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„Was Du mich tun lässt, begreife ich…“ Von Eltern, die ihre verstorbene Tochter selbst bestatten.

14.10.2013
Ein Blog-Beitrag von Barbara Rolf
„Was Du mich tun lässt, begreife ich…“ Von Eltern, die ihre verstorbene Tochter selbst bestatten.
Franziska Molina

Behauptet habe ich es schon einige Male, wenn Gruppen zu Besuch waren oder im Rahmen von Vorträgen: Man kann (wenn man diesen Wunsch, die Kraft und die Helfer hat) im Trauerfall theoretisch alles selbst machen.

Heute durften wir erstmals erleben, dass es nicht nur in der Theorie, sondern auch tatsächlich geht.

Eine Familie rief an, deren Tochter verstorben ist. Sie haben sie selbst gewaschen, eingekleidet und zu Hause aufgebahrt.

Sie sind zum Standesamt, zum Friedhofsamt und zum Pfarramt gegangen, haben alles amtlich Notwendige getan und die Bestattung terminiert.

Die Benachrichtigungen machen sie ebenfalls selbst und mit Hilfe von Freunden.

Morgen Mittag kommt der Vater der Verstorbenen zu uns, holt einen Naturholzsarg mit Griffen und leiht unser weißes Bestattungsfahrzeug aus, das er uns am Sonntag wieder zurückbringen wird.

Kiefer natur

Sie werden sie selbst einsargen, sie in eigenes Bettzeug betten und den Sarg noch zu Hause mit Blumen schmücken lassen.

Blumen

Der Vater wird den Bestattungswagen selbst zur Kirche und im Anschluss an die Trauerfeier zum Friedhof fahren. Die Angehörigen werden den Wagen zu Fuß begleiten (die Wege sind kurz).

Chrysler

Die Sargträger kommen aus dem Familien- und Freundeskreis.

Zugegeben: Nicht gut für den Umsatz. 😉

Aber gewiss gut für den Trauerprozess dieser Angehörigen, weil es ihnen so entspricht. Und (das jedenfalls vermute ich) auch gut für die Verstorbene, die nie in anderen Händen ist, als in denen ihrer Lieben.

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4 Kommentare
  1. Juliane Uhl sagt:

    Wenn jede Familie nur ein wenig Mut wie diesen hätte, wäre schon einiges besser. Guter Artikel, danke dafür.

  2. Der Tod ist nichts schlimmes. Leider wird in unserer Gesellschaft etwas Schlimmes daraus gemacht. Geborenwerden und sterben sind der Anfang und das Ende des Lebens. Geobren und gestorben wird zuhause – so war es vor vielen Jahren üblich. Der Lauf des Lebens fand in der Familie statt.

    Es braucht Mut und Entschlssenheit diese Art wieder umzusetzten. Ich würde mir wünschen, dass ein Wandel zu diesem familiären Leben erneut einsetzt.

    Danke für diesen Artikel und den Mut es so zu handhaben.

    Mit lieben Grüßen
    Trauerredner Fulda

  3. Ich finde es wunderbar, wenn Angehörige so etwas tun. Sie ahnen oder wissen wahrscheinlich, dass es ihnen hilft!
    Vom Standpunkt der Bestatterin aus gesehen, liebe Barbara, finde ich es toll, dass du deinen Kunden diese Möglichkeit zur Verfügung gibst und ich glaube auch, dass selbst ökonomisch gesehen sich solch ein Ruf, den frau sich damit schafft, ,den Verlust an dieser Stelle, in Zukunft mehr als wieder ausgleichen wird.

  4. Ich wünschte, diese Offenheit für die Anliegen der Menschen würde in Deutschland Schule machen. Liebe BestatterInnen, klebt nicht am Gedanken „Umsatzmachen“, zeigt den Menschen neue Wege, neue Möglichkeiten und sie werden nur so zu Euch strömen. Die Kasse wird endlos klingeln – auch ohne hartnäckigem Bestehen auf Paketpreise! Vielleicht stimmt die Bilanz am Ende des Jahres dann auch so – ganz einfach und menschlich! :-))))

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