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Vernetzte Gräber – App und QR-Code auf dem Friedhof

18.11.2014
Ein Blogbeitrag von Birgit Aurelia Janetzky
Vernetzte Gräber –  App und QR-Code auf dem Friedhof
(Foto: Vinschen)

Historische Grabmale werden für einen größeren Kreis von Menschen erschlossen. Lebensläufe von Verstorbenen stehen auf dem Friedhof per Smartphone zur Verfügung. Die Digitalisierung ist nun endgültig auf dem Friedhof angekommen, von der App für kulturhistorisch bemerkenswerte Grabstätten bis hin zu QR-Codes auf Gräbern. Die Meinungen gehen auseinander. Was für den einen moderner Schnickschnack ist, ist für die andere eine neue Chancen für die Friedhofskultur.  

Zum ersten Mal habe ich QR-Codes auf meinem Smartphone eingelesen, als ich die Hackeschen Höfe in Berlin besuchte. Ich war fasziniert und bin von Code zu Code gegangen, habe den gegenwärtigen Eindruck direkt mit der Vergangenheit vergleichen können. Audio- und Videomaterial waren so gut aufbereitet, dass ich dafür gerne den Reiseführer in der Tasche gelassen habe.

Auf heise-online war vor kurzem zu lesen: „Stuttgart prüft QR-Codes an Promi-Gräbern.“ Vom „Trend zur Grabstätte 2.0“ ist die Rede. Nach den Steinmetzen, die den Code in den Grabstein meißeln und privaten Unternehmen, die etwas dezenter ein Schild mit Code auf dem Grab anbringen, werden jetzt die Kommunen zum Anbieter. Doch vorher sind einige grundlegende Fragen zu klären:

  • Wer zeichnet sich für das Projekt verantwortlich?
  • Wer stellt sicher, dass die Informationen, auf die der Code verlinkt dauerhaft erreichbar sind?
  • Wer entscheidet, welches Grab ein Promi-Grab ist?
  • Können Bürgerinnen und Bürger Vorschläge machen oder beantragen, dass ein bestimmtes Grab „promi“ wird?
  • Können die Angehörigen von Nichtpromis auch einen QR-Code samt Webspace vom Friedhofsträger zur Verlinkung kaufen?

Über 120 Kommentare auf heise-online belegen, dass die Idee Resonanz hervorruft. Allerdings reagieren die meisten ablehnend, belustigt oder bösartig. Da ist noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten.

Einen anderen Ansatz hat die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg gewählt. Sie hat einen audio-virtuellen Rundgang für rund 1.000 kulturhistorisch bedeutenden Grabmalen auf 37 national bedeutsamen historischen Friedhöfen für unterwegs und zuhause. Vor kurzem ist die bemerkenswerte Webseite gestartet www.wo-sie-ruhen.de

Das Projekt wird mit Mitteln des Bundes für Kultur und Medien gefördert. Besitzer eines Smartphones können sich eine WebApp herunterladen, die mit einem Klick auf die Seite führt. Jetzt nur noch den Friedhof eingeben und die Informationen sind verfügbar. Wer allerdings mehr über das Leben der hier begrabenen Person erfahren will, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Die Informationen beziehen sich weniger auf Lebensläufe, sondern auf die Grabmale, die sich durch herausragende architektonische oder kunsthistorische Bedeutung sowie außergewöhnliche Restaurierungsarbeiten hervorheben.

Gibt es auf dem Friedhof Ihrer Stadt bereits QR-Codes? Wie ist Ihre Meinung dazu?
Werden Sie sich die App herunterladen?

 

 

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3 Kommentare
  1. Liebe Frau Janetzky,

    ich wurde bei einer Urnenbeisetzung eines jungen Unfallopfers mit der Frage nach einem QR-Code auf einer Grabplatte konfrontiert. Zugegeben habe ich mich mit einem QR-Code auf einer Grabplatte bis zu diesem Tag noch nicht befasst. Die Eltern des Verstorbenen erklärten mir, dass aufgrund des großen und auch jungen Freundeskreises des verstorbenen Sohns, eine Gedenkseite im Internet eingerichtet werden soll. Mit Hilfe des QR-Codes soll auf diese Gedenkseite verlinkt werden.
    Für mich war jetzt das Internet auch auf dem Friedhof angekommen. Zuerst wurde mit den Angehörigen eine Gedenkseite entwickelt. Da die Seite sehr individuell sein sollte, waren die bekannten Online-Gedenkseiten keine Alternative. Wir entwickelten nach den Wünschen und in Kooperation mit den Hinterbliebenen eine entsprechende Gedenkseite. Die Internetadresse bildete dann die Grundlage für den QR-Code. Mit Hilfe der Laser-Gravur wurde neben einem Bild des Verstorbenen und seinen persönlichen Daten auch der QR-Code auf die Grabplatte gelasert.
    Mit Hilfe des QR-Codes kann der Besucher der Grabstelle jetzt direkt auf die Gedenkseite gelangen. Hier besteht die Möglichkeit persönliche Worte oder Gedanken zu hinterlassen, Bilder hochzuladen oder auch eine virtuelle Kerze zu entzünden.

    QR-Codes und Online-Gedenkseiten sind im Zeitalter der Digitalisierung für den Bestatter eine neue Erfahrung und sollten ein fester Bestandteil der Arbeitsroutine werden. Wir haben mit der Digitalisierung nur positive Erfahrungen sammeln können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Manuela Pipke

    Bestattungen Manuela Pipke in Lüdenscheid und Halver

  2. Liebe Frau Pipke,
    danke für dieses wunderbare Beispiel, wie die Nachfrage für einen QR-Code auf dem Grabstein entstanden ist und wie Sie damit umgegangen sind. Meist hört man ja nur von den Ängsten und der Scheu, diese Technik auf den Friedhof zu tragen, rein aus theoretischen Überlegungen heraus. Ich finde es wichtig, dass Bestatterinnen und Bestatter auf Begleitungen wie die von Ihnen beschriebene vorbereitet und mit den ganzen Begriffen und Möglichkeiten vertraut sind. Das wird in Zukunkft sicher häufier nachgefragt werden.
    herzliche Grüße,
    Birgit Aurelia Janetzky

  3. […] Vernetzte Gräber – App und QR-Code auf dem Friedhof (18.11.2014) […]

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