Bestellen Sie hier unseren Newsletter

Gebt mir das Recht zu trauern

10.02.2012
Über das Phänomen „sozial nicht anerkannte Trauer“
Gebt mir das Recht zu trauern

Geltende Normen und Vorstellungen können dazu führen, dass Menschen nach einem Todesfall das Recht zu trauern abgesprochen wird. Zum Beispiel stoßen Geschiedene, die den Tod ihres früheren Ehepartners betrauern, auf wenig Verständnis. Betroffenen fehlen Anerkennung und Unterstützung des sozialen Umfelds. Die Verbraucherinitiative Aeternitas fordert mehr Verständnis und stellt im Portal www.gute-trauer.de Informationen bereit.

Über das Phänomen „sozial nicht anerkannte Trauer“, wie Fachleute es nennen, wird in Deutschland kaum gesprochen. Dabei werden viele Betroffene nach einem Todesfall aufgrund geltender Normen und Vorstellungen mit ihrer vermeintlich unberechtigten Trauer allein gelassen. Doch nicht nur das Umfeld spricht ihnen das Recht zu trauern ab. Ihre Situation kann dazu führen, dass sie sich selbst ihre Trauer nicht zugestehen. Solche Menschen laufen Gefahr, in eine schwierige Form der Trauer zu geraten, die therapeutische Hilfe notwendig macht.

Aus einer Vielzahl von Gründen kann Trauer im Widerspruch zu gängigen Konventionen stehen. Oft ist das Umfeld der Meinung, die betreffende Person habe keinen Grund zu trauern oder der Verlust sei nicht schwerwiegend. Diese Situation tritt zum Beispiel ein, wenn ein ehemaliger Ehepartner verstirbt, der in einer neuen Beziehung lebt. Weil Bindungen immer seltener ein Leben lang halten und die so genannte „Patchworkfamilie“ zur Normalität wird, steigt die Zahl dieser Fälle an. Das Umfeld reagiert mitunter verständnislos, ja sogar mit Ablehnung, wenn jemand dann dennoch „zu sehr“ trauert. Das Gleiche kann für heimliche Beziehungen, Beziehungen ohne Trauschein oder Todesfälle am Arbeitsplatz gelten. Ebenso schwer tut sich das Umfeld häufig bei vermeintlich nicht angebrachter Trauer um sehr alte Menschen, Komapatienten oder Totgeburten. Auch Hinterbliebenen nach einem Suizid wird mitunter Mitgefühl und Unterstützung verwehrt. Oft nicht anerkannt wird die Trauer um Haustiere.

Aeternitas empfiehlt Betroffenen, sich vom Umfeld nicht verunsichern zu lassen. „Helfen können zum Beispiel eigene, persönliche Trauerrituale und der Zusammenschluss mit anderen Betroffenen“, rät die Diplompsychologin Hildegard Willmann. Aber auch die Öffentlichkeit müsse für das Phänomen sozial nicht anerkannter Trauer sensibilisiert werden, damit Betroffenen mehr Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht werden könne. Willmann hat für das von Aeternitas geförderte Trauerportal www.gute-trauer.de Vortragsfolien und Texte zum Thema „Sozial nicht anerkannte Trauer“ erstellt, die den Besuchern dort kostenlos zur Verfügung stehen. Im Portal finden Internetnutzer darüber hinaus umfassende Informationen zum Thema Trauer und Anlaufstellen für Hilfesuchende.

 

Informationen:

Aeternitas e. V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Alexander Helbach

Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter
Telefon: 0 22 44 / 92 53 85, Fax: 0 22 44 / 92 53 88
E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de

Artikel Bewerten: Social:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(keine Bewertung abgegeben)
Loading...
0 Kommentare

Hinterlasse eine Antwort