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Medienkompetenz für die Trauerfeier

11.02.2014
Ein Blogbeitrag von Birgit Aurelia Janetzky
Medienkompetenz für die Trauerfeier

Smartphones haben Einzug in unser Alltagsleben gehalten. Ab und zu sind sie schon bei Beerdigungen zu sehen. Geht die Entwicklung hin zum Twittern live bei der Trauerfeier? Medienkompetenz ist wirkungsvoller als Verbote.

Vor ein paar Jahren noch hat es mich noch sehr irritiert, wenn ein Mensch im Vorbeigehen mit sich selbst sprach. Heute genügt ein kurzer Blick auf das dünne Kabel am Kopf und es ist klar, hier telefoniert gerade einer mit Mobiltelefon und Headset.

Aufmerksam wurde ich auf das Thema schon vor einiger Zeit, als eine Bestatterin berichtete, dass junge Leute im Beratungsgespräch mit ihren Smartphones unter dem Tisch eine zweite parallele Kommunikation per SMS starteten. Ich dachte, da kommen ja ganz neue Herausforderungen auf uns zu. Lasse ich das auf sich beruhen? Spreche ich es an? Wie spreche ich das an?

Diese Geräte sind ja richtige Wunderdinger. In Echtzeit kann ich Menschen am anderen Ende der Welt mitteilen, was ich gerade mache. Per SMS geht das, neuerdings auch mit WhatsApp („Einfach. Persönlich. Nachrichtenaustausch in Echtzeit“) inklusive Bild und Ton. Den Friedhof trage ich bei Foresquare ein („Finde tolle Orte, während du unterwegs bist. Erfahre, was in deiner Nähe los ist“) Telefoniert wird bei Beerdigungen nicht, dafür aber getippt und gewischt.

Während die Bildungspolitiker über Medienkompetenz als Schulfach streiten und inzwischen feststeht, das Medienkompetenz spätestens ab 2014 (sic!) Aufgabe aller Schulfächer in Baden-Württemberg sein wird, überholt die Realität alle Diskussionen.

Beerdigungen von Prominenten waren schon immer im Blick der Öffentlichkeit

Ob beim Fußballtorwart Robert Enke, der Sängerin Whitney Houston,  dem Nationalheld Nelson Mandela oder dem Politiker Ariel Sharon, bei prominenten Personen war das mediale Interesse an der Beerdigung schon immer groß. Hier erweitert Social Media nur die Möglichkeiten der Medien.

Zur Beerdigung von Nelson Mandela gab es einen Liveticker und Livestream. Parallel zur Beisetzung von Ariel Sharon  wurde auf Twitter weiter Politik gemacht.

Medienethik beim Sterben und Bestatten

Anders sieht es aus allen anderen Menschen, bei denen zunächst kein öffentliches Interesse unterstellt werden kann. Bei der Mutter beispielsweise, deren Sohn (ein bekannter Radiomoderator in den USA) ihren Sterbeprozess öffentlich auf Twitter begleitet

Oder  bei dem kleinen Jungen, der von seinem Vater getötet worden war. Ein österreichischer Sender berichtete per Liveticker über das Kinderbegräbnis. Die Art und Weise brachte eine kleine Diskussion über die ethischen Grenzen in der Berichterstattung in Gang.

Wenn Menschen live von einer Beerdigung posten, stößt das bei anderen Trauergästen auf Widerstand. Es geht darum, dass die sozialen Medien jegliche Sakralität, das Gefühl für den Augenblick rauben. Die persönliche Einkehr bleibt auf der Strecke. Sehr schön hat das Teresa A. Winderl in Ihrem Blog beschrieben. Sie kommt zu dem Schluss, dass Medienkompetenz bedeutet manchmal nur den Menschenverstand zu gebrauchen.

FireShot_Friedhof2

Allerdings müssen wir aufpassen, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Die sozialen Medien sind nicht per se schlecht. Es kommt darauf an wie wir sie nutzen. Auf Foursquare könnten wir bemerkenswerte Friedhöfe eintragen, nicht nur Geschäfte und Kneipen. Zwei schöne Beispiele habe ich gefunden. Das erste weist auf ein besonderes Grab hin. Das zweite sagt kurz und bündig auf dem Friedhof „ist Ruhe angesagt.“ In meinen Augen zeugen beide Einträge von Medienkompetenz.

Screenshot_Friedhof1

 

 

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4 Kommentare
  1. berndjtonat sagt:

    Skype bietet Angehörigen eine gute Möglichkeit, auch in fernen Ländern live an der Trauerfeier von Angehörigen teil zu nehmen. Hatten wir schon nach Thailand, in die USA und gerade nach Peru und Lettland. Allerdings ist es günstig, wenn Wlan verfügbar ist, sonst kann die Verbindung öfter abbrechen.

    berndjtonat

  2. Juliane Uhl sagt:

    Die Übrtragung per Skype finde ich unproblematisch, da in diesem Falle ja direkt jemand eingebunden wird. Die Live-Berichterstattung per Social Media von Beerdigungen hingegen, eröffnet einen Parallelkommunikation – man kann nicht mehr voll und ganz bei der Bestattung sein. Und diese letze volle Aufmerksamkeit sollt man dem Verstorbenen doch gönnen können.

  3. Die Übertragung der Trauerfeier per Skype finde ich auch eine geeignete Form, Menschen mit einzubeziehen, die nicht persönlich kommen können.

    @Juliae Uhl Das ist gut ausgedrückt. Wenn ich parallel per Smartphone kommuniziere, und sei es über die Trauerfeier, zerteile ich meine Aufmerksamkeit.

  4. […] Medienkompetenz für die Trauerfeier (11.02.2014) […]

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