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Unsere Ideen und auch die der anderen Menschen gehen nicht aus

12.09.2012
Interview mit Juliane Uhl und Stefanie Oeft-Geffar von conVela
Unsere Ideen und auch die der anderen Menschen gehen nicht aus
Trauernadeln von conVela

Das junge Unternehmen conVela aus Halle hat eine alte Tradition wieder aufleben lassen: den Erinnerungsschmuck. Die Inhaberinnen Juliane Uhl und Stefanie Oeft-Geffarth möchten mit ihren Produkten einen Beitrag zur Trauerkultur leisten. Auf der eigenen Homepage heißt es:

Heute findet Trauer im Privaten, oft im Verborgenen statt. Die damit einhergehenden Gefühle werden versteckt, sogar unterdrückt. conVela knüpft mit neuem und modernen Erinnerungs- und Trauerschmuck an die alte Tradition an, um der Erinnerung auch im Alltag wieder einen guten Platz zu geben.

adeo-online hatte die Gelegenheit, mit den beiden Unternehmerinnen zu sprechen.

 

 

adeo-online: Wie kommt man eigentlich dazu, sich in der Bestattungsbranche selbstständig zu machen – und dann auch noch mit dem Produkt Erinnerungsschmuck und Trauernadeln? 

Juliane Uhl: Unser Weg begann, als uns bei Bestattungen von Familienangehörigen und Freunden etwas fehlte. Das immer wiederkehrende Gefühl, dass Bestattungen nicht zu den Menschen passen, die verabschiedet werden, bzw. dass sie immer gleich sind und jedwede Individualität vermissen lassen, habe ich bei unserem ersten Treffen im April 2011 angesprochen. Steffi Oeft-Geffarth hatte ein ähnliches Erlebnis und gemeinsam entschlossen wir uns, etwas zu tun. Der Impuls für conVela war damit gesetzt. In der Tradition von Trauerringen spezialisierten wir uns zunächst auf Erinnerungsschmuck, kamen dann aber sehr schnell zu dem großen Prinzip mit der kleinen Trauernadel, als wir bemerkten, die Menschen haben einen Bedarf an einem sinnstiftenden Element, das sie in den Alltag mitnehmen können. An Erinnerung, an Kultur und an einem gesellschaftlich relevanten Zeichen, das Trauer anzeigen kann, aber eben zeitgemäß ist.

adeo-online: Wie Sie sicher erfahren haben, ist die Branche sehr konservativ. Wie ist Ihr Produktportfolio bei den Bestattern aufgenommen worden – gab es Probleme? 

Juliane Uhl: Die Bestatterbranche ist ein hochinteressantes Feld. Es gibt alteingesessene Familienunternehmen, außergewöhnliche Quereinsteiger, Esoteriker und profitorientierte Ketten. Für uns gibt es eine wichtige Unterscheidung: Ist das Haus kundenorientiert und möchte Neues anbieten? Oder wird alles so gemacht, wie es immer gemacht wurde? Wenn uns jemand sagt: „Das wollen meine Kunden nicht“, ohne diese je gefragt zu haben, dann haken wir da nicht länger nach, denn dieser Anbieter wird immer zwischen den Ideen von conVela und den Trauernden stehen. Grundsätzlich werden unsere Produkte aber mit Interesse aufgenommen, da sie sehr einfach zu verstehen sind: Der Erinnerungsschmuck, der mit der Originalhandschrift von Verstorbenen versehen wird, erklärt sich fast von selbst. Die Trauernadel als moderner Trauerflor wird sehr gern genommen, da Bestatter diese auch als kleines Geschenk einsetzen können. Am Ende geben Sie dann mehr mit als eine Rechnung und einen Händedruck. Etwas Greifbares, um das Ungreifbare – den Tod – zu ertragen.

adeo-online: Neben Ihrem unternehmerischen Handeln wollen Sie einen Beitrag zur Enttabuisierung des Themas Sterben und Tod leisten. Sie fordern eine Besinnung, zurück zu einer Trauerkultur. Die Trauerkultur ist auch Teil Ihres Firmennamens – erläutern Sie das bitte.

Juliane Uhl: Wir sagen ja nicht, dass es keine Trauerkultur gibt. Früher war diese bestimmt durch religiöse und gesellschaftliche Vorgaben. Heute gibt es Bestattungen, die so schnell und rational, still und unbemerkt erledigt werden, ohne Rituale ohne nachfolgende gelebte Trauerphase; man merkt gar nicht, dass jemand gestorben ist, geschweige denn dass jemand in Trauer ist. Dadurch vergessen wir, dass der Tod ein natürliches Ereignis ist, er ist nämlich im normalen Alltag einfach nicht sichtbar. Dennoch wird er uns alle irgendwann betreffen und dann stehen wir vor großen Fragen, die wir uns vorher nicht gestellt haben, weil uns der Mut fehlte oder weil man einfach nicht darüber nachdenkt.

Über den Tod nachzudenken, hat immer noch einen abergläubischen Aspekt, wenn Menschen glauben, dass der Gedanke an den Tod diesen unweigerlich näherbringt. Wir sollten eine gesunde Beziehung zum Tod aufbauen, denn sicher ist, dass wir aufeinandertreffen werden. Man bewertet die Gegenwart ganz anders, wenn man sich mit dem Tod auseinandersetzt, man setzt andere Prioritäten. Wir möchten gern, ohne den Zeigefinger zu erheben, den Tod ansprechen, thematisieren und zugänglich machen. Aber eben nicht über Vorsorgeaufforderungen oder gruselige Geschichten, sondern über historische Beiträge, Interessantes und Spannendes und Auseinandersetzungen mit grundlegenden Fragen. Und wenn man sich diesen Themen stellt, den Tod als etwas Normales akzeptiert, dann kann man auch Trauer zulassen und leben, privat und auch in der Öffentlichkeit. Trauer verbindet ja auch: Menschen, die Trost suchen, und Menschen, die Trost spenden. Das ist ein gesellschaftskonstituierendes Moment, das in unserer individualisierten Zeit eigentlich nur gut sein kann. Wir wollen also beides: die Nutzung individueller Möglichkeiten am Lebensende und auch gesellschaftlich (an)erkannte Rituale, die den Trauernden mit seinen Erinnerungen einbetten. Das ist Trauerkultur, das ist Erinnerungskultur.

 

Juliane Uhl und Stefanie Oeft-Geffarth

 

 

adeo-online: Als junge Unternehmerinnen sind Sie den sogenannten Neuen Medien gegenüber sehr offen und auch aktiv. Wie wichtig ist für das Unternehmen conVela das Internet, Facebook, Twitter und Co.?

Stefanie Oeft-Geffarth: Die Frage ist eher, gäbe es conVela ohne diese Medien? Für conVela stehen nicht nur die Produkte, sondern auch die Inhalte, die wir um das ganze Thema generieren. Für uns ist die Kommunikation ein wesentliches Mittel, die Themen Tod und Trauer gesellschaftsfähig zu machen – zumindest so weit, dass sie „normal“ stattfinden und gelebt werden können. Die Produkte selbst zeigen die Richtung an, in der wir uns wohlfühlen – Sinn und Gestaltung, die uns nutzen und entsprechen. Die weiter gefasste Kommunikation über die Themen reduziert die aktuelle Distanz zu diesen elementaren Lebensbestandteilen.

Die Kommunikationskanäle der Neuen Medien eignen sich hervorragend dazu, neue Inhalte zu schaffen, eine ganze gedankliche Welt zu erzeugen und diese unabhängig zu verbreiten. Und das Stichwort „unabhängig“ ist einer der entscheidenden Aspekte für die Wahl dieser Kanäle. Außerdem bieten sie eine Möglichkeit zur interaktiven Einflussnahme der Menschen, die unsere Inhalte lesen. Sie sind mehr als Leser, sie gestalten und reden mit. Und darum geht es uns doch – um echte Relevanz!

adeo-online: Die Bestattungsbranche befindet sich schon seit Jahren in einem Umbruch. Wie sehen Sie die Entwicklung der Bestattungsbranche? Welche Entwicklungen erachten Sie als dringend notwendig?

Stefanie Oeft-Geffarth: Die Ersten haben die Zeichen der Zeit schon erkannt: Erweiterung des Angebotsspektrums, das weit über die bloße Versorgung des Toten hinausgehen muss. Der Bestatter wird auch Verantwortung für die Hinterbliebenen übernehmen müssen; und sei es nur, dass er durch ein gutes Netzwerk „fachfremde“ Angebote koordiniert und „durchreicht“. Auch wird er sich noch viel stärker im Konkurrenzkampf mit Anbietern befinden, die althergebrachte Strukturen und Denkweisen aufbrechen, gesellschaftsorientierte Dienstleistungen anbieten und sich gar nicht mit dem engen Berufsbild des Bestatters beschreiben lassen.

Es geht im verstärkten Maße um individuellere, persönlichere und besser gestaltbare Bestattungen. Dabei geht es nicht um mehr Geld, sondern der Fokus wird sich verlagern. Und spätestens wenn der Sarg online erworben werden kann, muss der Bestatter entscheiden, ob er „nur“ die Grundversorgung oder doch lieber das ganze Paket anbieten will.

adeo-online: Nun noch einmal zu conVela. In den nächsten zwei Jahren wird die Branche viele Messen erleben. Dürfen wir davon ausgehen, dass Sie die ein oder andere als Aussteller besuchen werden? Und wie schaut es mit neuen Produktinnovationen aus – können wir da in naher Zukunft etwas Neues von conVela erwarten?

Stefanie Oeft-Geffarth: Oh ja – selbstverständlich! Wir haben doch gerade erst begonnen … Es stecken bereits die nächsten Produkte in der Pipeline. Zunächst kümmern wir uns aber in verstärktem Maße um die TRAUERNADEL. Sie hat genau die gesellschaftliche Relevanz, die ein wichtiges Produkt braucht. Und die Testphase ist nun abgeschlossen: Die Menschen nehmen sie an. Über unseren eigenen Onlineshop – das hört sich für uns immer etwas unpassend an, schafft aber die erwähnte Unabhängigkeit – verkaufen wir zu allen denkbaren Tages- und Nachtzeiten, und das deutschlandweit! Mit Resonanzmails, die schöner nicht sein können!

Die Erweiterung des Produktes TRAUERNADEL zum Spendenprojekt TRAUERNADELplus, das wir in den nächsten Wochen zum ersten Mal starten werden, ist dabei auch eine Neuerung, was auch wieder viel mit Kommunikation und Öffnung der Themen zu tun hat. Wir haben noch viel vor. Unsere Ideen und auch die der anderen Menschen gehen nicht aus. Es gibt viel zu tun. Und damit wachsen wir!

adeo-online: Vielen Dank für das Interview.

 

 

 

Informationen:  

conVela

Juliane Uhl & Stefanie Oeft-Geffarth GbR

Robert-Blum-Straße 37

06114 Halle/ Saale

Tel.: 0345 2137 9656 1

E-Mail: kontakt@conVela.de

Home: www.trauernadel.de

 

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