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Interview mit Ulrich Finger (Messe Dresden)

15.03.2011
"Der Tod ist nun mal Teil des Lebens"
Interview mit Ulrich Finger (Messe Dresden)
Ulrich Finger, Geschäftsführer der Messe Dresden (Foto: Messe Dresden)

Vom 27. bis 29. Mai findet in Dresden die Pieta statt. Die Fachmesse für Bestattungsbedarf und Friedhofstechnik hat sich seit 1996 in der Branche etabliert. adeo-online hatte im Vorfeld der Pieta Gelegenheit, mit dem Geschäftsführer der Messe Dresden, Ulrich Finger, über die Besonderheiten einer solchen Fachmesse zu sprechen. Das Interview führte @Vinschen.

@Vinschen: In knapp zwei Monaten öffnet die Pieta in Dresden ihre Pforten. Wie ist der Stand der Dinge?

Ulrich Finger: Die Vorbereitungen laufen  sehr gut. Mit der Routine der letzten Jahre gibt es mittlerweile eingespielte Abläufe, sodass aus heutiger Sicht keine größeren Probleme zu erkennen sind. Wir erwarten wie in den Vorjahren etwa 100 Aussteller, von denen naturgemäß noch nicht alle komplett angemeldet sind. Aus der Erfahrung wird dies aber in den verbleibenden Wochen noch erfolgen. Wir werden in diesem Jahr ein anderes räumliches Konzept fahren, sodass sich die Messe diesmal etwas  von ihren Vorgängern unterscheidet. Insgesamt sind wir sehr optimistisch, was die Nachfrage und den dann zu erwartenden Verlauf anbetrifft.

@Vinschen: Ist die Organisation und Durchführung einer Fachmesse für Bestattungsbedarf und Friedhofstechnik etwas anderes als für andere Branchen?

Ulrich Finger: Das Thema verleitet immer dazu, dass Außenstehende sich einer solchen Messe mit sehr viel Respekt und Zurückhaltung nähern. Für die Branche selbst ist das die tägliche Arbeit. Da die Messe eine reine Fachmesse ist, können die Besucher als Fachbesucher auch alle mit dem Thema recht gut umgehen.

Die Messe Dresden

@Vinschen: Sie und Ihre Mitarbeiter kommen unweigerlich in Kontakt mit dem Thema Tod. Wird dieser Aspekt gesondert besprochen?

Ulrich Finger: Wenn man das erste Mal hier auf der Messe mit dem Thema konfrontiert wird, hat wahrscheinlich jeder Mitarbeiter im Vorfeld einen besonderen Gesprächsbedarf. Bei der Messe selbst relativiert sich dies, da der Schwerpunkt der Messe auf der Warenpräsentation liegt. Der Tod ist nun mal ein Teil des Lebens, die abendländische Kultur geht damit nur sehr distanziert um. Dabei gibt es aber sicherlich auch Bereiche, die emotional mehr berühren als andere. So ist z. B. für mich insbesondere das Thema Tod und Kinder immer sehr bewegend.

@Vinschen: Die Fachmesse in Dresden hat sich über die Jahre etabliert und einen guten Ruf in der Branche. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück? Immerhin gibt es, für eine eigentlich überschaubare Zulieferindustrie und Fachbranche sehr viele Messeangebote in einem Jahr.

Ulrich Finger: Im Osten Deutschlands sind nach der Wende nicht sehr viele Zulieferer übrig geblieben. Für die sind wir die eigentliche Hausmesse. Die Messeangebote hier im Osten der Republik sind sehr überschaubar, sodass die Pieta mit einem Abstand von zwei oder drei Jahren immer einen Höhepunkt für die Branche darstellt. Aktuell kann man sagen, dass die Pieta das gesamte Spektrum der Branche abdeckt. Viele Marktführer halten uns die Treue, aber auch junge, kreative Unternehmen präsentieren sich.

@Vinschen: Soweit ich mich erinnere, fanden in Dresden auch die Fachmessen für die Bestattungsbranche der DDR statt. Wäre es nicht einmal interessant, die Bestattungskultur der DDR auf einer Pieta zum Thema zu machen?

Ulrich Finger: Eine Bestattermesse zu DDR-Zeiten ist mir nicht bekannt. Die Situation war insgesamt eine andere, die Herstellung wurde zentral gelenkt und reglementiert. Private Hersteller gab es in einem größeren Maße nicht. Die Waren mussten nicht präsentiert werden. Wir haben hier auch erst 1996 mit 54 Ausstellern begonnen.

Ich denke, dass die Bestattungskultur in der DDR sich sicherlich im Bereich bis zur Bestattung zur heutigen Kultur unterschieden hat. In der DDR wurde eher das Vorkriegsniveau konserviert. Die heutige Professionalität gab es damals noch nicht. Die eigentliche Kultur der Bestattung hat sich dagegen zwischen Ost und West nicht wesentlich unterschieden und weicht eigentlich auch heute kaum von den traditionellen Abläufen ab.

Insgesamt gibt es aber in den Jahren und Jahrzehnten Wandlungen. In diesem Jahr wird zu diesem Thema eine große, einmalige Sonderausstellung: „Bestattung im Wandel der Zeit“ von einem privaten Sammler aus Chemnitz erstmals auf einer Messe zu sehen sein. Hier werden historische Modellfahrzeuge (Autos, Kutschen) und Dokumente aus den vergangenen Jahrzehnten  (u. a. auch aus der DDR) gezeigt. Es wäre aber eine Idee, das Thema 2013 umfassend aufzugreifen.

@Vinschen: Herr Finger, ich bedanke mich für das Interview.

Informationen:

Messe Dresden

Messering 6

01067 Dresden

Tel.: 0351-4458100

info@messe-dresden.de

www.messe-dresden.de

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