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„Ich gehe sehenden Auges durchs Leben“

21.09.2011
Interview mit der Verlegerin und Autorin Helene Düperthal
„Ich gehe sehenden Auges durchs Leben“

Im Dezember 2010 hat Helene Düperthal den Lebensweichen Verlag gegründet. Im April dieses Jahres ist ihr erstes Buch erschienen: „Wie kommt der große Opa in die kleine Urne?“. Es wurde an dieser Stelle bereits vorgestellt.

adeo-online hatte nun die Gelegenheit, mit der Verlegerin und Autorin über das neu erschienene Hörbuch (Hörprobe siehe unten), ihre aktuellen Projekte und Beweggründe zu sprechen.

 

 

Interview mit Helene Düperthal

 

Vinschen: Frau Düperthal, Sie haben im Frühjahr dieses Jahres das Buch „Wie kommt der große Opa in die kleine Urne?“ in Ihrem eigenen Verlag veröffentlicht. Wie war die Resonanz auf dieses Kinderbuch, das ja mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer zu tun hat?

Helene Düperthal: Fünf Monate nach der ersten Veröffentlichung laufen derzeit mit meiner Illustratorin erste Gespräche bzgl. einer zweiten Auflage. Denn bereits nach der ersten Vorankündigung ist das Buch auf großes Interesse nicht nur beim Fachpublikum gestoßen. Ein solches Thema kindgerecht verpackt und doch offen und ehrlich anzugehen, war wohl genau das, was Eltern, Erziehern und auch so manchem Bestatter gefehlt hat. Denn gerade auch Letzterer ist im Trauerfall der erste Ansprechpartner der Hinterbliebenen. So ist es auch verständlich, dass gerade dieser häufig sowohl das Kinderbuch als auch unsere „Leila“ für sich wie auch zum Weiterreichen bestellt.

 

Vinschen: Warum beschäftigen Sie sich so ausgiebig mit dieser ernsten Thematik und vor allem: Warum wenden Sie sich in erster Linie an Kinder?

Helene Düperthal: Nach der ersten Berührung mit dem Sterben in der Jugend hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Die Unberechenbarkeit des Lebens, die den Tod jederzeit möglich werden lässt, steht für mich im krassen Gegensatz zu dem Scheuklappenblick, mit dem Menschen heute seine Existenz ausblenden, um auch noch bei der 97-jährigen Urgroßmutter letztendlich unvorbereitet dem Sterben gegenüberzustehen. Ich bin ein zutiefst lebensfroher und hoffnungsvoller Mensch, der aber gerne sehenden Auges durchs Leben geht, und dazu gehören nun mal beide Seiten, Leben und Tod. Gleichzeitig habe ich aber gerade in meiner Arbeit als Trauerrednerin und begleiterin immer wieder erleben müssen, wie Kinder durch die Hilflosigkeit der Erwachsenen mit ihren Fragen, Ängsten und Nöten alleingelassen werden. Allein, da die Erwachsenen vor ihren Fragen selbst Angst haben, da sie sie weder beantworten können noch wissen, was sie ihnen zumuten sollten. Dass auch hier Offenheit guttut, möchte ihnen Leila, die neugierige Bärin aus dem Kinderbuch, auf ihre Weise vermitteln.

 

Vinschen: adeo-online hat ja schon über Sie berichtet und auch über die Hintergründe, warum Sie einen eigenen Verlag gegründet haben. Es gibt einiges Neues über den Lebensweichen Verlag zu berichten. Ein Hörbuch zum oben genannten Buch ist soeben erschienen und im Oktober folgt schon eine neue Publikation. Erzählen Sie doch mal.

Helene Düperthal: „Abschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Dorffriedhof oder Weltraum?“, heißt mein neues Buch, das sich mit einer besonderen Mischung aus Erzählungen und Wissenswertem in erster Linie an Menschen in der zweiten Lebenshälfte wendet, wie auch alle, die mit diesen Umgang haben. Manchmal überhole ich mich wohl selbst. Es ist ein Projekt, das eigentlich für das kommende Jahr angedacht war, aber von mir nun noch im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert wird. Es ist eine gewagte Mischung aus Erzählung und Sachbuch, das aber meiner Meinung nach gerade dadurch den Einstieg in dieses schwere Thema erleichtert. Wichtig ist mir auch mit diesem Buch vor allem: Anzuregen, wieder mehr ins Gespräch zu kommen, auch über das eigene Sterben – ins Gespräch zu kommen, bevor ich sterbe und dann Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen oder die Hinterbliebenen mit meinem Wunsch nicht leben können.

 

Vinschen: Ihnen scheint die Arbeit richtig Spaß zu machen. Womit können wir noch in Zukunft rechnen? Wie sehen Ihre Pläne aus?

Helene Düperthal: Bücher zu verlegen, ist nicht nur eine Frage der Idee, des Könnens und der Zeit, sondern besonders auch eine finanzielle Frage. Als Mutter von sieben, wenn auch großenteils erwachsenen Kindern, muss ich mich schon ziemlich nach der Decke strecken. Aber diese Themen sind mir sehr wichtig, und so versuche ich diesen Balanceakt immer wieder gern. So habe ich auch durchaus für das kommende Jahr meine Pläne, mit denen ich aber noch eine Weile „schwanger gehen“ möchte, bevor ich darüber spreche.

 

Vinschen: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft.

Das Interview führte Bruno Vinschen.

 

Informationen:

Hörprobe zum Hörbuch „Wie kommt der große Opa in die kleine Urne?“

Gelesen von der Autorin selbst, erhält Leila von Susann Charis ihre Stimme. Ergänzt wird die Geschichte durch ein Lied, das eigens für dieses Hörbuch komponiert wurde und hier erstmals gesungen wird. / 13,50 € / ISBN 978-3-9814642-07

 

Lebensweichen – Verlag

Helene Düperthal
Oberelsper Straße 22
57368 Lennestadt

Tel.: 2721 / 71 84 71
E-Mail: info@lebensweichen-verlag.de

 

 

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1 Kommentar
  1. […] hat mit der Autorin gesprochen und interessante Einblicke in ihre Arbeit gewonnen. Lesen Sie hier das gesamte Interview. Dieser Beitrag wurde unter Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. […]

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