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Längst widerlegt, immer noch populär -Trauerphasen

04.11.2013
Dass Trauer in bestimmten Phasen verläuft, ist ein Mythos
Längst widerlegt, immer noch populär -Trauerphasen

Internetseiten, Ratgeber und selbst Lehrbücher verbreiten, dass „die“ Trauer in bestimmten Phasen verläuft. Phasenmodelle gehen davon aus, dass für eine gewisse Zeit bestimmte Themen oder Aufgaben vorherrschend sind. Diese müssten durchlitten und erfolgreich bearbeitet werden, damit der Übergang in die nächste Phase möglich wird. „Die Praxis zeigt jedoch, dass sich Trauer nicht in ein festes Schema pressen lässt“, kritisiert die Diplom-Psychologin Hildegard Willmann vom Beirat des Trauerportals www.gute-trauer.de, das von der Verbraucherinitiative Aeternitas ins Leben gerufen wurde.

Die Lehre von den Trauerphasen kann Trauernden sogar schaden, weil sie zu rigiden Normen über „richtiges“ Trauern führt. Wer nicht der Norm entspricht – und das sind vermutlich fast alle Trauernden –, zweifelt möglicherweise, ob sein Erleben normal ist. Auch das soziale Umfeld kann irritiert reagieren, wenn Hinterbliebene sich nicht entsprechend der erwarteten Phasen verhalten. Dann heißt es schnell, jemand habe eine Phase übersprungen, habe einen Rückfall oder sei in einer Trauerphase stecken geblieben. „Besonders Menschen, die gut mit einem Verlust umgehen können – und das sind ungefähr 50 Prozent –, werden durch Phasenmodelle pathologisiert“, erklärt Willmann. Trauerphasen sind dennoch populär – vielleicht weil Menschen überschaubare, lineare Modelle bevorzugen.

Bis auf eine Studie aus dem Jahr 2007 an der amerikanischen Yale-Universität wurden Trauerphasen nie empirisch überprüft. Die These, dass nacheinander die bekannten Phasen „Nicht-glauben-können“, „Sehnsucht“, „Ärger“, „Depression“ und „Akzeptanz“ auftreten, konnte nicht belegt werden. Am meisten überraschte die Forscher das Ergebnis, dass Akzeptanz von allen Werten am stärksten ausgeprägt war – und zwar von Anfang an. Dies steht in krassem Widerspruch zur Phasentheorie, nach der Akzeptanz erst am Ende eines mühsamen Anpassungsprozesses für möglich gehalten wird. Andere Forscher fanden in einer Langzeitstudie eine Reihe verschiedener typischer Verlaufsformen. Sie sprechen von „Diversität“ und meinen damit, dass „normale“ Trauer eine große Vielfalt möglicher Verläufe, Themen, Widersprüche, Pendelbewegungen, Intensitäten und Zeitspannen umfassen kann.

Über Erkenntnisse wie die zu den Trauerphasen berichtet das Internetportal www.gute-trauer.de. Dieses wurde komplett neu gestaltet und soll so noch übersichtlicher als Anlaufstelle für Trauernde und am Thema interessierte Menschen dienen. Die Besucher der Seite werden darin unterstützt, eigenverantwortlich und natürlich mit Lebenssituationen wie Tod und Trauer umzugehen. Darüber hinaus finden Sie im Portal zahlreiche Anlaufstellen für Betroffene und eine Vielzahl an Literatur zum Thema.

 

Informationen:

www.gute-trauer.de

Aeternitas e.V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Alexander Helbach

Dollendorfer Straße 72
53639 Königswinter

Telefon: 0 22 44 / 92 53 85
Fax: 0 22 44 / 92 53 88

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