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Kollegen oder Konkurrenten?

08.04.2014
Ein Blogbeitrag von Barbara Rolf
Kollegen oder Konkurrenten?
Foto: Barbara Rolf

Bekannte riefen aufgelöst an, die uns vor wenigen Wochen mit der Bearbeitung eines Trauerfalls hier im Ort beauftragt hatten. Nun war auch noch der andere Großvater verstorben, der einige Ortschaften weiter bestattet werden sollte. Es war Dienstag, und sie wünschten sich seine Beerdigung am Freitag. Der kommunale Friedhof dort wird von einem Kollegen verwaltet, der die Termine vergibt, die Grabarbeiten macht und die Bestattungsaufsicht führt. Die Familie hatte dort bereits angerufen, um den Termin für Freitag zu vereinbaren. Es hieß: Ja, kein Problem. Können Sie noch heute zum Gespräch vorbeikommen? Als sie dem Kollegen sagten, dass dieser Termin nicht nötig sei, weil sie uns mit der Durchführung der Bestattung beauftragen wollten, entgegnete er kurz: Dann schaffen wir die Graböffnung bis Freitag nicht. Die Familie war geschockt, hatte aber keine Kraft, das bei der Gemeinde zu melden. Auch wir hatten keinen Kopf und keine Zeit, uns hier zur Wehr zu setzen und wollten zudem Unfrieden von den Angehörigen fernhalten. So rieten wir ihnen, die Bestattung von dem Kollegen durchführen lassen, nicht, weil es richtig ist, sondern in diesem Fall der einfachste Weg. Eine Woche später die Rückmeldung: Sie haben wesentlich mehr gezahlt, die Beratung war oberflächlich, die Dienstleistung mäßig (sie haben dann sehr viel selbst gemacht) und die Dekoration der Bestattung lieblos.

 

Der gleiche Kollege wurde unlängst von einem Pflegeheim mit der Abholung einer verstorbenen Frau beauftragt. Das Heim ist im Nachbarhaus, der Zielfriedhof 2,5km entfernt. Dem Angehörigen, der den Bestattungsauftrag dann uns gegeben hatte, wurden für diese Überführung 623€ (brutto) in Rechnung gestellt. Als er sich weigerte, diesen seines Erachtens viel zu hohen Preis zu zahlen, behauptete der Kollege, wir hätten bei der Abholung die Sargmatratze entwendet, die in seiner Überführungstrage gelegen habe. Diese würde mit 95€ (netto) zu Buche schlagen…

Diese Auseinandersetzung geht nun vor Gericht, und man darf gespannt sein.

Es ist nicht der einzige Fall, von dem ich hier berichten könnte. Wir haben schon oft erlebt, dass sich Unternehmen, die Friedhöfe betreuen, unkooperativ verhalten oder sogar sabotieren. Die Kolleginnen und Kollegen, die das lesen, werden das auch aus eigener Erfahrung kennen, nehme ich an. Glücklicher Weise ist das nicht die Regel (so erleben wir just im Moment wieder eine sehr gute Zusammenarbeit mit einem friedhofsverwaltenden Kollegen), und doch passiert es viel zu oft, um es als seltene Ausnahme und nicht der Rede wert zu beurteilen.

Auch solche Geschichten sind es, die den Ruf unserer Branche massiv beschädigen und das Vertrauen der Menschen in uns und unser Geschäftsgebaren erschüttern. Zurecht. Es sollte dringend dafür gesorgt werden, dass so etwas nicht mehr passiert.

Hier sind die Kommunen gefragt, die ihre Friedhöfe in private Hände legen. Es braucht klare Regeln und sorgfältige Kontrollen. Vor allem müssen sie sich neutral verhalten und dürfen den Wettbewerb nicht verfälschen. (Viele „empfehlen“ den Bestatter, der die Friedhöfe betreut, teils aus Bequemlichkeit, teils, weil das versilbert wird. Wir haben sogar schon erlebt, dass Angehörigen von der Friedhofsbeamtin gesagt wurde, sie MÜSSTEN den Kollegen vor Ort beauftragen. In einer anderen Stadt wurden höhere Gebühren verlangt, weil die Familie uns und keines der zwei ortsansässigen Unternehmen wählte.)

Da sind wir selbst gefragt, Missstände wahrzunehmen, anzusprechen und beharrlich zu bleiben, bis sie beseitigt sind. (Dass ich mich hier an die eigene Nase fassen muss, ist mir bewusst. Ich habe mich im oben genannten Fall falsch verhalten, weil ich den einfacheren, statt den richtigen Weg einschlug.)

Da sind wir auch in anderer Hinsicht selbst gefragt: Bin ich Kollege oder Konkurrent? Oder bin ich gar Saboteur der Arbeit anderer Bestatter?

Da sind Angehörige gefragt, die so etwas erleben. Dass sie widersprechen, dass sie das melden und so etwas nicht hinnehmen.

Da ist die Presse gefragt, dass sie sorgfältig recherchiert, solche Ereignisse objektiv darstellt und nachhakt, ob es zur Problemlösung gekommen ist.

 

Niemand von uns könnte alle Trauerfälle bearbeiten. Mit der gebotenen Qualität und notwendigen Zeit schon zweimal nicht. Daher sollten wir froh sein, dass wir Kollegen haben. Und wir sollten uns kollegial und kooperativ verhalten. Erstens, weil es schöner ist für alle, wenn Stimmung und Tonfall gut sind, zweitens, weil es uns ein Anliegen sein sollte, dass alle Verstorbenen gut verabschiedet und alle Angehörigen gut begleitet werden, nicht nur die, die uns beauftragt haben. Wenn wir ernst meinen, was wir (auf jeden Fall die meisten von uns) behaupten, dass es uns vornehmlich um Menschlichkeit, Dienst am Nächsten und Würde geht, nicht nur und ausschließlich um unsere geschäftlichen Interessen, dann sollten wir auch so handeln.

 

Miteinander können wir mehr erreichen, als als Einzelkämpfer – geschäftlich, menschlich, gesellschaftlich und kulturell. Außerdem geht es gemeinsam leichter und macht mehr Spaß. Ich wünsche mir und glaube auch daran, dass diese Branche kollegialer, konstruktiver und kooperativer wird. Davon hätten alle Beteiligten etwas und könnten den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen viel besser begegnen.

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2 Kommentare
  1. Christian Haller sagt:

    War das in Neuhausen a.d.F. ?

  2. Barbara Rolf sagt:

    Nein, aber auch nicht sehr weit weg von dort. 😉

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