Bestellen Sie hier unseren Newsletter

Immer mehr Gräber ohne Namen

30.05.2011
Universität Leipzig untersucht das Phänomen
Immer mehr Gräber ohne Namen
Ein Friedhof ist ein Ort des Gedenkens, doch immer mehr Gräber sind anonym

In Hamburg ist es jeder Vierte, in Berlin sind es über 40 Prozent: Verstorbene, die anonym bestattet werden. Die Verbraucherinitiative Aeternitas beobachtet seit Jahren, dass die Zahl derer steigt, die kein Grab mit Namen wollen oder bezahlen können. Dies bestätigt nun auch eine Studie der Universität Leipzig. Danach lag der Anteil anonymer Bestattungen in Deutschland 2009 bei 28 Prozent, 1999 noch bei 23 Prozent.

Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Friedhöfe. Christliche Traditionen und familiäre Bindungen verlieren an Bedeutung. Die Pflege eines Grabes wird vielen zu teuer, zu mühsam oder ist wegen weit verstreut lebender Familien kaum möglich. Deshalb werden immer mehr Menschen anonym beigesetzt – in einem Grab ohne namentliche Kennzeichnung. Günstiger kann, auch das spielt für viele eine entscheidende Rolle, eine Bestattung in Deutschland nicht sein. „Bei manchen steht die anonyme Bestattung auch für den Ausdruck des Protests gegen ein fehlendes attraktives Grabangebot auf dem Friedhof“, sagt der Aeternitas-Vorsitzende Hermann Weber. Immer mehr Friedhöfe reagieren und bieten günstige, pflegefreie Gräber mit gärtnerischer Gestaltung an.

Beim Anteil der anonymen Bestattungen beobachten die Leipziger Forscher ein Ost-West-Gefälle. 2009 wurden in Ostdeutschland 46 Prozent (1999: 36 Prozent) der Verstorbenen ohne namentliche Kennzeichnung beigesetzt, in Westdeutschland 18 Prozent (1999: 15 Prozent). Innerhalb der alten Bundesländer besteht ein Gefälle zwischen dem Norden und dem Süden. In Niedersachsen mit 32 Prozent (1999: 22 Prozent), Bremen mit 29 Prozent (1999: 22 Prozent) und Nordrhein-Westfalen mit 29 Prozent (1999: 20 Prozent) ergaben sich hier die höchsten Werte. Im überwiegend katholischen Bayern waren es nur 13 Prozent (1999: fünf Prozent), in Baden-Württemberg sieben Prozent (1999: sechs Prozent). Für die Studie befragten die Forscher deutsche Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern. 88 von 293 angeschriebenen Verwaltungen gaben ihre Zahlen an.

Die vorgelegten Daten sind der erste Teil eines Forschungsprojekts der Universität Leipzig zur Bestattungskultur. Die Leipziger Wissenschaftler suchen für die weitere Forschung Gesprächspartner, die sich selbst zu Lebzeiten für eine anonyme Bestattung, aber auch für eine See-, Baum- oder Naturbestattung entschieden haben.

 

Informationen:

Aeternitas e. V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur

Alexander Helbach

Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter

Telefon: 0 22 44 / 92 53 85

Fax: 0 22 44 / 92 53 88

E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de

Artikel Bewerten: Social:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(keine Bewertung abgegeben)
Loading...
0 Kommentare

Hinterlasse eine Antwort