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@Vinschen

21.09.2010
Beitrag zum Thema "tod"
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Was passiert, wenn die Menschen nicht mehr sterben, der Tod überwunden wird und die Menschen ihren Traum vom ewigen Leben verwirklichen können? Die Probleme, die diesen Wunsch Realität werden lassen würden, zeigt der Literaturnobelpreisträger José Saramago in seinem Roman „Eine Zeit ohne Tod“ deutlich auf: Statt einer glücklichen Gesellschaft hätten wir ein Horrorszenario. Horden von kranken und alternden Menschen füllen die Krankenhäuser und Altersheime bis zum Bersten. Die jüngere Generation kämpft mit den Folgen, denn sie muss für die Alten und Kranken aufkommen – erinnert uns das nicht an unsere eigene aktuelle und sehr reale demografische Situation?

Der Tod gehört zum Leben dazu. In dem Buch heißt es: „… weil jeder von euch seinen eigenen Tod hat, man schleppt ihn von Geburt an klammheimlich mit sich herum, er gehört dir, du gehörst ihm …“ Saramago macht deutlich, dass jeder seinen eigenen Tod mit sich führt und sogar der Zeitpunkt bereits feststeht. Unsere Gesellschaft suggeriert uns jedoch ewiges Leben – ewiges und jugendliches Leben. Wir selbst verschließen uns der Tatsache, dass wir sterblich sind. Wir schließen die Augen und Ohren, wenn das Thema Tod zur Sprache kommt. Wir, die wir in einer industrialisierten, technischen und medialen Welt leben, wollen uns nicht mit der Tragik des Todes konfrontiert sehen. Und wenn es doch jemanden aus unserer Mitte trifft, sind wir betroffen, fassungslos, traurig – aber die Menschen vergessen auch schnell wieder und erneut leugnen wir das Unumstößliche: dass unsere Zeit auf Erden befristet ist.

Wann es uns treffen wird, wissen wir nicht. Aber wir scheinen auch nicht wissen zu wollen, dass es uns treffen wird. In Saramagos Roman entschließt sich „tod“ nach siebenmonatiger „Arbeitsniederlegung“ wieder ihrer (sic! – der Tod ist weiblich im Roman) Pflicht nachzugehen. Diesmal jedoch möchte sie jedem Menschen die Gelegenheit geben, seine Zeit auf Erden sinnvoll zum Abschluss zu bringen, denn jeder Mensch erhält einen Brief, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er innerhalb einer Woche sterben wird. Wieder ein Horrorszenario.

Den Wunsch, ewig zu leben oder zumindest zu wissen, wann man ableben wird, wird nach der Lektüre niemand mehr hegen. Es würde wohl auch keiner, der sich ernsthaft Gedanken macht, tatsächlich die Erfüllung eines solchen Wunsches erhoffen. Dennoch – was veranlasst uns, uns überhaupt keine Gedanken darüber zu machen? Wie kommt es, dass wir uns, obwohl unserer Sterblichkeit bewusst, zu Lebtagen nicht mit unserer eigenen Bestattung auseinandersetzen?

Was würde passieren, wenn den Menschen tatsächlich bewusst wäre, dass sie sterblich sind, und sie auch danach leben würden?

„Denk z.B. mehr an den Tod, – & es wäre doch sonderbar, wenn Du nicht dadurch neue Vorstellungen, neue Gebiete der Sprache, kennenlernen solltest.“

Wittgenstein

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1 Kommentar
  1. Ich glaube nicht, dass der Tod geleugnet wird. Er wird zumeist vedrängt und west dennoch implizit in uns. Ohne ein Wissen darum, wäre unser Handeln egal, ja beliebig. Ohne den Tod gäbe es keine Notwendigkeit für Kinder (eher im Gegenteil!). Und dass die Leute sich nicht zu Lebzeiten mit ihrer eigenen bestattung „auseinandersetzen“ – nun ja. Erstens stimmt das so pauschal nicht und zweitens – warum auch?

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