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Plädoyer für die Friedhöfe in Deutschland

02.05.2012
Ein Beitrag von Rita Capitain
Plädoyer für die Friedhöfe in Deutschland

Für viele Menschen ist der Friedhof ein Ort des Rückzugs. Friedlich und leise liegt er da, während das lebhafte Toben draußen bleibt. Hier reden die Menschen mit ihren bereits gegangenen Liebsten. Hier können sie trauern, aber auch gärtnern, ein Schwätzchen halten und dadurch auch Heilung erfahren. Deshalb sind diese Orte wichtig für die Gesellschaft.

Schon als sehr junge Frau wünschte ich mir eine Urnenbestattung auf dem Friedhof in meiner Stadt. 2004 begann ich, Informationen darüber zu sammeln. Was ich darüber erfuhr, ließ mich ratlos zurück. Meine Asche durfte nur in einer Metalldose, fest versiegelt in die Friedhofserde kommen. Mittlerweile wissen wir, dass es mit diesem System keine Garantie gibt, dass Asche und Erde jemals zueinander finden. Somit schied das bestehende System für mich aus. Der Friedhof in meiner Stadt kam deshalb also nicht infrage. Schade eigentlich – denn ich hätte ihn den Alternativen vorgezogen.

Außerdem ist ein Friedhofgrab heutzutage ganz schön teuer geworden. Sowohl für die Sarg- als auch für die Urnenbestattung. Und die Kosten steigen immer weiter. Wenn die Kommunen die Grabkosten weiter anheben, suchen die Leute erst recht nach Alternativen. Die Gefahr besteht, dass die wunderbaren alten Plätze verwahrlosen und ganz verschwinden. Alternativen sind heute schnell gefunden. Wälder, Ruheforste, Bestattungsgärten usw. im In- und Ausland sind im Trend. Doch was ist mit den Friedhöfen in Deutschland?

 

(Foto: Urnen das frEI)

 

Hier hören wir über die Medien: Die Kosten werden steigen, müssen steigen, weil es nicht genügend Sargbestattungen mehr gibt und die Einnahmen für die Friedhofverwaltungen sinken. Bereits wach gewordene Kommunen haben mit Umnutzungen bereits angefangen. Andere schlummern weiter. Ich will als Bürgerin in Deutschland die Wahl haben. Habe ich nur noch die Wahl, wenn ich genügend Geld habe?

Die Gesetzgebung (Gesetz über das Friedhofs- und Bestattungswesen (BestG NRW) Stand: 01.06.2010 in Nordrhein-Westfalen sagt zur Urnenbestattung: § 15 Feuerbestattung, Absatz 5: Das dauerhaft versiegelte Behältnis … muss auf dem Friedhof (Friedhofzwang) beigesetzt werden. Leider wieder das Thema verfehlt, liebe Gesetzgeber. Wer will diesen Zwang denn noch? Freiwillig auf den Friedhof wäre doch viel schöner – und auch sehr viel klüger. Sonst wird das nichts mit der Erhaltung der Friedhöfe. Solange die Probleme der Friedhöfe verlagert werden, sind diese schützenswerten Orte in Gefahr. Sie drohen wirklich zu verschwinden. Eine große kulturelle Katastrophe, finde ich. Folgenschwere Maßnahmen für die Bürger werden die Konsequenz aus dem jetzigen Nichthandeln sein. Es folgen Friedhofsschließungen und Friedhof-Verlagerungen in die für Angehörige schwer erreichbaren Randgebiete.

Die Menschen werden weiter verstärkt ausweichen müssen auf andere Konzepte in die Wälder und Naturgebiete, auch ins Ausland. Politik und Wirtschaft sind hier gefordert. Ich fände es ganz großartig, wenn bald ein Umdenken erfolgte. An dieser Stelle sei mir eine Vision für die Zukunft erlaubt. Ab 2013 hatte bei den Verantwortlichen ein Umdenken stattgefunden. Die Kostenschraube wurde angehalten. Die Reichen und immer reicher werdenden Mitbürger subventionierten diese wunderbaren Friedhöfe in Deutschland. Die Menschen konnten sich den hiesigen Friedhof wieder leisten. Niemand verwendete mehr unverrottbare Materialien, damit sich das Erdreich erholen konnte. Bald sahen die Friedhöfe aus wie blühende Gärten. Vom Einheitsbrei der vergangen Jahrzehnte war bald nichts mehr zu sehen. Die Zukunft der neuen Friedhöfe hatte begonnen. Den Wünschen der Menschen wurde in jeder Hinsicht entsprochen. Das Abwandern aus Kostengründen hatte aufgehört. Die Leute liebten ihre Parks. Sie trafen sich dort und es entstand wieder ein neuer respektvoller Umgang mit Altem und Neuem. Eine andere und neue Bestattungs- und Trauerkultur entwickelte sich.

Wenn ich Glück habe, findet sich ein schönes Plätzchen und dort darf meine „Urne das frEI“ unversiegelt beigesetzt werden. Beim nächsten Platzregen käme ich meinem Wunsch ein kleines Stück näher. Die Rückkehr zur Natur könnte beginnen und irgendwann wäre ich ein Teil eines wunderbaren friedlichen Parks geworden mitten im bunten Treiben meines einstigen weltlichen Lebens – wunderbar! Nur eine Vision? Die Hoffnung begleitet mich!

 

Informationen:

Urnen das frEI  |  Atelier für Urnenkunst
Rita Capitain

fon 02275 | 9199890
fax 02275 | 9199847
mobil 0175 | 1767399

atelier@rita-capitain.de
www.rita-capitain.de

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