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„…gut aufgehoben in unseren Herzen“ – Gedanken zur Gestaltung von Abholung und Sargschließung

23.12.2014
Ein Blogbeitrag von Barbara Rolf
„…gut aufgehoben in unseren Herzen“ – Gedanken zur Gestaltung von Abholung und Sargschließung
Foto: Tiago Phelipe

Wenn eine Frage immer mal wiederkehrt, wenn sich Situationen wiederholen, für die man sich so etwas wie eine Handreichung wünscht, lohnt es sich wohl, sich mal damit zu befassen. Bei uns ist das zum Beispiel die Frage nach der Gestaltung einer Abholung, ebenso das Thema Sargschließung. Beides sind schwere und zugleich große Schritte auf dem Weg der Trauer und des Abschieds. Beides sind sensible Situationen, und es ist hilfreich für trauernde Menschen, wenn sie gut verlaufen.

Wichtig ist, sich Zeit zu lassen, Angehörige einzubeziehen, alles zu erklären, zu fragen, was jetzt wichtig ist… Und es ist gut, einen Rahmen zu erarbeiten, den so etwas haben kann, der uns ermöglicht, dort, wo es passt und gewünscht wird, etwas zu sagen, zu beten, zu tun.
Heute haben wir eine Familie getroffen, die fest verwurzelt ist im christlichen Glauben und der katholischen Tradition. Sie hatten uns gebeten, sie beim Besuch am offenen Sarg zu begleiten, mit ihnen zu beten und die Sargschließung als kleine Aussegnung zu gestalten. Eine Feier im kleinen Kreis der Familie und engsten Freunde, bevor am Dienstag die Bestattung sein wird, öffentlich und mit sehr vielen Trauergästen.

Anbei Text und Verlauf der Feier; vielleicht kann es der einen oder dem anderen Anregung sein und hilfreich im Erarbeiten eigener Texte und Rituale:

 

Impuls (Text aus der Traueranzeige)

In ihm sei’s begonnen,
der Monde und Sonnen
an blauen Gezelten
des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende! Herr, dir in die Hände
sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt!

 

Einführung

Liebe Frau …, liebe Familien … und …, liebe Freunde der Familie, schweren Herzens stehen Sie hier, um einen weiteren Schritt zu gehen auf dem  Weg Ihrer Trauer, auf dem des Abschieds von Ihrem geliebten Ehemann, Vater, Schwiegervater und Opa. Wir bitten für diese Stunde, für sein und für unser Weitergehen um Gottes Segen und beginnen, wie er oft begonnen hat im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Die Ohnmacht angesichts seiner Erkrankung und seines raschen Sterbens ist lähmend, das Heimweh, der Schmerz sind tief. Er war bereit, gut vorbereitet, dankbar für sein Leben, mit sich im Reinen und getragen von der Hoffnung, dass wir am Ende dieses Lebens aufbrechen in Gottes Licht und seinen Frieden. Er war bereit, aber Sie waren es noch nicht, wollten ihn noch bei sich haben, seinen Rat, seine Stärke, seine Liebe.

In aller Traurigkeit steht Ihnen auch vor Augen, wie gut es ist, dass es ihn gab, wie viel Sie miteinander verbindet, dass es viel Grund gibt, dankbar zu sein. So ist es nicht nur sein Tod, der uns heute hier zusammenführt, sondern auch – und vielleicht vor allem – sein Leben. Die Verbundenheit mit ihm, Liebe und Dankbarkeit, gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen, Zusammengehörigkeit jetzt und für immer.

 

Gebet

Wir beten: Guter Gott, dankbar denken wir an das Leben von …. Wir danken ihm für alles, womit er diese Welt und das Leben der Menschen, die ihm begegnet sind, froher gemacht, vertieft und bereichert hat. Versöhnlich denken wir an das, was nicht gut war, was nicht gelingen wollte oder konnte. Und für alles, womit wir ihm weh und Unrecht getan haben, bitten wir um Verzeihung. Sein Lebenskreis hat sich geschlossen. Wir lassen los, was wir nicht festhalten können, geben her, was wir nicht behalten können und vertrauen seinen Leib der Erde an. Seinen Geist und seine Seele wissen wir geborgen bei dir, sein Andenken gut aufgehoben in unseren Herzen.

Herr, gibt ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Lass ihn ruhen in Frieden. Amen.

 

Aussegnung (Wer möchte, keine eine Hand auf ihn oder an seinen Sarg legen.)

Was wir bergen in den Särgen ist der Erde Kleid. Was wir lieben ist geblieben, bleibt in Ewigkeit.

Nehmt Abschied, Augen, Segen und Frieden allem, was ihr gesehen und betrachtet habt. Schaut jetzt das Licht. Nehmt Abschied, Ohren, Segen und Frieden allem, was ihr gehört und vernommen habt. Hört jetzt den Ruf in neues Leben. Nimm Abschied, Mund, Segen und Frieden allem, was du gesagt und ausgesprochen hast. Stimme jetzt ein in den Lobgesang der Engel und himmlischen Wesen. Nehmt Abschied, Hände, Segen und Frieden allem, was ihr getan, geschaffen, berührt und gehalten habt. Öffnet euch jetzt und empfangt die Gaben der Ewigkeit. Nehmt Abschied, Füße, Segen und Frieden jedem Ort den ihr betreten habt, jedem Weg, den ihr gegangen seid. Geht jetzt in Gottes Licht.

 

Gemeinsame Sargschließung

 

Lichtritual (Eine brennende Stumpenkerze wird auf den Sarg gestellt; wer möchte, kann ein Teelicht daran entzünden und es auf den Sarg stellen.)

In vier Tagen feiern die Christen auf der ganzen Welt Weihnachten, Heilig Abend, zünden Hoffnungslichter an und bekennen: Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein!

 

Vaterunser und Gegrüßet seist du, Maria

Wir beten gemeinsam:

Vater unser…

Gegrüßet seist du, Maria…

 

Segen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

 

Weihnachten

 

Nun wünsche ich Euch und Ihnen allen schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Start in das Neue Jahr.

Möge es ein lichtvolles und friedliches werden für uns und alle, die diese Erde bewohnen.

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2 Kommentare
  1. Eva Schiek sagt:

    Ein interessanter Bericht! Ich finde es gibt so viele schöne Rituale, und die Freiheit eigene zu finden… Es freut mich daß immer mehr Menschen sich auf den Weg machen so bewusst damit umzugehen. Anrührend auch zu lesen wie hier alles in Einklang gekommen ist, weil Alle miteinander bereit waren diesen Abschied so zu ermöglichen. Ich beglückwünsche Euch dazu!

  2. Ich bin dem Aussegnungsritual in Gedanken gefolgt und es hat mich ungemein angesprochen.

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