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Über das Sterben, den Tod und die Trauer reden

19.04.2012
Norddeutsche „Leben und Tod“ stellt sich dem Tabuthema
Über das Sterben, den Tod und die Trauer reden
Über 3.000 Besucher kamen zur "Leben und Tod - 2011" (Foto: Vinschen)

Die norddeutsche Messe „Leben und Tod“ bricht mit Tabus: Das eigene Sterben und das eines Angehörigen – ein Thema, über das man nicht gerne spricht. Die „Leben und Tod“ sorgt für Gesprächsstoff – und zwar miteinander. Fachleute, Privatbesucher sowie Aussteller, die mit den verschiedensten Beratungsangeboten und Produkten vor Ort sind, finden vom 10. bis 11. Mai 2012 zum dritten Mal in der Messe Bremen zusammen, um sich zu informieren, auszutauschen und auf den neuesten Stand zu bringen. Im Jahr 2011 zählten die Veranstalter 3.100 Besucher, die die Gelegenheit hatten, sich bei 96 Ausstellern zu informieren und das thematisch breit gefächerte Vortragsangebot zu nutzen.

Neu auf der „Leben und Tod“ ist der Service-Tag für Privatbesucher. So wird es zum Beispiel eine Sprechstunde zum Thema Patientenverfügung geben. Umfassende Informationen und Kontaktmöglichkeiten gibt es zu den Themenbereichen Sterbebegleitung, Bestattungsformen, Demenz sowie den Chancen und Gefahren des Internets bei Tod und Trauer. Was der Suizid des Nationaltorwarts Robert Enke bei Hannover 96 verändert hat, darüber berichtet Martin Kind, Präsident des Vereins, am Donnerstagabend. Unter dem Titel „Leistungsdruck, Depression und Burnout am Beispiel des Profifußballs“ diskutiert er gemeinsam mit Dr. Uwe Harttgen von Werder Bremen, dem Sportpsychologen Professor Martin Schweer und Dr. Christian Nawrath von der Sporthochschule Köln die Folgen des Leistungsdrucks im Profisport.
Das große Thema für Privatbesucher am zweiten Tag ist der Bereich Trauer. „Die Zeit heilt nicht alle Wunden“, sagt der Theologe Dr. Georg Schwikart und macht trotzdem Mut – Trauern gehört zum Leben. Humoriger geht es bei den Betrachtungen des Autors und Philosophen Jörg Zittlau zu: „Matt und elend lag er da“ – in diesem Vortrag widmet er sich dem Sterben historischer Persönlichkeiten.
Jeder Mensch trauert anders – und doch gibt es auch geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer trauern anders als Frauen und Kinder wiederum gehen anders mit dem Tod eines Angehörigen um als Erwachsene. Auch diesen Unterschieden geht die „Leben und Tod“ in mehreren Vorträgen nach. Der ehemalige Bürgermeister Bremens, Dr. Henning Scherf, berichtet am späten Freitagnachmittag über seine Erfahrungen zur „Sterbebegleitung in einer Wohngemeinschaft“.
Eine besondere Kooperation bietet die „Leben und Tod“ am Donnerstag von 10 bis 20 Uhr im Foyer der Halle 5: Unter dem Motto „Werden Sie Lebensretter!“ werden Bremerinnen und Bremer aufgerufen, sich in die Datenbank der Deutschen Knochenmarkspenderdatei aufnehmen zu lassen. Die Kosten der Typisierung (50 Euro pro Person) werden von Bremer Unternehmen in einer Patenschaft übernommen.

Kommunikation ist eines der ganz großen Themen der Messe: Wie geht das Pflegepersonal mit „der Wahrheit am Krankenbett“ um – einer Belastung, mit der Schwestern und Pfleger, aber auch die Angehörigen täglich umgehen müssen? „Sterbende in der Defensive“ lautet der Titel eines weiteren Vortrags. Dabei geht es nicht nur um das emotionale Verständnis, sondern auch um den Umgang mit Menschen, die nicht mehr auf herkömmlichem Wege kommunizieren können.

„Gestorben wird auch unter der Brücke – aber wie und wo wird dann beerdigt?“, so der provokante Titel eines Vortrags von Dr. Arne Manzeschke, Leiter der Arbeitsstelle für Theologische Ethik und Anthropologie an der Uni Bayreuth. Er wirft die Frage nach einer guten Begleitung und Bestattung der Menschen auf, die aus dem sozialen Raster unserer Gesellschaft gefallen sind. Das Thema wird vertieft mit Best-Practice-Beispielen aus der Wohnungslosenhilfe in Hamburg.

 

Informationen:

Die Messe „Leben und Tod“ findet am 10. und 11. Mai in der Halle 4 der Messe Bremen statt. Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr, Preis: 8 Euro, Fachteilnehmer finden die gestaffelten Preise im Internet.

www.leben-und-tod.de

 

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