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„Wir machen jetzt auch auf Social Media“

17.04.2013
Ein Blogbeitrag von Birgit Aurelia Janetzky
„Wir machen jetzt auch auf Social Media“
(Foto: Vinschen)

Das Alter der Nutzer sozialer Netzwerke steigt

Viele Menschen denken, die Nutzer sozialer Netzwerke wären die Menschen, denen der Computer bereits in die Wiege gelegt wurde, die sogenannten Digital Natives. Eine aktuelle Untersuchung dagegen zeigt, dass die Nutzer sozialer Netzwerke immer älter werden. Die Marktforschungsfirma ComScore hat im Dezember 2012 Zahlen veröffentlicht, dass das durchschnittliche Alter der Nutzer von Facebook in Deutschland bei 38,7 Jahre Jahren liegt, Tendenz steigend. Ähnlich sieht es beim Business-Netzwerk Xing aus, das durchschnittliche Alter der Nutzer liegt hier 43,8 Jahren. Bei „wer-kennt-wen“ wurden 44,6 Jahre errechnet, die Plattform Linkedin liegt mit 46,2 Jahren sogar noch deutlich darüber. Mit 48,2 Jahre hat das soziale Netzwerk Stayfriends den höchsten Altersdurchschnitt, sieht man einmal von den Seniorennetzwerken ab, die jedoch von vornherein nur Menschen ab 50 ansprechen.

Vom Alter her sind die über 40-Jährigen die Generation, die in den kommenden Jahren nach und nach die Beerdigung ihrer Eltern in Auftrag geben wird. Da fragt man sich zurecht, weshalb die Bestattungsbranche so wenig in den sozialen Medien vertreten ist.

Telefonbuch ade

Das Medium Internet ist zur meistgenutzten Informationsquelle geworden. Wer vor dem Bildschirm sitzt, gibt „Bestattungen“ und „Ort“ ein, wenn er die Dienste eines Bestatters in Anspruch nehmen möchte, besser gesagt muss. Das Telefonbuch wird immer seltener zur Hand genommen. Die Trefferlisten der Suchmaschinen führen den potenziellen Kunden auf die Seiten der Telefonbuchverlage, der Online-Branchenbücher, auf die Webseiten der Bestattungshäuser und vermehrt auch zu den Profilen in den sozialen Netzwerken. Natürlich funktionieren die klassischen Anzeigen im Telefonbuch oder lokalen Zeitungen weiterhin, doch wer in Zukunft nicht in sozialen Medien vertreten ist, verzichtet auf einen wichtigen Marketingkanal. Bestatter goes Internet. Wenn die örtliche Bindung abnimmt – und in unserer mobilen Gesellschaft ist das der Fall –, nimmt auch die Bindung an den örtlichen Dienstleister, also auch den Bestatter ab.

Einen ersten Eindruck holen sich die zukünftigen Kunden aus dem Internet. Hier sind zu allererst eine gute Website, klare Informationen und eine einladende Gestaltung gefragt. Eine Serie zu Websites im Bestattungsgewerbe finden Sie auf meinem Blog. Wer eine gute Website hat, muss dafür sorgen, dass sie auch gefunden wird. Das funktioniert über eine Suchmaschinenoptimierung und Verlinkungen auf anderen Seiten. Ab und zu wird der Veranstaltungskalender aktualisiert oder das Bild eines neuen Mitarbeiters eingestellt. Der Aufwand bei der Erstellung der Seite ist groß – ist die Seite im Netz, ist er jedoch eher klein. Die Nutzung von Social Media folgt anderen Gesetzen. Die Einrichtung eines Profils auf Facebook, Twitter, Xing, Youtube oder Slideshares ist schnell erledigt. Danach allerdings sollte man die Hände nicht in den Schoß legen, denn dann wäre die Mühe umsonst gewesen.

Social Media lebt von Inhalten. Anders als auf einer Webseite ist hier die Kommunikation auch keine Einbahnstraße. Wer eine Firmenwebsite bei Facebook oder einen Account bei Twitter hat, lebt davon, dass seine Leserinnen und Leser, Follower und Fans die Beiträge weiter empfehlen und fleißig die Kommentarfunktion nutzen. Die sozialen Medien lassen sich überall dort nutzen, wo das Unternehmen eine Schnittstelle nach draußen hat. Das ist die Kommunikation in den persönlichen Kontakten, im Bereich der Kommunikationsmaßnahmen im Marketing, die Bereitschaft zu Sponsoring, die Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, im Verkauf.

Wer bereit ist für den Dialog, kann von seinen Kontakten wertvolle Hinweise bekommen, wie sein Unternehmen wahrgenommen wird und wie er sein Profil schärfen kann. Denn wer sich nicht bewegt, kommt nicht voran. Welche Plattformen infrage kommen und wie, das klärt eine gute Social-Media-Beratung. Jede hat ihre Eigenheiten, Nutzerinteressen und Möglichkeiten. Gut zu wissen ist auch, dass jede Website einen Eingang wie auch einen Ausgang besitzt. Wem ein Dienst nicht liegt, wenn das Profil nur Arbeit, aber keinen Nutzen bringt, wenn die falschen Leute dort unterwegs sind, gibt es den „Löschen“-Knopf. Ein verwaistes Profil hinterlässt einen schlechteren Eindruck als gar keines.

Am Anfang steht die Strategie

Bevor das Profil eingerichtet und der erste Beitrag geschrieben wird, sollte eine klare Strategie erarbeitet werden, am besten mit jemandem, der sich mit Social Media in der Unternehmenskommunikation auskennt.

Fragen im Vorfeld sind:

  • Wie lässt sich Social Media strategisch in ein Gesamtkonzept von Marketing und PR einordnen?
  • Welche Ziele werden so erreichbar?
  • Wie positioniert sich das eigene Unternehmen?
  • Wie wird die Balance gehalten zwischen dem Wunsch zu kontrollieren und der Dynamik der Social-Medi-Plattformen in Fragen der Aktualität und Spontanität?
  • Wie stehen die Mitarbeitenden im Unternehmen zu der neuen Sichtbarkeit?

Einige wichtige Grundregeln sind:

  • auf eine einfache Bedienbarkeit achten
  • regelmäßigkeit schreiben
  • kontinuierlich schreiben
  • klare Aussagen machen
  • Kommunikation mit anderen nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Bereicherung sehen; bereit sein, sich auch mit kritischen Stimmen auseinanderzusetzen
  • klären, wer schreibt und nach welchen Richtlinien
  • sicherstellen, dass die Profile im Unternehmen bleiben, wenn der schreibende Mitarbeiter das Unternehmen verlässt
  • Transparenz herstellen, wer schreibt und wer der Anbieter ist
  • keine unredlichen Maßnahmen (gekaufte Links und Follower, Fake-Bewertungen)

Die Spannbreite ist groß. Bei den einen schreibt ein Mitarbeiter, der die Klaviatur des Internets zu spielen weiß, der andere engagiert eine Full-Service-Agentur. Der erste Schritt jedoch ist, sich eine Social-Media-Strategie zu erarbeiten und Sinn mit Unsinn, Kosten mit Nutzen abzuwägen. Dazu gehört auch das Controlling. Nach einem vorher definierten Zeitraum sollte Bilanz über Aufwand und Nutzen gezogen und die Strategie angepasst werden. Diese Überprüfung sollte regelmäßig erfolgen.

Kompetenzen für ein erfolgreiches Social-Media-Marketing sind bislang noch kein Thema in der Bestatterausbildung. Die Chancen und Möglichkeiten, die Social Media in der Branche bereithält, werden gerade durch einige Vorreiter erkundet. Doch jeder kann sich diese Kompetenzen erwerben und diesen Marketingkanal planvoll aufbauen. Über allen Maßnahmen steht die Überschrift: Social Media ist ein Kontaktkanal, kein Werbekanal. Wer nur sein Unternehmen darstellen und seine Flyer online verbreiten will, ist mit der herkömmlichen Zeitungsanzeige besser bedient.

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