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Gut begleitet bis zum Schluss

10.12.2013
LEBEN UND TOD 2014 zu Sterben, Tod und Trauer in jedem Lebensalter
Gut begleitet bis zum Schluss
LEBEN UND TOD 2013 (Foto: Jan Rathke)

„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, schrieb der Reformator Martin Luther. Dieser Wahrheit stellt sich die bundesweit einzigartige Veranstaltung LEBEN UND TOD. Jetzt feiert sie ein erstes kleines Jubiläum: Die außergewöhnliche Kongressmesse befasst sich am Donnerstag und Freitag, 8. und 9. Mai 2014, bereits zum fünften Mal in der Messe Bremen mit Sterben, Tod und Trauer.

Die Veranstaltung in der Messehalle 6 wendet sich mit ihren 50 Vorträgen und Workshops vor allem an die Fachöffentlichkeit: an haupt- und ehrenamtlich Tätige in Hospiz- und Trauerbegleitung, Palliativmediziner oder Seelsorger. Für die Fachmesse versammeln sich rund 100 Aussteller, darunter Anbieter auf Themenfeldern wie Aus- und Weiterbildung, Sinneswelten und Lebensqualität für die professionelle Arbeit mit sterbenden Menschen in Hospizen, Alten- und Pflegeheimen. Zudem will die LEBEN UND TOD aber auch das breite Publikum ansprechen.

Im Wonnemonat Mai ans Ende denken? Mehr als 3.500 Menschen lassen sich alljährlich darauf ein. „Unsere kleine, aber feine Veranstaltung hat sich etabliert“, sagt zufrieden Meike Wengler, Projektleiterin der Messe. „Unser Publikum schätzt den interprofessionellen Austausch, aber auch die stets anspruchsvollen Schwerpunkte.“

In diesem Jahr rückt das Programm zum Beispiel die Pole Alt und Jung ins Zentrum. Für die einen ist Jugend kein Garant für ein gutes Leben, die anderen lässt der Tod dank des medizinischen Fortschritts immer länger warten. Ein großes gesellschaftliches Thema lautet darum: Wie ermöglichen wir hochbetagten, vielfach dementen und multimorbiden Menschen ein Leben ohne Beschwerden und in Würde bis zum letzten Tag?

Hier setzt die Palliative Geriatrie an, der die LEBEN UND TOD mehrere Vorträge widmet. Zu dem Konzept gehört neben Schmerzmedizin ganz zentral auch Zuwendung durch Gespräch und Berührung, um Einsamkeit und Angst zu lindern. „Eigentlich geht es also um hospizliche Arbeit, nur eben nicht für Sterbenskranke“, erklärt Gerda Graf, die in den Messehallen das Konzept der Seniorenwohnanlage Sophienhof vorstellt. Die Pflegekräfte bemühen sich dort, mit den rund 90 Bewohnern im Alter von bis zu 100 Jahren ein bewusst „abschiedliches Leben“ zu gestalten, wie die Geschäftsführerin erläutert. „Zum Beispiel erzählen wir den Menschen nicht, dass sie bei uns neues Zuhause finden. Wir sagen vielmehr: ,Das können wir nicht ersetzen.‘ Und wir bereiten sie darauf vor, diese Erde zu verlassen“, erläutert Gerda Graf. So gehen die Mitarbeiter schwierigen Gesprächen nicht aus dem Weg und ermutigen die Bewohner, Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten auszustellen. Ein aufwendiger Ansatz? „Das ist eine Frage der Haltung und der Organisation“, sagt die Sophienhof-Chefin. Die Einführung allerdings habe fünf Jahre gekostet – vorher habe im Haus eine ganz andere Kultur geherrscht.

Nicht mit alten, sondern ganz jungen Menschen beschäftigen sich die Mitarbeiter im Kinderhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen. Seit Kurzem bietet es neben acht Kindern auch Plätze für acht Jugendliche und ist damit das größte Hospiz seiner Art in Deutschland. Die Mehrzahl der Bewohner leidet an Schwerstmehrfachbehinderungen, kann oft nicht sprechen oder sich verständlich machen. Welche Herausforderung Sterbebegleitung für geistig behinderte Kinder und Jugendliche bedeutet: auch das ein Messethema.

„Wir müssen zum Beispiel sehr achtsam sein. Schon ein Zucken kann etwas bedeuten, Schmerzen andeuten“, sagt die Pflegedienstleiterin, Marion Reimers. „Da braucht es feine Antennen. Die haben besonders die Eltern und von ihnen lernen wir – schließlich ist jedes Kind anders.“ Ist es schwierig, geistig Behinderten begreiflich zu machen, was Tod eigentlich ist? „Die Kinder und Jugendlichen spüren, wenn es zu Ende geht“, ist Marion Reimers überzeugt. Die Eltern ängstigten sich oft, sie könnten nicht bemerken, wenn der Tod nahe. „Diese Sorge können wir ihnen aus Erfahrung nehmen. Irgendein Anzeichen gibt es immer“, sagt die Expertin, die seit Gründung des Hospizes vor zehn Jahren mit todgeweihten Kindern und Jugendlichen umgeht.

Sehr viel häufiger als mit dem eigenen müssen sich Kinder und Jugendliche mit dem Tod von Angehörigen oder Freunden auseinandersetzen. In Workshops thematisieren Referenten den Umgang mit Tod und Trauer in Kitagruppen und Schulklassen. Wie arbeiten ambulante und stationäre Kinder- und Jugendhospize? Welche Worte wählen Eltern am besten, wenn sie mit ihren Kindern über das Sterben und Trauern sprechen? Auch diesen Themen widmet die LEBEN UND TOD viel Raum.

Die Messe ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Teilweise zeitgleich finden in der Halle 4 und im Congress Centrum Bremen am Mittwoch und Donnerstag, 7. und 8. Mai 2014, der 10. Bremer Pflegekongress und der 8. Deutsche Wundkongress statt. Besucher der LEBEN UND TOD besuchen die Industrieausstellung zu den Kongressen kostenlos.

 

Informationen:

www.leben-und-tod.de

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