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Hauptsache ist, dass wir lächeln können!

30.07.2015
Ein Blog-Beitrag von Barbara Rolf
Hauptsache ist, dass wir lächeln können!
Foto: Franziska Molina

Ich weiß nicht, wie es Euch und Ihnen in den vergangenen Monaten ergangen ist.
Für mich war die erste Hälfte des Jahres recht schwer und mühevoll. Enorm viel Arbeit, das Gefühl, dass die Zeit immer schneller wie Sand durch die Finger rinnt, schwere Schicksalsschläge im nahen Umfeld, viel Umbruch, wohin ich schaue, Unfriede, wenig im Gleichgewicht …

Nun war ich wandern, sechs Tage zu Fuß unterwegs, das erste Mal richtig weg nach sieben Jahren des selbst und ständigen Arbeitens. Da wurde mir Manches klar. Unter anderem, dass wir immer wieder für leichte, lichtvolle und heitere Momente sorgen und ihnen Raum geben sollten, auch und gerade dann, wenn es hart kommt.
„Hauptsache ist, dass wir lächeln können zu unserem Leben, unseren Pflichten und unseren Leiden.“, heißt ein Sprichwort in China.

Das Schwere schließt das Leichte nicht aus, das Weinen nicht das Lachen.
Auch das Lachen im Trauergespräch, ein heiterer Moment bei einer Trauerfeier oder während des gemeinsamen Einkleidens eines verstorbenen Menschen kann so gut und wichtig sein.

Dieser Blog-Beitrag soll uns zum Schmunzeln bringen, indem ich einfach ein paar Anekdoten aus unserem Berufsleben erzähle. Und vielleicht haben manche Leser ja Lust, in den Kommentaren ihrerseits etwas von dem Heiteren zu berichten, das ihnen im Kontext von Abschied, Trauer und Bestattung begegnet ist.

Vom Sterben:

Ein Mitarbeiter erzählte vom Arztbesuch eines Bekannten.
Dieser ist schwer übergewichtig und sehr starker Raucher.
Arzt: „Herr Schöller (Name geändert), Sie werden einen langsamen, qualvollen Tod sterben.“
Patient: „Und Sie bleiben auch nicht da.“

Diese Geschichte hörten wir neulich von einer Dame, die uns ein Gespräch mit ihrer Enkeltochter wiedergab:
„Oma, du darfst niemals sterben.“
„Oh, aber was ist, wenn mich der liebe Gott zu sich ruft?“
„Dann gehst du dort überhaupt nicht hin.“

Angehörige erzählten vom Sterben ihrer alten Mutter.
Es ging über viele Stunden und war sehr anstrengend für die Sterbende und die, die sie begleiteten, weil sie sehr laut und unruhig war.
Zugleich waren es sehr kostbare und beeindruckende Stunden.
Sie sprach von einem großen Tor, das noch zu sei und davon, dass man ihr helfen müsse, es aufzumachen.
Sie wusste, dass sie hindurchgehen muss, wollte das auch, traute sich aber nicht alleine und sagte zu ihrer Schwiegertochter: „Du kommst mit.“
Diese erinnerte sich an die große katholische Religiosität ihrer Schwiegermutter und an ihre tiefe Verehrung der Gottesmutter Maria.
Sie antwortete: „Ich gehe mit Dir bis ans Tor. Weiter kann ich Dich nicht begleiten. Aber hinter dem Tor wartet die Mutter Gottes auf Dich.“
Worauf die Sterbende zur großen Verblüffung und Erheiterung der Anwesenden trocken erwiderte: „Das glaubst Du ja selbst nicht.“

Im Arbeitsalltag:

SMS eines Mitarbeiters: „Guten Morgen! Bin nicht mehr ganz sicher: Soll ich heute schon in Sargträger-Kleidung kommen?“
Rolf: „Nein, erst am Montag. Heute eher mit Sporthose und Rennschuhen.“

Im Beratungsgespräch:

Während eines Trauergesprächs erklärt Frau Rolf den Hinterbliebenen, was eine Aschenkapsel und was eine Schmuckurne ist.
Sie fragt die Familie, ob die Aschenkapsel direkt in die Erde gelegt oder zuvor noch in eine Schmuckurne eingesetzt werden soll.
Die Witwe schaut ihre Kinder an und fragt: „Was meint ihr, braucht der Papa noch einen Übertopf?“

Angehörige:  „Meinen Sie, dass die Halle so ausreichend geschmückt ist?“
Rolf:  „O ja, das denke ich schon. Sie ist ja nicht so groß. Und wir haben die grünen Pflanzen, das schöne Bild, die Kerzen, den prächtigen Schmuck auf dem Sarg.
Und der Pater sieht ja auch ausgesprochen gut aus.“
Angehörige: „Stimmt.“

Bei der Bestattung:

Wenige Minuten vor einer Trauerfeier eilt eine Dame herbei, fragt nach Aussegnungshalle und Rednerin. In ihrer Begleitung eine herzallerliebste kleine Hündin.
Der Aufseher gibt ihr die gewünschte Auskunft und fragt: „Und wer sind Sie?“
„Die Pianistin.“, gibt sie zur Antwort.
Er zeigt auf den Hund und fragt: „Und wer ist das?“
„Mein Hund.“
Aufseher: „Sie wissen, dass Hunde nicht auf den Friedhof und auf keinen Fall in die Feierhalle dürfen?“
Rolf: „Ich glaube, das ist die Sängerin.“
Aufseher: „Ach so, ja dann, das ist natürlich etwas anderes.“

Eine Urnenbeisetzung im Friedwald.
Alles ist wunderschön gerichtet, Urne, Bild und Kerze sind aufgebahrt.
Die Stieftochter hält die Ansprache, liest berührende Texte und erzählt aus dem Leben des Verstorbenen.
Dann diese Passage: „Wir alle kennen seine eckige, kantige Art, seinen Eigensinn und das Radikale, das auch in ihm war…“
In diesem Moment fällt sein Bild vom Ständer und landet geräuschvoll auf dem Boden.
Ehefrau (laut): „Das hat ihm jetzt nicht gefallen.“

Während einer Urnentrauerfeier im Februar fliegt ein Schmetterling in der Kirche umher, lässt sich auf den Blumen nieder und umkreist dann die Urne der Verstorbenen, unermüdlich, bis die Feier zu Ende ist.
Der Sohn der Verstorbenen flüstert seiner Schwester zu: „Schau mal, das Pfauenauge da. Das ist die Mutti auf Kontrollflug.“

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3 Kommentare
  1. Maria Dedich sagt:

    Hallo Barbara,

    es ist einfach gut, dass es Dich gibt. LG Maria

  2. Martina Franken sagt:

    Wunderbarer Mensch. Kämpfe weiter gegen den Missbrauch in dieser Branche. Es ist gut zu wissen, dass es Menschen wie dich gibt.

  3. Matthias Giese sagt:

    Liebe Frau Rolf,
    mit „Pflegenden in Ausbildung“ aus dem Pflege- Bildungszentrum an der Filderklinik durfte ich heute 3 Stunden „unter Ihrem Dach“ den Geist Ihres Hauses kennenlernen.
    Ein Ort, der einer „Entbindungsstation“ gleich, dem Himmel nahe ist.

    „Wenn ein Geist stirbt, wird er Mensch;
    Wenn ein Mensch stirbt, wird er Geist. (Novalis)

    Danke, für ein kleines Stück Himmel auf Erden!

    Matthias Giese (Pflegepädagoge am PBZ an der Filderklinik)

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