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“Was du mich tun lässt, begreife ich.” – Abschied gestalten, Trauer Form und Ausdruck geben (Teil II)

10.06.2014
Ein Blogbeitrag von Barbara Rolf
“Was du mich tun lässt, begreife ich.” – Abschied gestalten, Trauer Form und Ausdruck geben (Teil II)
Foto: Franziska Molina

Heute nun Teil zwei des Vortages, den ich im Rahmen der Messe „Leben und Tod“ in Bremen halten durfte. Nach den Vorbemerkungen geht es nun um konkrete Bereiche, in denen Angehörige aktiv in das Bestattungsgeschehen einbezogen werden können. Ehe ich darauf eingehe, möchte ich aber noch betonen, dass hier nur Möglichkeiten vorgestellt werden. Es geht nicht um Vorgaben oder Empfehlungen. Es gibt nicht das grundsätzlich Bessere, das immer Richtige. Jeder Mensch hat seine eigene Trauer und seinen eigenen Trauerweg. Jeder muss entscheiden, was er will und was nicht, was ihm gut tut und was nicht. Auch die Persönlichkeit des Verstorbenen gibt vor, was gut passt und was gar nicht geht. Es ist jedoch wichtig, dass Angehörige erfahren, welche Wege es gibt, woraus sie auswählen können, wozu sie ja sagen dürfen und nein.

 

Wo kann Abschied gestaltet, Trauer Farbe, Form und Ausdruck gegeben werden?

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Grundsätzlich kann nahezu jeder Schritt kann gemeinsam gemacht werden.

Wichtig ist, in Ruhe zu überlegen, wer einbezogen werden soll, wem die Möglichkeit gegeben werden soll, sich einzubringen. Kinder und Jugendliche müssen als Trauernde wahr- und ernstgenommen werden. Sie brauchen genauso wie Erwachsene die Möglichkeit, ihre Trauer zu leben und damit in einer Weise umzugehen, die ihnen entspricht.

 

1. Der Sterbeort, das Sterbebett

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Verweilen

Die Veränderungen sehen

Das Weitergehen spüren

Beten

Eine Aussegnung feiern

Lesen

Singen

Musizieren

Kerzen entzünden

Blumen und Geschenke zum Verstorbenen legen

Bei der Erstversorgung helfen

Soll es Bilder, Fotos geben von dieser Zeit?

 

2. Die Zeit der Aufbahrung

Wo soll diese stattfinden?

Soll der Verstorbene Kleidung tragen? Wenn ja, etwas Eigenes oder ein Sterbegewand aus dem Angebot des Bestattungsunternehmens?

Sargauswahl beim Bestattungsunternehmen/Sarg selbst bauen

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Von den Angehörigen selbst angefertigter Sarg

Sarg bemalen/gestalten? Wer? Wo?

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Von Familie und Schulkameraden bemalter Sarg

Decke und Kissen beim Bestattungsunternehmen auswählen oder etwas Eigenes verwenden

Der Leichnam kann auch auf Heu, Stroh, Lavendel etc. gebettet werden.

Mithelfen bei Versorgung und Einbettung des verstorbenen Menschen

Sargbeigaben

Möchten die Angehörigen etwas Körperliches bewahren (Fingerabdruck, Hand- oder Fußabdruck, Haarsträhne, Totenmaske…)?

Füße

 

3. Das Gespräch mit dem Bestattungsunternehmen

Abläufe

Orte

Termine

Äußere Gestaltung

Inhaltliche Gestaltung

Karten und Anzeigen

Anzeige

 

4. Das Gespräch mit der/dem Geistlichen oder Redner/in

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Was war wesentlich in diesem Leben?

Was war heilig?

Welche Texte, Musik, Rituale und Zeichen sollen vorkommen?

Wer möchte sich einbringen?

 

5. Die Trauerfeier/Bestattung

Mit Geistlicher/m, Redner/in, Freund/in, Familie, still?

In Stille, im engsten Kreis oder öffentlich?

Sollen die Trauergäste in schwarzer, heller oder bunter Kleidung kommen?

Wie viel Zeit brauchen wir? Die Gebühren für Doppel- oder Zusatzzeiten sind oftmals gut investiert!

Kondolenzbuch

Sargschließung

Die Urne

Urne

Von der Schwester des Verstorbenen selbst angefertigte Urne

Eigene Beiträge

Musik/Gesang/Tanz

Blumen

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Lichtrituale/Rituale

Kerzenherz

Bild/Fotokollage/Bilderpräsentation

Sarg tragen/Urne tragen

Erdwurf, Blütenwurf, Wasserritual

Grabbeigaben

Luftballons steigen lassen

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Grab schließen (sofern der Friedhofsträger das erlaubt)

Das Grabkreuz/die Grabtafel/der Grabstein…

18_Kreuz Ruppert

 

Schlussbemerkungen

Schüler fragten mich neulich, was ich mir wünschen würde, wenn ich drei Wünsche frei hätte. 🙂

  1. Dass wir das Urvertrauen ins Leben wieder finden, dieses Wissen, dass es letztlich, im Großen und Ganzen gut eingerichtet ist. Dass wir verinnerlichen, dass der Tod dazugehört, kein Feind des Lebens ist, sondern Lebensprinzip.
  2. Dass sich die Menschen im Trauerfall mehr Zeit und Ruhe gönnen.
  3. Schließlich wünsche ich mir noch mehr Licht und noch mehr Farbe am Friedhof und bei unseren Abschiedsfeiern. Es ist ja nie nur der Tod, der uns im Trauerfall zusammenführt, es ist immer auch das Leben. Es geht um Trauer, aber auch um Verbundenheit, Liebe und Dankbarkeit, um kostbare Erinnerungen. Und kaum ein Mensch steht – auch wenn er diese ganz unterschiedlich formuliert – ohne Hoffnung an einem Sarg oder an einer Urne. Das dürfen wir abbilden!

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Wir Menschen sind verschieden, jeder entscheidet, was ihn ausmacht, was wichtig ist, was nicht. Kein Leben gleicht dem anderen. So auch kein Tod und kein Abschied. Es ist eine Herausforderung, dem gerecht zu werden, manches Mal ist es schwer und kaum zu schaffen. Zugleich macht genau das den Beruf so besonders, bunt und täglich wieder spannend. Es gilt immer neu zu fragen, was glaubst du, was hoffst du, was trägt dich, was brauchst du und was nicht, was gibt deinem Leben Sinn und Richtung?

Wir haben nahezu grenzenlose Möglichkeiten, auf diese Verschiedenheiten einzugehen und Abschied so zu gestalten, dass er passt zu dem, der geht und zu denen, die bleiben. Einige dieser Möglichkeiten habe ich gerade angesprochen.

Abschließend will ich nun aber noch einen Blick werfen auf die Konstanten in aller Veränderung, das Bleibende in allem Wandel, das Gleiche in aller Verschiedenheit.

Es sind, so glaube ich, fünf Dinge, von denen wir annehmen dürfen, dass sie für alle Menschen gelten, gleich welchen Alters, welcher Religion, welcher Herkunft, unabhängig davon, wie sie ihr Leben gestalten und in welchen Kontext sie es stellen. Alle Menschen (die berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen, gibt es natürlich) sind sich meines Erachtens in folgenden Punkten einig:

  1. Der Tod ist ein großes und wichtiges Ereignis im Leben des Menschen.
  2. Der Leichnam, der Leib eines Verstorbenen hat Würde. Diese ist zu wahren, indem wir respektvoll und gut mit ihm umgehen.
  3. Trauer braucht Zeit, Raum und Ausdruck.
  4. Zu unseren Verstorbenen bleibt Verbindung. Sie bleiben Teil unseres Lebens und unserer Gemeinschaft.
  5. Wir dürfen die Hoffnung haben, dass der Tod nicht nur Ende und Vernichtung, sondern auch Übergang und Verwandlung ist, hin zu einem – wie auch immer gearteten – neuen Leben. So spricht er wohl ein mächtiges, aber nicht das allerletzte Wort.

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