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Hinterbliebene brauchen Klarheit

24.06.2011
Amerikanische Wissenschaftlerin Pauline Boss präsentiert Forschungsergebnisse in Miami
Hinterbliebene brauchen Klarheit
Trauer ist ein wichtiger Prozess

Der Verlust eines geliebten Menschen schmerzt. Besonders schwierig wird es für Hinterbliebene, denen die Gewissheit vom Tod des anderen fehlt. Das zeigt sich, wenn Angehörige einfach verschwinden oder Verstorbene nicht identifiziert werden können. Genau erforscht hat dieses Phänomen die amerikanische Wissenschaftlerin Pauline Boss. Ihre Ergebnisse präsentiert sie auf dem Weltkongress zum Thema „Trauer in der heutigen Gesellschaft“ in Miami.

Der Anschlag vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York war für Pauline Boss Anlass, ihr Konzept der „Uneindeutigen Verluste“ zu erproben und weiterzuentwickeln. Von 1.717 Personen, die bei dem Anschlag ums Leben gekommen sind, konnten keine sterblichen Überreste an die Angehörigen übergeben werden. Für diese Hinterbliebenen bleibt der Verstorbene spurlos verschwunden, der Verlust kann weder bestätigt noch aufgeklärt werden und bleibt somit uneindeutig.

Klarheit spielt jedoch bei der Verarbeitung eines Verlustes eine große Rolle. Fehlende Klarheit kann bei den Betroffenen zwiespältige Verhaltensweisen und Gefühle hervorrufen, die oft gleichzeitig empfunden werden. Betroffene wünschen dann, dass die abwesende Person am Leben und zugleich tot ist. Für sie stellt sich eine solche Situation oft wie ein sehr schmerzhafter, nicht zu beendender Kampf dar. Die Arbeit von Pauline Boss rund um das Konzept „Uneindeutige Verluste“ öffnet Psychologen, Trauerbegleitern und den  Betroffenen einen Weg, um in diesen Situationen wieder handlungsfähig zu werden und die Zwiespältigkeit zu bewältigen.

Pauline Boss gilt als Vordenkerin des Konzeptes „Uneindeutige Verluste“. Unter das Phänomen fallen zwei ganz unterschiedliche Erscheinungsformen von Verlust. Zum einen geht es um den Verlust einer nahestehenden Person, die physisch nicht mehr da ist, die aber als anwesend empfunden wird. Beispiele hierfür sind verschwundene Kinder oder die nicht zu identifizierenden Opfer des Anschlags vom 11. September. Zum anderen geht es in unserer Gesellschaft oft auch um den Verlust von Menschen, die zwar körperlich anwesend sind, deren Geist oder Persönlichkeit sich aber durch eine Erkrankung wie beispielsweise Alzheimer-Demenz stark verändert haben. Diese Art des Verlustes stellt eine besondere Herausforderung für die Angehörigen dar. Ihnen kann eine ehemals vertraute Person fremd werden, obwohl sie noch da ist, aber ohne, dass sie sich emotional von ihr lösen können.

„Menschen, deren Angehörige durch eine Erkrankung starke Persönlichkeitsveränderungen erleben, suchen häufig schon vor dem Tod der Person Unterstützung“, weiß Heidi Müller, Beiratsmitglied des Trauerportals www.gute-trauer.de. Erkenntnisse wie zum Thema „Uneindeutige Verluste“ bereit zu stellen, hält sie für entscheidend, damit Betroffene oder auch beratende Personen eigene Reaktionen bzw. die von Klienten einordnen und dem Erlebten einen Namen geben können.

Ihr Forschungskonzept und ihre Erfahrungen im Umgang mit Betroffenen vom 11. September 2001 stellt Pauline Boss auf dem Weltkongress „Trauer in der heutigen Gesellschaft“ vor. Die US-amerikanische Organisation ADEC (Association for Death Education and Counseling, auf deutsch etwa: „Vereinigung für Bildung und Beratung zu Sterben, Tod und Trauer“) hat die Fachwelt hierzu vom 21. bis zum 25. Juni nach Miami eingeladen. Vertreter der Verbraucherinitiative Aeternitas werden im Portal www.gute-trauer.de der deutschen Öffentlichkeit von der ADEC-Konferenz 2011 berichten. Das Trauerportal wird – ebenso wie das Projekt „Trauerforschung im Fokus“ – von der Verbraucherinitiative Aeternitas gefördert. So soll auch hierzulande das Interesse und der Austausch zwischen Forschern und Praktikern weiter angeregt werden, damit Trauernde von den Erkenntnissen internationaler Forschung profitieren können.

 

Informationen:

Aeternitas e. V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur

Alexander Helbach

Dollendorfer Straße 72

53639 Königswinter

Telefon: 0 22 44 / 92 53 85

E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de

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