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Johanna

28.05.2015
Ein Blog-Beitrag von Barbara Rolf
Johanna
Anzeige: Johann Müller

Als wir am Donnerstag von Johannas Tod erfuhren, stand die Welt still.

Gemeinsam dasitzen, nichts sagen, weinen, immer und immer wieder die Nachricht lesen und nicht glauben wollen, was da steht. Fragen nach Ursachen und Sinn dieses abrupten Sterbens bleiben ohne Antwort. Nichts tun können. Keine Idee haben, welcher Schritt der nächste sein soll. Kraftlos, mutlos sein von einer Sekunde auf die andere. Gestoppt im vollen Lauf. Was gerade noch wichtig war und unbedingt getan werden sollte, wird nebensächlich und bleibt liegen für Tage.

Dahin ist alle Professionalität im Umgang mit Sterben und Trauer, wenn es dich selbst betrifft. Und das ist gut so.

Wir erfahren am eigenen Leib und an der eigenen Seele, wie es den Menschen geht, die im Trauerfall bei uns Rat und Hilfe suchen. Und wir wissen, dass wir ihnen fortan noch verständnisvoller und achtsamer begegnen werden.

 

Nach der anfänglichen Schockstarre erste tastende Schritte:

Wem müssen und wollen wir das sagen? Schrecklich, die Rolle des Hiobsboten zu haben, die Telefonate mit Menschen, die sie liebgewonnen und sich auf sie gefreut haben, denen die Nachricht das Herz zerreißt.

Wir suchen ein Bild von ihr, lassen es rahmen und stellen es an unseren Gedenkplatz im Foyer. Hier werden in den nächsten Tagen rund um die Uhr Kerzen brennen und Blumen stehen. Alle zünden Lichter an für sie. Licht der Liebe, Lebenslicht …

 

Foyer

Wir gestalten nach Rücksprache mit den Angehörigen eine Todesanzeige und teilen sie mit unserem Netzwerk. Wir wollen von Johanna erzählen und auch von unserer Trauer. Die große Anteilnahme der Menschen ist schön und tut gut, auch wenn einem die lieben Worte, Gedanken und Wünsche immer wieder neu die Tränen in die Augen treiben.

Johannas großer Traum war es, Bestatterin zu werden. Wenige Tage vor ihrem Tod ging er in Erfüllung. Sie war stolz und überglücklich. Wir haben entschieden, ihr einen Platz auf unserer Team-Seite zu geben und zu lassen, damit das festgehalten ist für alle Zeit: Sie hat ihr Ziel erreicht.

 

Zur Team-Seite von Johanna

 

Zu neunt werden wir nach Wien fliegen und in ihren Heimatort fahren, um an ihrem Begräbnis teilzunehmen.

Als unser Kollege, der Johannas Bestattung durchführt, durch die Familie von uns erfuhr, hat er gleich Kontakt aufgenommen, uns jede Unterstützung zugesichert und uns wunderbare Möglichkeiten aufgezeigt, uns einbringen zu können. So dürfen wir im Rahmen der kirchlichen Trauerfeier einen Nachruf sprechen und anschließend für Johanna musizieren. Er lässt uns ihren Sarg zum Grab begleiten und einsenken, und auch beim Organisieren des Blumenschmucks steht er uns mit Rat und Tat zur Seite. Was für eine schöne und wohltuende Erfahrung in dieser schweren Zeit.

Leb wohl, Johanna, wir wissen Dich geborgen in den Herzen der Menschen, die Dich lieb haben, geborgen auch an einem guten Ort, voller Friede und Licht, Leichtigkeit und Lachen. Wir werden Dich nie vergessen.

Foyer_2

 

Spuren

Von Anne-Katrin für Johanna

Es war nur sehr kurz – der Weg, den wir gemeinsam gegangen sind. (Naja, ehrlich gesagt sind wir meistens gefahren, mit dem Chrysler quer durch Stuttgart.)

Trotzdem habe ich in der Zeit eine ganze Menge von Dir gelernt, über Mut und über Gelassenheit. Plötzlich war das Schwere ganz leicht. Und die Riesenschritte gar nicht mehr so groß.

Es hat gereicht, dass Du da warst. Du musstest gar nichts sagen oder tun.

Ich fand es immer schade, dass ich Dein Gesicht nicht angucken konnte, weil ich mich so auf den Verkehr konzentrieren musste. Ich hab mir gedacht, das hol ich dann später nach, wenn Du am Steuer sitzt & ich Co-Pilot sein darf.

Jetzt haben sich unsere Wege getrennt. Ich laufe weiter am Strand entlang und Du bist mit großen Schritten unterwegs in Richtung offenes Meer …

Spuren

(Foto: Benno Stäbler)

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3 Kommentare
  1. Hinderlich Herry sagt:

    Euch Trauernden wünsche ich alles Liebe und viel Kraft in den nächsten Tagen und das ihr irgendwann Zeit findet eure Trauer zu verarbeiten.

  2. Liebe Johanna,

    hab Geduld mit den Trauernden, den Hinterbliebenen und den Schwermütigen durch deinen Heimgang in die leuchtende Unendlichkeit der Schöpfung.

    Schon bald werden sie erkennen wie du noch immer unter ihnen wirkst, mit ihnen bist und sie nie alleine lässt. Auch wenn sie schon viel weniger an dich denken. Je mehr sie sich um sich kümmern, desto freier bist du dich einzubringen.

    Dein Leben war Fülle, dein Sterben eine theoretische Lücke, dein Sein bleibt in der Wirkung.

    Euch Profis der Trauer und Begleitung, für euch wünsche ich mir mehr Freude für die Wirkichkeit, dass Johanne bei euch gewirkt hat und, dass dies mehr Raum erhält als ihr Gehen.

  3. Eva Schiek sagt:

    Oh, da fehlen mir die Worte, was für ein Lebensweg! Kann nur sagen: ich wünsche daß Ihr getröstet seid, alle, die Ihr so um sie trauert. Liebe und Frieden für die Herzen… und ein lichtvoller Weg für Johanna…

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