste Eindruck: Weite und Licht. Die Wehrstapeler Friedhofskapelle ist kein Ort, der traurig stimmt. Im Gegenteil: Die Buntglaswand, die auf der kompletten Gebäudehöhe den auferstandenen Jesus Christus zeigt, steht für Helligkeit und Hoffnung. „Diese Friedhofskapelle ist sicher eine der schönsten im ganzen Stadtgebiet“, so Heinz Hiegemann. Die Stadt Meschede baut das Gebäude jetzt zum Kolumbarium und zur offenen Trauerhalle um.

Hintergrund: Schon seit Jahren wird die in den 70-er Jahren gebaute Friedhofskapelle kaum noch genutzt. „Der Wandel der Bestattungskultur führt dazu, dass zum Beispiel die Aufbahrung von Verstorbenen bis zur Bestattung eher in den privaten Bereich gewandert ist“, weiß Heinz Hiegemann, stv. Leiter des Fachbereichs Infrastruktur der Stadt Meschede. Die Stadtverwaltung will auf diese Entwicklung nicht mehr reagieren, sondern selbst agieren – und damit eine neue Nutzung für die Friedhofskapelle schaffen: Mit einem Kolumbarium – einer Urnenwand – bietet sie nun eine Bestattungsform an, die immer stärker nachgefragt wird.

Konkret entstehen dabei in einem ersten Schritt an einem Teil der Rückwand in der Friedhofskapelle 24 Grabnischen für Urnenbestattungen. Pro Kammer können dann bis zu zwei Urnen mit einer Ruhezeit von 20 Jahren beigesetzt werden. „Je nach Nachfrage können wir dann in der Kapelle weitere Wände mit Grabnischen einrichten“, so Heinz Hiegemann. Gleichzeitig bleibt der Mittelteil der Kapelle als Trauerhalle erhalten: „Hier gibt es zum Beispiel vor Beisetzungen den Raum, um sich von dem Verstorbenen zu verabschieden.“

Die Stadt Meschede trägt damit der Entwicklung Rechnung, dass sich die Bestattungsformen immer stärker vom „klassischen“, selbst gepflegten Wahlgrab hin zu Gräbern mit einfacheren Pflegeoptionen verlagern. Zum einen, weil die Zahl der älteren Bürger immer weiter ansteigt; zum anderen, weil viele jüngere Menschen für Ausbildung oder Studium die Region verlassen und deshalb für die Grabpflege verstorbener Angehöriger nicht zur Verfügung stehen. Die Nachfrage nach Urnenbestattungen – auch in Kolumbarien – steige auch in Meschede, so Heinz Hiegemann. Gleichzeitig sieht die Stadt Meschede darin auch eine Chance für eine neue, angemessene Nutzung der Friedhofskapelle. Ein Abriss des Gebäudes müsste auf die Friedhofsgebühren umgelegt werden – „statt dessen schaffen wir etwas, das wirklich nachgefragt wird“, so Heinz Hiegemann, „und das in einem sehr markanten und sehr schönen Gebäude.“

Nun haben die Arbeiten zur Umgestaltung begonnen. Im vorderen Bereich entsteht das eigentliche Kolumbarium; der mittlere Bereich bleibt als „Abschiedsraum“ – zum Beispiel vor Beisetzungen – erhalten. Heinz Hiegemann: „Es ist ein schöner Raum mit einem sehr würdevollen Ambiente.“ Der hintere Abschnitt des Gebäudes wird zum Betriebsraum umgenutzt, der von außen zugänglich sein wird. Das komplette Gebäude wird offen sein und nur im Herbst sowie im Winter durch eine Türe verschlossen. Als Schutz vor der Witterung wird ein Vordach im Eingangsbereich errichtet. Der Innenraum wird mit Bewegungsmeldern ausgestattet, die die Kapelle automatisch beleuchten, sobald sie betreten wird. „Wir wollen einen offenen Raum schaffen, der Angehörige zum Erinnern und zum Verweilen einlädt“, erläutert Heinz Hiegemann, „und es soll hochwertig sein, weil sich auch darin Würde ausdrückt.“

Umgesetzt werden die Arbeiten durch das Team des Integrierten Bau- und Betriebshofs (IBB). Zum Ende des Jahres könnten in der „neuen“ Friedhofskapelle die ersten Beisetzungen stattfinden. So soll ein Ort der Trauer, aber auch der Erinnerung entstehen – an Familienmitglieder, Verwandte und Freunde. Die Formen des Gedenkens seien ebenso im Wandel wie die Bestattungskultur selbst – Bürgermeister Uli Hess: „Die Stadt Meschede will sich darauf einstellen und die Neuorganisation des Friedhofsbereichs fortsetzen.“

 

Quelle: Hochsauerlandwasser GmbH

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