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Kompetent und einfühlsam: Kongress und Messe LEBEN UND TOD zieht immer mehr Fachpublikum an

17.04.2013
Vom 16. bis 17. Mai 2013 in Bremen
Kompetent und einfühlsam: Kongress und Messe LEBEN UND TOD zieht immer mehr Fachpublikum an

Die Bremer LEBEN UND TOD mausert sich zum Expertentreffpunkt. Die Veranstaltung am Donnerstag und Freitag, 16. und 17. Mai 2013, in der Messe Bremen bietet neben Vorträgen für Laien auch einen Fachkongress für das professionelle Publikum und eine begleitende Ausstellung von rund 100 Anbietern. Immer mehr haupt- und ehrenamtliche Helfer aus Hospiz- und Trauerbegleitung, Palliativmediziner, Pflegekräfte und Seelsorger finden den Weg zu den insgesamt rund 20 Spezialvorträgen und Workshops beim Kongress auf der LEBEN UND TOD. „Das zeigt uns, dass der Fachkongress Anerkennung findet“, freut sich Projektleiterin Meike Wengler. „Hier haben ganz verschiedene Professionen die seltene Gelegenheit des interprofessionellen Austausches.“

Dabei ist sie zugleich sicher, dass manches für die breite Öffentlichkeit bestimmte Angebot auch in Fachkreisen auf viel Interesse stoßen wird: „Wir erwarten zum Beispiel Pater Anselm Grün, der über Leben im Angesicht des Todes sprechen wird.“ Auch habe der frühere SPD- Bundesvorsitzende Franz Müntefering zugesagt, um aus eigenem Erleben im Umgang mit seiner früheren Frau über die Betreuung Sterbenskranker zu berichten.

Aus fachlicher Sicht nähert sich Christine Stockstrom Fragen rund um das Sterben. In ihrem Vortrag „Der Trost, die Religion und die Seelsorge“ setzt sich die Diakonin für eine Wiederbelebung von Ritualen bei Tod und Trauer ein. Trauernde sind erstarrt, erklärt Stockstrom, die Vorsitzende des Bundesverbands Trauerbegleitung ist. Bis in den Stoffwechsel hinein, bis ins Immunsystem wirken die Blockaden. Trauerbegleitung könne solche Erstarrung schon mit ganz pragmatischen Tipps lockern. „Da hilft es bereits, mit den Betroffenen den Tagesablauf zu planen“, sagt Stockstrom, „oder Rituale einzuüben, zum Beispiel mit den Trauernden ein Gedenklicht anzuzünden.“ Tatsächlich müssen die heute verschütteten Rituale – von der Totenwaschung bis zur Beileidsbekundung am Grab – neu entdeckt oder ersetzt werden.

Besonders hilfreich sei es, die ganze Zeit zwischen Tod und Bestattung rituell zu gestalten, erklärt etwa Trauerbegleiterin Petra Hugo. Sie bietet auf der LEBEN UND TOD einen ganztägigen Workshop an: „Die kostbare Zeit vom Tod bis zur Bestattung – ihre Bedeutung und lebendige Gestaltung“. Die Veranstaltung bietet Pflegenden, Ärzten und Hospizmitarbeiterinnen oder Bestattern ungewöhnliche Perspektiven für ihre Arbeit mit Angehörigen – und den Toten. Von der bewusst erlebten Stille gleich nach dem Tod bis hin zu Gedenktagen Monate nach der Beerdigung. Für Hugo sind dies Aspekte achtsamer Professionalität. „Es ist nicht egal, ob ein Bestatter den Sargdeckel einfach zuklappt oder ob er die Angehörigen einlädt, dabei zu sein, eine Kerze zu entzünden und den Sargdeckel gemeinsam rituell zu schließen.“

Auf der anderen Seite plädiert sie dafür, mit manchen sinnlosen Gewohnheiten zu brechen. „Muss man eine alte Dame nach ihrem Tod wirklich waschen, auch wenn es ihr zu Lebzeiten peinlich gewesen wäre?“, fragt sie. „Muss man die Augen und Mund der Toten gewaltsam schließen? Muss man die Toten in gekachelten Hallen aufbewahren?“ Nein. Das „perfect finish“ des Leichnams, das mancher Bestatter im Angebot hat, „ist aus meiner Sicht ein Eingriff in die Totenruhe“. Für Hugo beginnt mit dem Sterben „eine kostbare Zeit des Zusammenseins mit dem Toten, die wir mit einer neuen Kultur wiedergewinnen können“.

Die LEBEN UND TOD thematisiert auch die schwierigen Entscheidungen, vor denen Ärzte und Pflegende am Sterbebett stehen. Welche Schmerzen von Sterbenden sind noch zumutbar? Welche Atemnot? Welche Angst? Wie können Ärzte und Schwestern auf den Sterbewunsch von Patienten und Angehörigen reagieren? „Sterbewunsch – und was kann Palliativmedizin dazu leisten?“ So heißt der Vortrag, in dem sich Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, diesen heiklen Fragen nähert.

Der Bedarf an Palliativmedizin ist riesig. Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin sterben in Deutschen Hospizen jährlich rund 17.000 Menschen, auf den rund 260 Palliativstationen in Deutschland etwa 30.300.

Viele Menschen ziehen oft schon in jungen Jahren aus Angst vor unerträglichen Schmerzen Sterbehilfe in Betracht. Da bedarf es auch von Seiten der Pflegenden und Ärzte weiterer Professionalität, meint Melching, denn über die Möglichkeiten der Palliativmedizin wissen viele Patienten immer noch viel zu wenig. „Wenn es gelingt, die Patienten offen und ehrlich zu fragen, warum sie Sterbehilfe wünschen, dann ist so ein Gespräch oft schon Grund genug, den Wunsch nach Sterbehilfe aufzugeben.“ Es ist nämlich die Sprachlosigkeit, unter der viele todkranke Patienten besonders leiden. Darum müssen Palliativ-Teams auch ihre Patientenkommunikation sorgfältig pflegen und ausbauen. „Nach unseren Erfahrungen sind 80 Prozent der Probleme in der Palliativversorgung auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen.“

 

 

Informationen:

www.leben-und-tod.de

Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr. Fachteilnehmer finden die gestaffelten Preise im Internet unter:

MESSE BREMEN/WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH
Projektleitung: Meike Wengler

Telefon: 0421 / 35 05 379
Fax: 0421 / 35 05 566
E-Mail: wengler@messe-bremen.de

www.messe-bremen.de
Pressereferat: Imke Zimmermann

Telefon: 04 21 / 35 05 – 4 45
Fax: 04 21 / 35 05 – 3 40
E-Mail: zimmermann@messe-bremen.de

 

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