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Sara

10.02.2015
Ein Blog-Beitrag von Barbara Rolf und Franziska Molina
Sara
Fotos: Franziska Molina

Aus gegebenem Anlass möchte ich im heutigen Beitrag die Geschichte von Sara teilen, die unsere Mitarbeiterin Franziska Molina, die selbständige Fotografin ist, erlebt und aufgeschrieben hat.

Seit Ende des Jahres 2013 gibt es die Organisation DEIN STERNENKIND, für die ich neben den Tapferen Knirpsen als Fotografin gelistet bin. Man will natürlich keinen Anruf oder eine E-Mail bekommen von Eltern, die ein Sternenkind erwarten. Das ist klar. Aber wenn es dann doch so ist, ist man froh, dass man Erinnerungen schaffen darf.

Wenn ich davon erzähle, werde ich oft ungläubig angeschaut, und der ein oder andere fragt auch wieso? Wieso fotografierst du ein totes Baby? Ja, wieso? Um Erinnerungen zu schaffen. Um Erinnerungen in Bildern festzuhalten, die sonst vielleicht verblassen würden.
Um zu helfen. Auch bei der Trauerbewältigung. Jeder geht anders damit um, aber ich weiß, dass solche Bilder vielen Menschen helfen.

Vor einem Jahr wurde ich gebeten, mit einer jungen Familie Kontakt aufzunehmen. Sie haben zwei gesunde, fröhliche Kinder, Timo und Nora, das dritte war damals unterwegs. Sara.
Sara, das wussten sie zu diesem Zeitpunkt, würde es nicht schaffen. Sie haben sich dennoch entschlossen, ihrer Tochter die Zeit auf Erden zu geben, die sie haben sollte. So hatten sie 8 Monate während der Schwangerschaft mit Sara und 45 wertvolle Minuten nach ihrer Geburt.

Ich durfte Sara dann bei der Familie zu Hause kennenlernen, wo sie vor der Beerdigung noch bleiben durfte. Im Kreise ihrer Familie, ein Teil davon. Für immer. Dort haben wir dann auch Bilder gemacht. Bilder mit Mama und Papa. Bilder mit Nora und Timo. Bilder, die hoffentlich einmal kostbare Erinnerungen sein werden an das Geschwisterchen, das nur so kurz bei ihnen sein durfte.

Normalerweise zeige ich gerne viele Bilder. Ich dürfte auch von Sara mehr zeigen. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Ich glaube, dass das die Bilder von Nora, Timo und ihren Eltern sind. Diese Erinnerungen sollen ihnen alleine gehören.

Ich bin dankbar, dass ich die fünf kennenlernen durfte.

 

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7 Kommentare
  1. Das ist ein sehr bewegender Beitrag. Die Erinnerungen einer kurzen gemeinsamen Zeit festzuhalten, kann trösten.

  2. Was für eine wunderbare Dienstleistung – was für ein Geschenk, dass Du Dich das „traust“. Ich bin gerade sehr bewegt von Saras Geschichte und (m)einem ersten Crowdfunding-Projekt, welches ich mich vor 30 Minuten zu unterstützen entschieden habe.

    Vielleicht kann Hanna Bork, die Starterin, die einen Film über das Dasein nach dem Sterben drehen möchte, Dein Angebot ja in ihren Film mit aufnehmen? Das fände ich sehr WERTvoll.

    https://www.startnext.com/bork/widget/?w=200&h=300&l=de

    Ich wünsche Dir und den Eltern so wenig Sternenkinder, wie möglich. Doch wenn, dann wünsche ich allen, dass Sie Deine Fotos bekommen….

  3. Oliver Grote sagt:

    Deine Entscheidung bzgl der Fotos ist richtig. Dies waren wichtige Momente die der Familie ganz alleine gehören und sie ein Leben lang begleiten werden und Sara nicht vergessen lassen.

  4. Zu diesem Thema, möchte ich auf dieses außergewöhnliche Buch hinweisen, welches wir hier bei adeo-online vorstellen durften:

    http://www.adeo-online.de/buchvorstellung-still-geboren/

  5. Michael Wardenga, Berlin sagt:

    Ich finde es ein ganz tolles Foto. Respekt, auch vor der Entscheidung, kein weiteres Foto zu veröffentlichen. Dieses eine Foto reicht, um mitfühlen zu können.

    Ich bin Trauerredner und habe noch keine Rede für ein Sternenkind halten müssen. Selbst vor den Bestattern, die in dieser Sizuation das genze Leid auffangen müssen, habe ich größten Respekt.

  6. Juliane Uhl sagt:

    In der viktorianischen Zeit wurden gerade tote Kinder oft post mortem fotografiert, damit man wenigstens ein Bild hatte. Was sollte heute also falsch daran sein. Es ist eine Ehrerbietung für das Kind, denn es soll sich seiner erinnert werden, denn es ist ein Teil der Familie. Auch wenn es nicht lange in dieser unserer Welt war. Eine wunderschöne Arbeit, ich wünsche Ihnen alles Gute.

  7. Eva L. Schiek sagt:

    Sehr feinfühlig von Dir, die anderen Fotos im Schutzkreis der Familie zu lassen. Auch wenn sie Dir die Veröffentlichung erlaubt haben könnten sie das später anders sehen, und Dir für Deine Behutsamkeit dankbar sein. Vielleicht sagt ja eins der Geschwisterkinder eines Tages: „Die Bilder von uns zusammen hätten auch nur uns gehören sollen.“ So ist das jetzt gewährleistet.
    Die hier gezeigten Fotos strahlen viel Zärtlichkeit aus, sie sind ein wunderschönes Andenken…
    Von der Familie finde ich es mutig wie sie den Weg mit Sara gegangen sind, das zeugt von viel Liebe, Stärke und Zusammenhalt.
    Alles Liebe und Gute allen Beteiligten!
    Danke für diesen schönen und berührenden Beitrag

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