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Jeder Mensch trauert anders

15.02.2011
Projekt „Trauerforschung im Fokus“ will Erkenntnisse der internationalen Trauerforschung in Deutschland bekannt machen
Jeder Mensch trauert anders
Trauerforschung steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen

So individuell jeder Einzelne mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen umgeht, er wird immer stark davon beeinflusst sein, was in seinem sozialen Umfeld als normal und angemessen gilt. Oft helfen diese Vorstellungen den Trauernden wenig, engen ihn ein und können sogar schaden. Dies ganz besonders dann, wenn sie auf überholten, irrtümlichen Annahmen beruhen.

Nicht selten ist es die Fachwelt selbst, die solche Irrtümer gesellschaftsfähig macht. Dazu gehört zum Beispiel die lange Zeit ungeprüfte These der verzögerten oder aufgeschobenen Trauer. Landläufig herrscht die Meinung vor, Menschen, die nach einem bedeutsamen Verlust wenig Trauer zeigen, würden früher oder später zwangsläufig davon eingeholt. Diese Einschätzung geht zurück auf frühe psychoanalytische Konzepte, ist aber nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr haltbar. Viele Menschen – je nach Studie sogar jeder Zweite – finden nach einem Todesfall recht schnell in ihr seelisches Gleichgewicht zurück. Verzögerte Trauerreaktionen hingegen sind sehr selten.

Solche Erkenntnisse verdanken wir der Trauerforschung. Doch in Deutschland fristet diese Wissenschaft bislang noch ein Nischendasein. Auf internationaler Ebene hingegen ist die Trauerforschung mittlerweile zu einem klar bestimmten, interdisziplinären Arbeitsfeld herangewachsen, das wichtige Ergebnisse hervorbringt.

Das Projekt „Trauerforschung im Fokus“ hat sich den Transfer dieser Erkenntnisse in den deutschen Sprachraum auf die Fahnen geschrieben. Die Betreiber der Internetseite www.trauerforschung.de geben regelmäßig einen Newsletter mit den aktuellen Publikationen aus der internationalen Trauerforschung heraus. Die Chefredakteurin des Newsletters, Heidi Müller, ist selbst in der Trauerbegleitung tätig. Sie erläutert die Motive des Projektes: „Die ausgewählten Texte sollten die praktische Arbeit und den Erkenntnishorizont von Trauerbegleitern bereichern.“ Bisher sei es für Trauerbegleiter sehr schwer, an wichtige Forschungstexte zu kommen und diese zu lesen.

Gefördert wird „Trauerforschung im Fokus“ von Aeternitas e. V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Deren Vorsitzender Hermann Weber will helfen, die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis umzusetzen – zum Nutzen jedes einzelnen Trauernden. Er sagt: „Mir liegt am Herzen, dass jeder Mensch seine Trauer nach seinen Bedürfnissen ausleben kann, unterstützt von seinem persönlichen Umfeld und gegebenenfalls auch fachlicher Hilfe, die auf den neuesten Erkenntnissen fußt.“ Sein Ziel sei, dass aktuelle Arbeiten aus der Trauerforschung für jedermann frei zugänglich sein sollten.

Informationen:

Aeternitas e. V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur

Alexander Helbach

Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter

Telefon: 0 22 44 / 92 53 85, Fax: 0 22 44 / 92 53 88

E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de

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