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Erhöhung der Friedhofsgebühren

14.01.2014
Trend Feuerbestattungen setzt Kommunen unter Druck
Erhöhung der Friedhofsgebühren

In ganz Deutschland erhöhen zahlreiche Kommunen zum Jahreswechsel die Friedhofsgebühren. Hinterbliebene müssen dann vielerorts ausbaden, dass Finanzierungsprobleme verschleppt und Gebühren ungerecht kalkuliert werden. Manche Kommune zeigt aber, dass der Dreh an der Gebührenschraube nicht unausweichlich ist.

Der anhaltende Trend zur Feuerbestattung und damit zu kleinen und günstigen Gräbern setzt die deutschen Friedhöfe unter Druck. Einnahmen bleiben aus, die Kosten sinken jedoch nicht im gleichen Maße. Als Folge erhöhen viele Kommunen zum Jahreswechsel wieder die Friedhofsgebühren, zu Lasten der Gebührenzahler. Viele Hinterbliebene reagieren, indem sie nach günstigeren Beisetzungsvarianten Ausschau halten. Das wiederum verschärft die Probleme der Gebührenhaushalte, weitere Erhöhungen folgen. Dieser Teufelskreis muss nach Ansicht der Verbraucherinitiative Aeternitas aus Königswinter durchbrochen werden.

Beispiele aus ganz Deutschland zeigen, mit welch immensen Erhöhungen Gebührenzahler 2014 auf Friedhöfen rechnen müssen. Gerade kleinere Gemeinden langen häufig kräftig zu. In Emmerich zum Beispiel wird die Bereitung eines Grabes für eine Urnenbestattung um 116 Prozent teurer und im hessischen Friedewald das anonyme Urnengrab um 150 Prozent. In Rüdesheim verdreifacht sich die Nutzungsgebühr für das Urnenreihengrab gar von 163 auf 500 Euro – 207 Prozent mehr. Aber auch in Münster wird manchem Gebührenzahler angesichts von bis zu 93 Prozent mehr Gebühren (beim anonymen Urnengrab) der Atem stocken. Da erscheinen um durchschnittlich 25 Prozent höhere Friedhofsgebühren in Frankfurt am Main geradezu moderat.

In Stuttgart hingegen zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Gebührenerhöhungen bei der Urnenbeisetzung von 23 Prozent stehen Entlastungen von 20 Prozent bei Erdbestattungen gegenüber. Auch in Cottbus können Gebührenzahler neben einigen moderaten Erhöhungen mit günstigeren Preisen für die Feierhalle rechnen. Und während in Remscheid oder Zülpich die Friedhofsgebühren immerhin stabil bleiben, verzeichnet Kempen sogar leicht sinkende Gebühren. Besonders bürgerfreundlich stellt sich das nordrhein-westfälische Leopoldshöhe dar: Hier sinken die Friedhofsgebühren um bis zu 45 Prozent.

Die oben genannten Gemeinden zeigen zum Teil exemplarisch, wo der Schuh drückt: In Friedewald zum Beispiel wurden seit 1997 die Gebühren nicht mehr erhöht. „Regelmäßige Anpassungen können jedoch extreme Auswüchse bei Gebührenerhöhungen verhindern“, weiß der Aeternitas-Vorsitzende Christoph Keldenich. Und wenn Münster den sogenannten Anteil öffentlichen Grüns im Gebührenhaushalt von 20 auf sieben Prozent absenkt, bleibt als Ausweg nur die Gebührenerhöhung. Seit Jahren schon fordert Aeternitas, den Grünwert der Friedhöfe als Erholungsraum, Parkanlage und ökologische Nische hingegen stärker zu berücksichtigen. Es ist nicht Aufgabe des Gebührenzahlers, dafür aufzukommen.

Wegen des Trends zu Platz sparenden Urnengräbern und wegen überdimensionierter Pläne aus der Vergangenheit sind auf vielen Friedhöfen sogenannte Überhangflächen entstanden: Flächen, die nicht mehr für Bestattungen benötigt werden. Aeternitas kritisiert, dass anfallende Pflegekosten mitunter immer noch den Gebührenzahlern aufgebürdet werden. Das gleiche gilt bei Kosten für den Denkmalschutz. „Eine klare Trennung ist hier jeweils unabdingbar“, fordert Keldenich. Gebühren müssten dem Aufwand entsprechen, der wirklich dahintersteht. Gleichzeitig sollten attraktive Angebote die Gebührenzahler überzeugen, nicht nur auf den Preis zu schauen. Viele Friedhöfe beschreiten hier bereits den richtigen Weg, zum Beispiel mit ansprechend gestalteten garten- oder parkartigen Grabanlagen.

Informationen:

Aeternitas e.V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Alexander Helbach

Dollendorfer Straße 72
53639 Königswinter

Telefon: 0 22 44 / 92 53 85
Fax: 0 22 44 / 92 53 88

alexander.helbach@aeternitas.de
www.aeternitas.de

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3 Kommentare
  1. Degenhard Moitz sagt:

    Kommunen sind zu behäbig

  2. Anja Müller sagt:

    Städte und Gemeinden stehen in der Tat unter grossem finanziellen Druck. Gebühren für Gräber und die Beisetzung zu erhöhen erscheint auf den ersten Blick logisch und zwingend. Denkt man aber etwas länger darüber nach, kann man durchaus Alternativen dazu erarbeiten.
    Was spräche denn dagegen, auf Friedhöfen, die über ein grosses Platzangebot verfügen, pflegeleichte Gräber anzubieten? Ich denke da konkret an Baumgräber, Rasengräber für Feuer und Erdbestattungen, Urnenwände und Gemeinschaftsgrabanlagen. Die Kosten für den Unterhalt wären sicher nicht höher als die Kosten für die Pflege brachliegender Flächen.
    Die Kommunen sollten sich auch darüber Gedanken machen, warum alternative Bestattungsarten, wie in Friedwäldern etwa, so enormen Zulauf haben.
    Dies liegt mit daran, dass viele Menschen keine Angehörigen in unmittelbarer Nähe haben, die sich um ein Grab pflegerisch kümmern können und dass es immer mehr Menschen gibt, die sich keine konventionelle städtische Grabstelle leisten können.
    Ich bin mir sicher, gäbe es ein entsprechendes kommunales Angebot, es würde genutzt werden.
    „Zu gross geratene“ Friedhofsbauten wären ideal, um Begegnungsstätten einzurichten. Diese Räume könnten von den Kommunen verpachtet werden und würden so Geld in die Kassen bringen.
    Ein Friedhof mit angegliedertem Cafe könnte trauernde Menschen ein Anlaufpunkt werden, Menschen würden sich zwanglos treffen, miteinander sprechen, Gemeinschaft spüren.
    Zugegeben, zunächst müssen Gelder fliessen. Der Gewinn würde u.U. zunächst nicht in Zahlen messbar sein, wohl aber ein Mehr an Zugewandtheit und menschlichem Miteinander sein.
    Ausserdem würde das Sterben, der Tod wieder in der Gesellschaft ankommen, als natürlicher Aspekt unserer aller Dasein.

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