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„Friedhof heute“ – kein Tabu und kein unbeschriebenes Blatt

10.02.2015
Medienpreis „Friedhof heute“
„Friedhof heute“ – kein Tabu und kein unbeschriebenes Blatt

Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V. hat 2014 zum ersten Mal den Medienpreis „Friedhof heute“ ausgeschrieben. Ziel war es, einen Überblick über Veröffentlichungen zum Friedhof im deutschsprachigen Raum zu gewinnen. Darüber hinaus sollten Journalisten angeregt werden, das nicht immer einfache, aber äußerst vielschichtige Thema aufzugreifen und neue Aspekte aufzuzeigen. Der mit insgesamt 5.000 Euro dotierte Preis würdigt journalistische Arbeiten, die sich im Jahr 2014 dem Thema Friedhof jenseits der klassischen Totengedenktage unbefangen und mit gegenwärtigem Bezug widmeten. Thematische Einschränkungen gab es keine, sofern der Bezug zum Friedhof gegeben war. Einsendeschluss war der 30. November 2014. „Die Resonanz war überwältigend. Über 120 Beiträge von über 100 Journalisten aller Mediengattungen repräsentierten eine breite Themenvielfalt in hoher Qualität“, so der Aeternitas-Vorsitzende Christoph Keldenich. Die Jury war tagelang beschäftigt, die vielen Stunden Videos und Radioberichte sowie die Zeitungsberichte zu sehen, zu hören, zu lesen und zu bewerten. Mitte Januar waren die Preisträger ermittelt. 

Den 1. Preis erhielt die Radioproduktion des WDR 4 „Oasen der Stadt – Friedhöfe sind mehr als letzte Ruhestätten“. Eingesandt wurde das Radiofeature von Ulla Foemer und Moritz Seidel. Platz 2 wurde doppelt vergeben. Zum einen zeichnete die Jury die Produktion des NDR Fernsehens „Im Wald der Engel – Ohlsdorf, der größte Parkfriedhof der Welt“ aus, eingereicht von Holger Vogt. Der andere Preis ging an Daniela Meyer für ihren Beitrag „Das neue Sterbensgefühl“, veröffentlicht im Wirtschaftsmagazin Euro. Zusätzlich zu den drei ausgeschriebenen Preisen vergab die Jury einen Sonderpreis an Volker ter Haseborg für seine Reportage im Hamburger Abendblatt „Der Mann, den niemand vermisste“.
Aeternitas veröffentlicht bzw. verlinkt die Beiträge der Gewinner auf www.aeternitas.de für Interessierte zum Nachlesen, Nachhören und Nachsehen. Auch die Einreichungen weiterer Teilnehmer sollen dort gesammelt werden. „Die eingesandten Beiträge machen in Qualität und Quantität deutlich, dass der Friedhof – wie gelegentlich unterstellt – medial längst kein Tabu mehr ist, sondern ein viel besprochenes Thema. Die Aspekte könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. Vielfältig und kreativ, einfühlsam und überraschend, beleuchten die Arbeiten die gegenwärtige Situation des Friedhofs in unserer Gesellschaft und sparen seine Probleme keineswegs aus. Das hat uns in seiner Fülle wirklich überrascht“, so Christoph Keldenich. „Motiviert durch den großen Zuspruch, den der Wettbewerb erfahren hat, bedanken wir uns bei allen Teilnehmern für Ihre Arbeiten.“

Auch 2015 wird ein Aeternitas Medienpreis „Friedhof heute“ ausgeschrieben. Weitere Informationen dazu gibt Aeternitas rechtzeitig bekannt.

Die ausführlichen Begründungen der Jury werden im Folgenden dokumentiert:

1. Preis („Oasen der Stadt – Friedhöfe sind mehr als letzte Ruhestätten“):

Der im WDR 4 gesendete Hörfunkbeitrag „Oasen der Stadt – Friedhöfe sind mehr als letzte Ruhestätten“ bildet in vorbildlicher Weise ab, was „Friedhof heute“ bedeutet. Er konnte die Jury überzeugen, ihn im Rahmen des gleichnamigen Medienpreises zum Sieger zu küren. Ulla Foemer und Moritz Seidel beleuchten detailliert und anschaulich die zahlreichen Aspekte, die den Friedhof heutzutage auszeichnen – über die letzte Ruhestätte hinaus. Fachlich fundiert und gut strukturiert, aber dennoch unterhaltsam zeigen sie auf, welche bedeutende Rolle der Friedhof für Gesellschaft, Kultur, Historie und Natur einnimmt und wie er als Begegnungsstätte dient. Eindrücke vor Ort geben ein lebhaftes Bild davon ab. Darüber hinaus gelingt es dem Beitrag, im Expertengespräch verständlich und pointiert einzuordnen und zu erklären, was sich auf den Friedhöfen in den letzten Jahren verändert hat und welche Entwicklungen derzeit zu beobachten sind. Probleme werden nicht ausgespart. Ulla Foemer und Moritz Seidel haben die entscheidenden Fragen gestellt und ausführliche und informative Antworten erhalten, mit denen sie ihren Hörern ein umfassendes Bild vom „Friedhof heute“ vermitteln.

2 .Preis („Im Wald der Engel“):

Mit seinem Film „Im Wald der Engel“ aus der Reihe „die nordstory“ im NDR-Fernsehen erzählt Holger Vogt in herausragender Bildqualität Geschichten von Menschen rund um den Hamburger Friedhof Ohlsdorf. Er stellt ruhig und anschaulich die unterschiedliche Bedeutung des Friedhofs für den Einzelnen heraus, seien es Besucher oder Menschen, die dort arbeiten: Trauernde, Gärtner, Künstler, Naturschützer, Touristen, Busfahrer oder Polizisten. Holger Vogt hat sich Zeit genommen. Der knapp eine Stunde dauernde Film wird dennoch nie langweilig, da er es immer wieder schafft, in schönen Bildern neue Aspekte zu thematisieren und abwechslungsreich die verschiedenen Menschen mit ihren persönlichen, aber auch exemplarischen Blickwinkeln und Bezügen zum Friedhof zu zeigen. Holger Vogt fängt den Friedhof als Landschaftsgarten und tröstende Natur ein, bildet aber ebenso die Abläufe auf der Arbeitsstätte Friedhof ab. Der Jury war bewusst, dass Ohlsdorf in seiner Größe und Vielfalt einen Ausnahmefall darstellt, der nicht exemplarisch für die meisten anderen Friedhöfe steht. Weil es Holger Vogt aber gelungen ist, Typisches rund um den heutigen Friedhof so gekonnt und unterhaltsam darzustellen, wird er mit dem Medienpreis „Friedhof heute“ ausgezeichnet.

2. Preis („Das neue Sterbensgefühl“):

Was den Friedhof heute charakterisiert, ist angesichts der vielerorts angespannten finanziellen Lage der Friedhöfe und des Kostenbewusstseins der Bürger auch eine ökonomische Frage. Mit der Auszeichnung des Medienpreises „Friedhof heute“ für den Beitrag „Das neue Sterbensgefühl“ von Daniela Meyer, erschienen im Wirtschaftsmagazin „Euro“, würdigt die Jury den sachlichen ökonomischen Blick auf das Friedhof- und Bestattungswesen jenseits der üblichen Berichterstattung. Optisch ansprechend aufbereitet und illustriert beschreibt der Bericht, ausgehend vom zunehmenden Wettbewerb im Bestattungsgewerbe, ausführlich und verständlich aktuelle Entwicklungen und die neue Vielfalt im Friedhofs- und Bestattungswesen. Die zunehmend beliebten Alternativen zum klassischen Friedhof werden dabei nicht ausgespart. Daniela Meyer hat besonders umfangreich und sorgfältig Daten und Fakten zusammengetragen und zahlreiche Meinungen eingeholt. Die im Mittelpunkt des Textes stehenden sachlichen, wirtschaftlichen Aspekte sparen die veränderten Bedürfnisse der Hinterbliebenen und Trauernden auch in der Kostenfrage nicht aus. 

Sonderpreis („Der Mann, den niemand vermisste“): 

Mit seinem Beitrag „Der Mann, den niemand vermisste“ hat Volker ter Haseborg eine mit langem Atem aufwändig recherchierte Reportage vorgelegt, die emotional berührt, aber auch spannend wie ein Krimi zu lesen ist. Besonders überzeugt hat die Jury die Originalität des Beitrags. Sie war beeindruckt davon, wie der Autor die routinierte Nüchternheit von Bestattungen durch das Ordnungsamt als Anlass genommen hat, das Leben eines dieser Verstorbenen mit Dokumenten und Gesprächen nachzuvollziehen und ihm stellvertretend für die vielen anderen ein Gesicht und eine Geschichte zu geben. Nicht nur der „Mann, den niemand vermisste“, wird dadurch biographisch in Leben und Scheitern vorgestellt, sondern  auch andere aus den gesellschaftlichen Netzen gefallene Menschen erlangen ihre Würde zurück. Volker ter Haseborg bildet ab, was niemand wissen will. Schonungslos zeigt er die Praxis der anonymen Bestattung derjenigen, die vergessen sind. Der Friedhof bildet die Klammer, die den Text umspannt. Er steht jedoch nicht im Mittelpunkt. Deshalb hat die Jury entschieden, Volker ter Haseborgs Reportage im Rahmen des Medienpreises „Friedhof heute“ mit einem Sonderpreis zu würdigen.


Informationen:
Aeternitas e.V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Alexander Helbach


Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter
Telefon: 0 22 44 / 92 53 85
Fax: 0 22 44 / 92 53 88


E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de
Internet: www.aeternitas.de
Twitter: twitter.com/Aeternitas_eV

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