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Nachgefragt

18.08.2010
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Nachgefragt
Wie viel hat eine würdevolle Bestattung mit Kosten zu tun?

In dieser Rubrik stellt adeo-online eine ausgesuchte Frage an die Branche des Bestattungsgewerbes, Vertreter von Verbänden und an den sogenannten Otto Normalverbraucher. In dieser Ausgabe geht es um folgende Debatte:

Ist günstig gleich billig? Was darf eine würdige Bestattung kosten? Hat Qualität noch ihren Preis und ihren Platz? Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft in diesen Fragen?

Lesen Sie hier die Meinung der befragten Unternehmer, Persönlichkeiten und Bürger. Beteiligen Sie sich an der Diskussion und teilen Sie uns in einen Kommentar (siehe unten) Ihre Meinung dazu mit.

Frage:

Viele Bestattungsunternehmer locken mit günstigen Angeboten im Netz und auch die Zulieferindustrie wirbt mit attraktiven Konditionen in der Branche. Es wird argumentiert, dass eine würdevolle Bestattung nicht teuer sein muss. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein? Gibt es gesellschaftliche Vorgaben oder reguliert sich hier der Markt selbst? Was meinen Sie zu dieser Thematik?

Antwort Hermann Weber, Vorsitzender Aeternitas e.V.:

Was ist eine würdevolle Bestattung, was gehört dazu? Darüber streitet die Branche. Der Verbraucher fragt: Warum soll ich mehr ausgeben als nötig – bei gleicher Qualität? Das fordert die Bestatter und fördert die Discountisierung. Die Verbraucher werden zunehmend preisbewusster. Preisvergleiche und Preisauszeichnung sind die Schlagworte der Zukunft.

Der Markt treibt Blüten wie „Bestattung ab 499 Euro“. Solche Lockvogelangebote sollte die Branche stigmatisieren und abmahnen. Die ALDI-Philosophie „Höchste Qualität zu günstigen Preisen“ sollte aber auch für die Bestattungsbranche gelten. Die wirtschaftliche Entwicklung teilt den Markt in hoch- und tiefpreisig. Aber auch das untere Einkommenssegment sollte eine würdige Bestattung bekommen können.

Eine Kluft trennt Anbieter und Nachfrager. Die Kluft ist die Preisintransparenz. Über die Hälfte der Kunden glaubt, mit weniger als 4.000 Euro Gesamtkosten für eine Bestattung auskommen zu können, so eine Aeternitas-Befragung. Preisintransparenz ist kontraproduktiv.

Der Wettbewerbsdruck wird in Zukunft weiter wachsen. Die Realeinkommen bremsen hochfliegende Erwartungen. Von den Träumen, würdevoll sei allein eine großbürgerliche Bestattung, sollte die Branche sich lösen.

Antwort Julia Papst, München, selbstständig:

Da hab ich noch nie drüber nachgedacht und ich habe nicht die leiseste Ahnung, was eine Bestattung kostet. Ich würde allerdings die Sparversion nehmen – tot ist nun mal tot. Am liebsten sogar per Urne im Meer verstreut.

Antwort Ronald de Schutter, Kaiserslautern, Bestatter:

Wir machen bei diesen Preiskämpfen nicht mit, weder kunden- noch lieferantenseitig, sondern sind an fairen Preisen, Transparenz und langfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert. Wir fahren gut damit und stellen immer wieder fest, wenn Kunden „wiederkommen“, dass die vermeintlich günstigen Bestatter am Ende die teureren waren, bei weniger Leistung. Es gibt eine durchaus wachsende Klientel, die Qualität zu fairen Preisen, auch „Made in Germany“ (aber bitte ohne Fähnchen!) zu schätzen weiß. Kunden, die den verständlichen Wunsch haben, etwas zu sparen, wird es immer geben; vielleicht werden sie sich etwas weniger outen; die bekannten Werbeslogans sind nicht mehr wirklich „in“

Antwort Dr. Marc Alexander Renter, Düsseldorf, Chirurg:

Ich hab keine Ahnung, was eine Beerdigung kosten soll oder darf. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass eine Beerdigung und die damit verbundenen Kosten ähnlich wie Medizinprodukte künstlich verteuert sind, d. h., weil es ein ethisch sensibler Bereich ist, setzt man die Kosten höher an und es traut sich kaum einer, nach Discountpreisen zu fragen. Eine transparente Kostenaufstellung, die insbesondere Materialkosten und  Dienstleistungskosten aufschlüsselt, könnte eine Hilfe sein. Dann kann jeder „Kunde“ entscheiden, wie viel ihm was wert ist. Ein Argument „billig gleich nicht würdevoll“ darf man nicht gelten lassen, da die Würde einer Bestattung doch durch das Engagement der Angehörigen geprägt wird. Der Rahmen muss natürlich stimmen, aber Qualität muss nicht immer teuer sein.

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