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Ist der Ruf erst ruiniert

08.04.2014
Ein Blogbeitrag von Birgit Aurelia Janetzky
Ist der Ruf erst ruiniert
(Foto: Vinschen)

Um den öffentlichen Ruf des Bestattungsgewerbes ist es nicht gut bestellt. Das Verhalten einiger weniger fällt auf die gesamte Branche zurück. Der gute Ruf ist ein wichtiges Marketinginstrument. Eigene Öffentlichkeitsarbeit schafft ein Gegengewicht.

„Betrug mit Vorsorgeverträgen“
„Urnen-Skandal – Bestatter hat Taten gestanden“
„Bestatter soll mit Geld und Schmuck von Kunden untergetaucht sein“
„Krankenhaus-Bestatter überführen ohne Einwilligung der Angehörigen“
„Falsche Leiche im Sarg – Bestatter vertauscht die Oma“
„Makaberer Betrug: Bestatter vertauscht Urnen“
„Abzock-Bestatter“

Dies ist eine Sammlung von Überschriften aus der Presse der vergangenen Monate. Um den öffentlichen Ruf des Bestattungsgewerbes ist es nicht gut bestellt.  Durch die große Öffentlichkeit der Skandalmeldungen ist die Reputation jedes Bestatters bedroht. Sein öffentlicher Ruf ist ein zentraler Gesichtspunkt im Werben um die Kunden. Der Schatten der negativen Berichterstattung fällt leider auf alle zurück. „Kompetent“ und „vertrauenswürdig“, das sind die wichtigsten Eigenschaften für die Wahl des Bestattungsunternehmens. Ob ein Unternehmen als kompetent und vertrauenswürdig eingestuft wird, hängt in erster Linie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab, die die Kunden erleben. Habgier oder Überforderung, die Gründe für ein Fehlverhalten können sehr unterschiedlich sein. In die Begleitung trauernder Menschen gehört beides nicht hinein. „Preiswert“ ist ein weiteres Kriterium im Sinne von „Was ich erhalte ist den Preis wert.“ Das meint nicht billig.

Ein Bestattungsinstitut ist für viele Menschen gleichbedeutend mit Tod und Trauer. Berührungsängste gibt es noch und nöcher. Der Tod ist gruselig und die Unsicherheit groß. Viele Menschen kommen nur zum Bestatter, weil sie durch einen Todesfall in der Familie dazu gezwungen sind. Das kleine Grüppchen der Menschen, die sich in der Sterbebegleitung, im Hospiz oder in der Trauerbegleitung engagieren mal ausgenommen.

Also liegt es nahe, dass der Bestatter zu den Menschen geht und sie einlädt, die vielen anderen Aspekte seines Berufes und der Beschäftigung mit dem Tod wahrzunehmen. Wer mit einer gelungenen Veranstaltung im Bestattungshaus in die örtliche Presse kommt, der setzt ein Gegengewicht zu den Skandalmeldungen. Wer sich in den sozialen Medien als kompetent und vertrauenswürdig zeigt, schafft zumindest eine kleine Öffentlichkeit, die die positiven Seiten des Gewerbes zeigt. Je mehr engagierte Bestatterinnen und Bestatter dies tun, desto größer ist die Wirkung.

Sicher wird eine Facebookseite aus der Branche nie die Followerzahlen irgendeines Lifestileprodukts erreichen. Die Sarghersteller werden nicht die Fangemeinden um sich scharen können wie die Motorradhersteller, obwohl pro Jahr deutlich mehr Särge gebraucht werden als es Neuzulassungen von Motorrädern gibt.

Die sozialen Medien laden dazu ein, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Das Bestattungshaus bekommt ein persönliches Gesicht, das an die Stelle des Schaufensters mit Bestattungsutensilien tritt. Die Hemmschwelle sich mit Fragen an einen Bestatter zu wenden ist im Internet ungleich geringer als bei ihm anzurufen oder gar die Räumlichkeiten zu betreten, „in denen die Toten liegen“ – wie eine junge Frau das einmal ausgedrückt hat. Social Media kann den Kunden eine Plattform bieten, um sich gegenseitig zu helfen und Informationen weiter zu geben. Bestatter werden so zu normalen Geschäftsleuten, die die Nähe zu ihren Kunden suchen und einen Service anbieten. Kompetenz und Vertrauen sind Qualitäten, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen. Wer den Menschen eine niedrigschwellige Möglichkeit bietet, im Kontakt zu bleiben, der tritt aus dem Schatten der Skandalbestatter heraus und ebnet den Weg für zukünftige Empfehlungen.

Für die Nutzung von Social Media muss die Kontinuität und eine monatliche Mindestanzahl an Beiträgen gewährleistet sein. Gut ist es, sich bereits im Vorfeld mit Hilfe eines Redaktionsplans einige Gedanken zu den Inhalten und den zeitlichen und personellen Ressourcen zu machen. Nicht jeder hat die Gabe, regelmäßig ganz spontan zwischen Beerdigung, Trauergespräch und Anzeigenschluss seine Social Media Kanäle zu befüllen. Die Verlockung ist zu groß, die Skandalmeldungen aus der Presse mal eben weiter zu verbreiten. Wer die negative Berichterstattung der Medien in den sozialen Netzwerken selbst postet oder weiter verbreitet, trägt dazu bei, dass eine ganze Branche in diesem Licht gesehen wird. Es ist leider so, dass diese Meldungen mehr Leser und Empfehler zu verzeichnen haben als ein gut recherchierter Hintergrundartikel. Um die Frage, was denn gute Inhalte für die Social Media Kanäle sind, wird es in meinem nächsten Beitrag im April gehen.

 

Artikel Bewerten: Social:
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5 Kommentare
  1. armin reeck sagt:

    jeder ist mensch,

    ein wahres für- und miteinander

    darf entwickelt werden

    gerade im bestattergewerbe.

    danke für diesen blog..

  2. Jonny sagt:

    …und der VDB tut wie immer nichts, anstatt sich dafür einzusetzen, dass man nur noch ausgebildet mit schriftlich bestätigter Qualifizierung ein Bestattungsunternehmen eröffnen darf. DAS sollte Voraussetzung sein und nicht ein einfach zu kaufender Gewerbeschein!

  3. Anja Müller sagt:

    @Jonny: da möchte ich Ihnen widersprechen. Ich denke, es kommt primär auf die innere Einstellung an. Wer in der Bestattungsbranche zuerst ans Geldverdienen und dann erst an den Dienst an seinen Mitmenschen denkt, der wird durch die entsprechende „Qualifizierung“ dennoch den Ruf der Branche schädigen.
    Frau Janetzky sagt ganz richtig, dass es auf das Vertrauen, dass die Menschen uns entgegenbringen ankommt. Wir begleiten sie in einer der sensibelsten Phasen ihres Lebens und tragen dadurch hohe Verantwortung an ihrem jeweiligen Trauerweg. Wenn es uns gelingt, offen und transparent alle unsere Dienstleistungen und Handlungen offenzulegen, dann wird das langfristig der ganzen Branche gut tun.
    Wir müssen uns und unser Handeln reflektieren und uns gegenseitig stützen und austauschen, voneinander lernen. Das bringt Bewegung, Impulse.
    Und vielleicht sind es ja gerade die „Quereinsteiger“, die die Starre auflösen.

  4. Heinz P. sagt:

    @jonny : leider führen die größten Verbrecher in der Branche das Markenzeichen des BDB, sind selber Dozenten oder im Vorstand tätig und vom VDB kannst du auch nichts verwarten weil das größenteils kleine und frustierte Bestatter sind.
    Nach über 20 Jahren in der Branche muß ich das leider so deutlich sagen.

  5. Aus- und Fortbildung sind wichtig, ob jemand aus einem Familienbetrieb stammt oder Quereinsteiger ist. Es gibt immer etwas, das jemand dazulernen kann, denn die Anforderungen des Berufs, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Nachfrage ändern sich.

    @jonny @HeinzP. In den vorhandenen Ausbildungen wird bereits viel Know-How vermittelt. Es hängt tatsächlich von dem Einzelnen ab, welche Haltung er in seinem Beruf verkörpert und wie transparent seine Arbeitsweise ist. Leider ist ein Zertifikat hier wenig aussagekräftig. Es ist erstmal ein Blatt Papier oder eine Grafik auf einer Webseite.

    @AnjaMüller Ich sehe es auch so, dass die „Quereinsteiger“ viele Diskussionen in der Branche angestoßen haben.

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